Otto Kernberg ist der berühmteste Psychotherapeut der Welt. Im Dialog mit Manfred Lütz zieht er jetzt erstmals die Bilanz seines Therapeutenlebens und erklärt allgemeinverständlich und unterhaltsam, was psychische Krankheiten sind und wie man sie behandelt. Dabei kommt er auf Grundsätzliches zu sprechen, die Frage nach der Existenz Gottes und das ewige Leben – und auf seine eigene Die Kindheit in Wien, die Flucht vor den Nazis nach Chile, die Karriere in den USA. Wenige hundert Meter vom Trump Tower in New York äußert sich der renommierteste Narzissmus-Experte der Welt auch über Donald Trump.
Otto Kernberg über seine Kindheit im nationalsozialistischen Wien
Otto Friedmann Kernberg (born 10 September 1928) is an Austrian-born American psychoanalyst and professor of psychiatry at Weill Cornell Medicine. He is most widely known for his psychoanalytic theories on borderline personality organization and narcissistic pathology.
Der Psychiater, Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz unterhält sich in diesem Buch mit dem 92 jährigen und 60 Stunden pro Woche arbeitenden Psychoanalytiker Otto Kernberg aus New York. Das gesamte Buch ist ein großes und langes Interview. Es ist höchst interessant zu lesen, wie das Leben von Otto Kernberg verlaufen ist. In ausführlichen Erzählungen berichtet er über eine Kindheit in Wien, seiner Flucht vor der an Macht gewinnenden NSDAP, über die Jugend und das Medizinstudium in Chile, den Umzug in die USA, über die Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität und Kultur. Noch interessanter finde ich die Anekdoten über Patient*innen (vor allem von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen), von denen er durch seine langjährige (!) Berufserfahrung einige hat. Diese Erzählungen können helfen, einen plastischen Eindruck, manchmal schockierend und traurig, mal humorvoll und wertschätzend, von Menschen mit solch häufig leidvollen Erkrankungen zu bekommen. Für tiefere Auseinandersetzungen mit dem Thema der Persönlichkeitsstörungen und Psychoanalytik sind sie aber sicher nicht ausführlich genug.
So viel zu den guten Teilen des Buchs. Nun zu den weniger guten. Herr Lütz hat mich teilweise sehr wütend gemacht. Gar habe ich ein halbes Kapitel übersprungen, weil ich es nicht aushalten konnte. In diesem besagten Kapitel monologisierte er ausschweifend und legte seine Ansichten über Gott, Glaube, die katholische Kirche (als ob es die einzige und vor allem wahre sei) dar. Er kam immer und immer wieder auf diese Themen zurück und ich hatte das Gefühl, dass er den Redefluss von Herrn Kernberg stark gestört hat. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass er Herrn Kernberg und die Leser*innenschaft zur katholischen Kirche bekehren wollte oder zumindest von der Existenz eines (katholischen) Gottes überzeugen wollte. Es hat mich geärgert, dass Herr Lütz häufig viel (Gesprächs-)Raum einnahm, sogar sein Gegenüber unterbrach. Vielleicht war das einer möglichen Intention geschuldet, eher eine Unterhaltung zu führen anstelle eines Interviews. Dann hätte aber das gesamte Buch anders aufgebaut werden und auch Gegenfragen seitens Herrn Kernberg kommen müssen. Dies war nicht der Fall. So zeugten seine Ausführungen eher von einem selbstgefälligen Bildungsbürgertum und einer Arroganz, die mir als Leserin meine absolute Unwissenheit vor Augen geführt haben. Herr Kernberg wurde häufiger von ihm darum gebeten, einem “gebildeten Metzger” einen komplexen Sachverhalt bspw. eine psychoanalytische Theorie zu erklären. Als ob ein Metzger per se ungebildet sei, weshalb seine Bildung in diesem Fall betont werden muss. Als ob ein Metzger niemals so schlau wie Hr. L. sein kann, weshalb für ihn jetzt eine einfache Sprache angewendet werden muss. Als ob es keine Metzgerinnen gäbe. ... Diese Formulierung ist in vielerlei Hinsichten völlig unpassend! Das Buch beginnt er mit den Worten: “In diesem Buch ist aus rein pragmatischen Gründen der Lesbarkeit stets die männliche Sprachform gewählt worden, wofür ich Leserinnen um Verständnis bitte.” Mein Verständnis hat er nicht. Nicht, wenn ich durch das Buch den Eindruck bekommen habe, dass dieser Mann in einer so gestrigen Welt hängen geblieben ist und er aus Gründen der Bequemlichkeit, Gewohnheit und des Nicht-betroffen-seins in vollem Bewusstsein einfach so weiter macht wie immer bis in Ewigkeit.
Aber davon abgesehen waren die Teile, in denen Otto Kernberg zu Wort gekommen ist, unterhaltsam, lehrreich und durchaus lesenswert.
Vor allem der "Interviewstil" von Herrn Lütz, seine Art, Suggestivfragen zu stellen und sich selbst mit ellenlangen Ausführungen und seiner eigenen Meinung in den Vordergrund zu spielen, sind mir beim Lesen unangenehm aufgestoßen. Herr Kernberg ist sicher interessant als Fachmann und Mensch, aber dieses Büchlein schadet dem Ruf der Psychoanalyse mehr als dass es ihr nutzt.
Leider wirkten die beiden älteren Herren auf mich auch wie aus der Zeit gefallen mit ihren Anspielungen, Witzchen und Gemeinplätzen. Auch der von Herrn Lütz immer wieder zitierte "gebildete Metzger" als Repräsentant für den/die Leser/in des Interviews hat mich überhaupt nicht angesprochen.
Am interessantesten waren für mich die Kapitel, in denen es um Herrn Kernbergs Jugend und seine Erfahrungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg ging. Alles andere empfand ich inhaltlich-fachlich als zu oberflächlich. Insgesamt kommt die Psychotherapie in den Gesprächen (vielleicht zurecht, ich weiß es nicht) eher schlecht weg. Das rein interne Kontrollverfahren bei Missbrauchsfällen und die sektenartigen Aufnahmeprüfungen sind z.B. hanebüchen und erinnern mich ungut an die katholische Kirche. Sehr antiquiert und unangenehm - Ich wüsste nicht, wem ich das Büchlein empfehlen sollte.
Schon intressant, aber es gab da auch einiges, das ich nicht so mochte. Schwer zu sagen oder zu erklären, warum ich nur drei Sterne für dieses Buch gebe.
Da ich doch mich erinnerte, das ich gute Tipps für andere Bücher in dem Buch fand, habe ich noch einen Stern für das Buch gegeben.
An sich eine sehr nette Idee, ein Interview in Form eines Buches zu verpacken. Vier Dinge die mir aufgefallen sind: 1. Das Buch beschäftig sich zu einem großen Teil mit religiösen Themen. Auch werden Fragen zu Ansichten gestellt, wo Lütz die Antwort von Kernberg bereits kennt. Das irritiert und lässt die Frage aufkommen, warum er sie noch einmal stellt. Man gewinnt den Eindruck, dass viele Fragen aus einem persönlichen Interesse gestellt wurden und nicht aus journalistischen Zwecken. Wenn ich die Chance hätte, einen weltberühmten Analytiker interviewen zu können, würden mich einige andere Themen mehr interessieren (bezogen auf Psychotherapie - steht ja auch im Titel). 2. Man bekommt mit dem Buch einen kleinen Einblick darüber, wie Otto Kernberg denkt und wie seine therapeutische Haltung ist. 3. Einige spannende Passagen darüber, was Otto Kernberg in seinem Leben erlebt hat. 4. Das Buch lässt sich leicht lesen - Otto Kernberg antwortet sehr verständlich & formuliert schwierige Konstrukte vereinfacht.
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interessante inhalte über die biographie kernbergs, irreführender titel, in kapitel 7 wird es unangenehm missionarisch-grenzüberschreitend, ansonsten sehr unterhaltsam 3/5