Stone Heart ist der erste Teil einer Romantasy-Dilogie, dessen Grundidee ich sehr interessant finde. Leider konnte mich die Story dahinter nicht überzeugen.
Das Setting spielt in einer fantasy-mittelalterlichen Welt, in der Männer herrschen und Frauen sich zumeist unterordnen zu haben. So auch Ezlain, die „in einem goldenen Käfig“ aufwächst und nun auch noch einen abstoßenden, gewalttätigen Mann heiraten soll, der sie unterdrücken und demütigen will. Noch dazu soll ihre einzige Vertraute, ihre Sklavin Cressa, bestraft und von ihr getrennt werden. Um diesen Schicksal zu entrinnen, flüchten die beiden jungen Frauen und schleichen sich, getarnt als Männer, auf ein Schiff. Durch einige Zwischenfälle werden sie jedoch voneinander getrennt und Ezlain strandet auf einer Insel. Dort rettet sie ein geheimnisvoller (und natürlich gutaussehender) Mann. Die beiden schließen einen Pakt, denn: Ezlain braucht Hilfe, um ihre Freundin zu retten, und Drayce will endlich von der Insel entkommen. So kommt es, dass die beiden von nun an gemeinsam unterwegs sind und die Verfolgung der Schiffsleute aufnehmen, um Cressa zu finden.
An sich finde ich das Setting und den Plot sehr spannend, gerade auch diese raue, gefährliche Welt und der Schuss von Fantasy und Rätseln, der hier mit reinspielt. Auch muss ich absolut den Schreibstil der Autorin loben, sie weiß, wie man Bücher schreibt, es liest sich angenehm und flüssig und es kommen spannende und mitreißende Szenen auf.
*Ab hier gibt es ein paar Spoiler!*
Leider war für mich jedoch einiges nicht stimmig. So ZB das Verhältnis zwischen Ezlain und Drayce. Sie war unwahrscheinlich oft zickig und stets bemüht, ihre Empfindungen zu leugnen, weil sie ja ohnehin „ein Herz aus Stein“ hat. Das war auf Dauer leider sehr nervig zu lesen und hat mich immer öfter die Augen verdrehen lassen. Es wird immer wieder gesagt, dass sie ja so eine STARKE Frau wäre, aber das bedeutet für mich eben nicht, seine Emotionen bis ins Lächerliche hinein abzustreiten oder mit übertriebener Gewalt Männer zu verdreschen. Denn, es kommt auch zu Szenen, in denen Ezlain Gewalt von Männern erfährt. Im Gegenzug lässt sie jedoch auch in unnötiger Brutalität ihren Zorn ungezügelt an Männern aus. Soll das eine starke Frau vermitteln? Sorry, nein. Klar, wehre dich; aber auf einen Schiffskapitän einzuprügeln, nur weil er sich weigert, dich mitzunehmen, wird von ihrem Drayce als unglaublich sexy und feminine Heldentat gefeiert. Das hab ich leider ganz anders empfunden… Und ja, ein Charakter muss sich nicht immer moralisch einwandfrei verhalten, ganz und gar nicht! Die, die es nicht tun, sind in der Regel viel interessanter! Aber dann lass uns realistisch in Abgründe reinschauen und feiere es nicht als vermeintliche „Heldentat“. Das und einige andere Punkte haben mich leider echt sehr gestört. Das sendet in meinen Augen keine gute Message und hat es mir wirklich schwer gemacht, mit Ezlain zu sympathisieren.
Auch dieses Hin und Her mit Drayce hat mich leider genervt. Ich bin einfach nicht der Typ für solche Arten von Lovestorys, denke ich. Ich konnte die Gefühle zwischen den beiden nicht nachempfinden, für mich hat sich das auch nicht richtig aufgebaut. Was mich auch gestört hat, war eine eigentlich gefährliche Szene in einer Höhle, wo sie von den Seemännern umzingelt wurden. Gerade Ezlain, die gar keine Erfahrung mit richtigen Schlachten oder Kämpfen hat, hätte hier große Angst haben müssen. Stattdessen wird die Szene ins Lächerliche gezogen, da sie und Drayce einen nekischen Streit draus machen, wer von ihnen jetzt mehr Seemänner abschlachtet! Das kann man vielleicht in einer Komödie machen oder wenns um einen grotesken Psychopathen geht, aber für mich hat es da 0 reingepasst. Vor allem, weil es danach doch wieder „episch“ wurde, weil etwas Bestimmtes passiert ist.
Was mich auch gestört hat, war, das ständig betont werden musste, wie toll und gutaussehend Ezlain ja ist. Versteht mich nicht falsch, die Prota muss keine graue Maus sein; aber wenn sie ständig im Buch beweihräuchert wird, dann geht mir das einfach auf die Nerven. Lass mich selbst entscheiden, ob ich sie toll, stark, schön, etc. finde. Show, dont tell. Ich möchte mir selbst eine Meinung bilden, und es nicht ständig von anderen Charakteren eingetrichtert bekommen. Danke. Im Gegenzug hat mich auch gestört, dass sie zwar leugnet, etwas für Drayce zu empfinden, trotzdem aber ständig nach ihm schmachtet, ihren Blick nicht loslösen kann, und seine tollen Bauchmuskeln, und sowieso sieht er ja so unwiderstehlich aus… ohje. Nicht meine Art Buch, sorry.
Was ich jedoch noch positiv erwähnen möchte, ist dass das Geheimnis um Drayce interessant war und vor allem das Ende mir gut gefallen hat. Da kam nämlich nochmal ein überraschender Twist und es ging spannend zu Ende. Den zweiten Teil werde ich jedoch trotzdem nicht lesen.
Ich kann schon verstehen, warum so viele Fans des Genres das Buch feiern, für mich war die Story aufgrund der genannten Punkte jedoch leider nichts. Vielleicht probiere ich es nochmal mit einer anderen Reihe der Autorin, denn wie gesagt; schreiben kann sie nach meinem Geschmack echt gut.