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Die Sprache des Dritten Reiches. Beobachtungen und Reflexionen aus LTI

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"Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trä die Sprache bringt es an den Tag." Viktor Klemperers Analyse der Sprache des Nationalsozialismus dokumentiert in bewegender Weise auch die Selbstrettung eines Sprach- und Literaturwissenschaftlers in hoffnungsloser Zeit. Heinrich Detering hat die zentralen Teile aus Klemperers "LTI" ausgewählt und stellt in einem Nachwort die Brisanz und beunruhigende Aktualität heraus.

106 pages, Kindle Edition

Published July 17, 2020

8 people are currently reading
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About the author

Victor Klemperer

72 books121 followers
Victor Klemperer (9 October 1881 – 11 February 1960) worked as a commercial apprentice, a journalist and eventually a Professor of Literature, specialising in the French Enlightenment at the Technische Universität Dresden. His diaries detailing his life under successive German states -the German Empire, the Weimar Republic, Nazi Germany and the German Democratic Republic- were published in 1995. His recollections on the Third Reich have since become standard sources; extensively quoted by Saul Friedlander, Michael Burleigh and Richard J. Evans.

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for nettebuecherkiste.
687 reviews180 followers
February 10, 2024
Nicht nur dank meines sprachwissenschaftlichen Hintergrunds ist mir klar, wie wichtig Sprache in einer Gesellschaft ist. Mit Sprache und der Diskursverschiebung in Richtung Rechts schaffen Erzkonservative und Rechtsradikale es, dass immer mehr rechte und rechtsextreme Positionen in Deutschland akzeptabel werden. Das zeigt sich leider gerade mehr als deutlich. Der Literaturwissenschaftler Victor Klemperer war ein Zeitzeuge aus dem Dritten Reich, der in seinem großen Werk „LTI – Notizbuch eines Philologen“ (LTI = Lingua Tertii Imperii) dokumentierte, wie die Nationalsozialisten mit Sprache arbeiteten. Angesichts dessen, was wir gerade nicht nur aus rechtsextremen, sondern leider auch in zunehmendem Maße aus konservativen Kreisen zu hören bekommen, lesen sich die vorliegenden Auszüge weniger unfassbar. Auch wenn es Beispiele gibt, die an Absurdität nicht zu übertreffen sind: „… ich durfte dem Tierschutzverein für Katzen keinen Beitrag mehr zahlen, weil im „Deutschen Katzenwesen“ – wahrhaftig, so hieß jetzt das zum Parteiorgan gewordene Mitteilungsblatt des Vereins – kein Platz mehr war für artvergessene Kreaturen, die sich bei Juden aufhielten“. (Seite 55)

Victor Klemperers Ausführungen können uns dabei helfen, die Formulierungen aus dem rechtsextremen Spektrum als das zu entlarven, was sie sind: höchst manipulative Propaganda. Als ich diese von Heinrich Detering zusammengestellten Auszüge aus der Büchergilde Gutenberg gekauft habe, wusste ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, nicht, dass es sich nur um Teile eines Gesamtwerks handelt. Diese reichen jedoch durchaus aus, um sich ein Bild zu machen.
Profile Image for Levi Izvernar.
43 reviews
June 6, 2025
Heroismus ist um so reiner und bedeutender, je stiller er ist, je weniger Publikum er hat, je weniger rentabel er für den Helden selber, je weniger dekorativ er ist.
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»Sie schreiben: Unsere heldenhaft kämpfenden Trup-pen.‹ Heldenhaft klingt wie Nachruf, verlassen Sie sich darauf.«
Seitdem hat heldenhaft in den Bulletins noch viele, viele Male wie Nachruf geklungen und niemals getäuscht.
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Denn ebenso wie es üblich ist, vom Gesicht einer Zeit, eines Landes zu reden, genau so wird der Ausdruck einer Epoche als ihre Sprache bezeichnet.
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Man zitiert immer wieder Talleyrands Satz, die Sprache sei dazu da, die Gedanken des Diplomaten (oder eines schlauen und fragwürdigen Menschen überhaupt) zu ver-bergen." Aber genau das Gegenteil hiervon ist richtig. Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag. Das ist wohl auch der Sinn der Sentenz: le style c'est l'homme; die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein - im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.
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Wer denkt, will nicht überredet, sondern überzeugt sein.
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Philosophie dagegen wird totgeschwiegen, wird durchgängig ersetzt durch „Weltanschauung“.
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… allzuvieles in der LTI ist
»historisch«, ist »einmalig«, ist »ewig«. Man könnte ewig als die oberste Sprosse an der langen Leiter der nazistischen Zahlensuperlative auffassen, aber mit dieser letzten Sprosse wird der Himmel erreicht. Ewig ist Attribut einzig des Göttlichen; was ich ewig nenne, erhebe ich in die Sphäre des Religiösen.
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… das Verbum „coventrieren“ liegt begraben unter dem Schutt deutscher Städte.
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Wie war es möglich, dass die Gebildeten einen solchen Verrat an aller Bildung, aller Kultur, aller Menschlichkeit verübten?
Profile Image for Niko.
89 reviews
September 22, 2023
Obwohl „Die Sprache des Dritten Reiches“ nur eine Kurzfassung eines größeren Werks des Autors ist, bringt das Buch die Sprachwandlung des Dritten Reiches gut auf den Punkt. Die Nazis brachten viele Wörter, Phrasen und Ausdrücksweisen in die deutsche Sprache, die teilweise bis heute noch in Brauch sind.

Victor Klemperer, ein Jude der eine Christin heiratete, schildert die judenfeindliche Sprache und wie die Propaganda diese verbreitete. Von den Begriffen „Fanastimus“ und „zackig“ bis zum Judenstern und Superlativismus. Er bietet eine richtig interessante Sicht nicht nur auf die Sprache, sondern auch auf das Leben eines Juden in der Nazizeit, da das Buch tagebuch-mäßig verfasst worden ist.

Empfehlenswert ist dieses Buch auf jeden Fall, man muss sich jedoch mit dem Thema auseinandersetzen wollen.
Profile Image for Gregor Gross.
32 reviews1 follower
March 11, 2022
Sehr aufschlußreich über die vielen verschiedenen, perfiden Wege und Wörter, die das Dritte Reich benutzte, um seine irrationalen Ideen bis heute in den Hirnen der Menschen zu verankern. Ich hatte vorher bereits mit "Ich lege Zeugnis ab bis zum Letzten", Klemperers Tagebüchern von 1933-45, angefangen, in denen einige der in LTI angesprochenen Wörter, Anekdoten und Personen bereits vorkamen.

Mich ärgert, daß ich mich damit erst so spät befasse. Dies Buch lag zuhause rum, mein Cousin schrieb seinerzeit seine Studienarbeit darüber, und ich dachte immer, was interessieren mich einzelne Wörter und ihre Bedeutungen. Dabei ist dieses Buch viel mehr als eine Enzyklopädie: es ist ein Erfahrungsbericht über die Welt des Dritten Reiches aus Sicht eines Verfolgten. Da tritt viel mehr zutage als nur reine Textexegese (die im Übrigen fast gar nicht auftritt).

Neben Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem" und Brownings' "Ganz normale Männer" ist LTI für mich eins der aufschlußreichsten Bücher über das Dritte Reich, die Nazis und Nazideutschland.
267 reviews3 followers
July 9, 2024
Bis heute, gerade heute wichtig: Glasklar seziert, wie Sprache totalitären Machtanspruch unterstreicht und unterstützt. Politische Gewalt agiert auch heute noch (wieder?) ähnlich. Klemperers hochintelligente Analyse zeigen nicht nur die Eigenarten der "Lingua tertii imperii" auf, sondern sind auch Anregung und Ermunterung, hinter die Sprache und Sprechvorlieben heutiger politischer Gruppierungen zu schauen - dort gibt es Subtileres zu entdecken (und entlarvend zu entzaubern) als Begriffe wie "Umvolkung".

Bleiben wir wachsam - Sprache ebnet den Weg zur Tat und kann Unsägliches alltäglich erscheinen lassen. Die Grenzverschiebung des Unaussprechlichen hat schon (wieder) begonnen!
Profile Image for Dorikun.
18 reviews
March 12, 2025
An einigen Stellen habe ich nicht folgen können. Aber insgesamt war es schon interessant. Ich würde gern mehr aus der Richtung lesen, nur in einfacherer Sprache. Es wäre aus meiner Sicht für das Verständnis des Textes hilfreicher aus dem Nachwort ein Vorwort zu machen. Krass finde ich, dass es ja Tagebuchauszüge aus der Nazizeit von Klemperer sind, der selbst Jude war, aber er schreibt teilweise humorvoll. Also es passieren um ihn herum und an ihm selbst die furchtbarsten Dinge, aber er hält an seinen Tagebüchern fest und macht sich seine Gedanken und Notizen. Und trotzdem liest es sich manchmal lustig oder ironisch: Hitler nannte sich wohl selbst den "Heiland" und irgendwelche Gefallenen (es waren 16 Personen, die gefallen waren) seine "Apostel" und Klemperer schreibt: "...er muss natürlich vier mehr haben als sein Vorgänger..." (S.47). Ich hab grad gegoogelt: Es sind eigentlich 12 Apostel.
Profile Image for Benjamin.
1 review
May 11, 2024
Definitiv nicht die leichteste Lesekost, hinsichtlich des historischen Kontexts sowie der ausführlichen Schreibart des Literaturwissenschaftlers Victor Klemperer. Dennoch ein wahnsinnig interessantes Werk mit Erzählungen aus der NS-Zeit aus jüdischer Perspektive, in der Klemperer immer wieder Sprachgebräuche des Dritten Reichs einwebt und erläutert. Dabei ist teilweise erschreckend, welche Wörter und Phrasen von den Nazis geprägt und geformt wurden und zum Teil heute noch viel im Gebrauch sind.
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