Die Monate September 1989 bis März 1990 in Dresden aus einer Perspektive unmittelbar nah am Geschehen - von den Demos am Theaterplatz, dem Polizeieinsatz auf der Prager Straße bis hin zu Helmuth Kohl, der vor der Frauenkirchruine spricht. Mit feiner Bildsprache führt Thomas Rosenlöcher durch diese nur etwas mehr als 100 Seiten, die so ungemein dicht werden. Die Orte und Ereignisse, die hinter seinen zahlreichen Codes, Allegorien und Metaphern liegen, muss man dabei zu erschließen wissen und vieles blieb mir sicherlich verborgen. Auch wenn sein Text stellenweise zum reißenden Bewusstseinsstrom wird, behält sein Erzähler dennoch in aller Wende-Euphorie und Kohl-Begeisterung beinahe hellsichtig einen kühlen Kopf und hört die neuerlichen „Deutschland“-Rufe im Spätherbst 1989 mit Beklemmung über die Elbe hallen. So ist es auch nicht überraschend, dass er im Oktober 89 noch folgerichtig fürchtet, dass „China“ auch auf Demonstrationen in der DDR grüßen könnte und diese Furcht im März 1990 von dem „riesenhaften Kerl“, der „bald massenhaft auftreten würde“ abgelöst worden ist. Die 90er werfen ihre Schatten voraus.