Ich weiß nicht mehr genau, wir dieses Buch auf meinen Stapel kam, es liegt da schon ein paar Monate, vielleicht hat mir der Verlag es zugeschickt oder ich habe es aufgrund der Verlagsankündigung () zur Rezension bestellt oder jemand hat es mir zum Geburtstag geschenkt - jedenfalls dachte ich jetzt, im Urlaub, ist endlich ein guter Zeitpunkt, das zu lesen.
Aber nach zwei Seiten war schon Schluss, weil es einfach Menschen gibt, mit denen ich meine Zeit nicht verschwenden will, und Probleme, für die ich kein Geduld aufbringe.
Auf diesen ersten zwei Seiten erklärt Protagonistin Hannah, Ende zwanzig, Ihrem Freund Jakob, warum sie nach Berlin gehen will, wo sie ein Praktikum bei einer Zeitung bekommen hat, während sie in der Kleinstadt, in der sie leben, als Journalistin nicht weiter kommt. Jakob, Arzt, ist dagegen, weil er hat keine Lust auf eine Fernbeziehung. Sie erklärt ihm, warum sie nicht finanziell von ihm abhängig sein will, warum sie ihre beruflichen Ambitionen verfolgen möchte. Und offenbar streiten sie über dieses Thema schon seit Wochen.
Nein, sowas kann ich wirklich nicht lesen. Wer mit Männern ernsthaft darüber diskutiert, warum man den eigenen beruflichen Weg nicht der Beziehung unterordnen will, wer bei Ihnen um Verständnis für eine so simple Entscheidung bettelt, anstatt Ihnen klarzumachen, dass sie die Entscheidung selbstverständlich zu akzeptieren haben, und dass sie höchstens bei dem Wie, aber keinesfalls bei dem Ob etwas mitzureden haben, ist mit daran schuld, dass es solche Männer immer noch gibt. Genau so entsteht "male Entitlement", also diese Anspruchshaltung, die solche Jakobs-Typen dann ja auch anderen Frauen gegenüber an den Tag legen. Kein Wunder, wenn man dauernd Bonbons geschenkt bekommt, bildet man sich natürlich irgendwann ein, einen Anspruch darauf zu haben.
Wenn Jakob was an der Beziehung liegt, kann er ja genausogut mit nach Berlin umziehen. Aber ehrlich, dieser Jakob aus dem Buch denkt ausschließlich an sich selbst. Und ich finde die Vorstellung grauselig, dass solche Dialog heute noch (oder wieder) geschrieben werden, und zwar nicht in einem Groschenroman. Ich finde die Vorstellung gruselig, dass Frauen mit so wenig Souveränität wie Hannah möglicherweise Redakteurinnen sind. Und mit kommt der Gedanke, dass Bascha Mika mit ihrer Kritik an der "Feigheit der Frauen" womöglich doch einen Punkt hat.
Whatever. Emanzipation bekommt man vielleicht geschenkt, aber Freiheit nicht. Man muss schon auch Minimalstandards setzen. Solange Männer sich wie Jakob verhalten können, ohne dass sämtliche Frauen ihnen einen Vogel zeigen, brauchen wir uns über gar nichts zu wundern. Da geht es dann auch nicht um Strukturen. Niemand zwingt Frauen wie Hannah, etwas an Mackern wie Jakob zu finden.
Aber vielleicht ist es ja nur ein doofes Buch mit einer total unrealistischen Szene am Anfang. Ich hoffe das jedenfalls schwer.