Tiefe Risse durchziehen Deutschland, Europa und die Welt. Grabenkämpfe zwischen Links und Rechts, Arm und Reich, zwischen den Geschlechtern oder Jung und Alt - die Polarisierung der Gesellschaft schreitet unaufhaltsam voran. Und wir stehen daneben: unsicher, verängstigt und vor allem ratlos. Ist eine 180-Grad-Wende noch möglich?
Bastian Berbner lernte im Gespräch mit Wissenschaftlern, dass man Hass und Vorurteile überwinden kann... - zumindest theoretisch. Er begab sich also im echten Leben auf die Suche nach Menschen, denen genau das gelungen ist. Dabei merkte er: Davon gibt es mehr, als wir denken. Nur schaut kaum jemand hin. Dieses Buch tut das. Es erzählt die Geschichten von erfolgreichen Begegnungen. Wir reisen mit Berbner in ein irisches Dorf, in eine dänische Polizeistation, in botswanische Schulen oder in eine Hamburger Reihenhaussiedlung. Wir treffen Nazis und Islamisten und jene, die sie bekämpfen. Dabei tauchen wir ein in ein sozialpsychologisches Experiment, das uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt, und erfahren, was wir tun können gegen eine der großen Krisen unserer Zeit.
Trotz heerer Vorhaben hält das Buch dann leider doch, was sich im Vorwort bereits abzeichnet. Hier wird die Spaltung aus der etwas liberaleren konservativen Mitte beschrien, mit Verweisen auf Gewalt von allen Seiten, inklusive Gleichsetzungen von brennenden Flüchtlingsheimen mit Graffito-beschmierten Afd-Büros, von brennenden Autos mit Menschenrechtsverletzungen. Das ist kein Ausrutscher, sondern wird im Buch mehrfach wiederholt, gelegentlich mit dem Statement garniert, dass Nazis ja doch ehrlich viel schlimmer sind, als würde dem Autoren seine eigene Hufeisentheorie-Verklärung (fast) auffallen. Müsste es eigentlich auch, schließlich sind alle Fallbeispiele von Menschen, die ihre gesellschaftsfeindlichen Absichten durch den Kontakt mit anderen Menschengruppen irgendwie abmildern, Rechtskonservative, Rechtsextremisten oder religiöse Fundamentalisten. Ein Absatz U.S.-amerikanische Demokrat*innen, die mit Republikaner*innen Abendessen organisieren, soll wohl fast schon verschämt die für das Hufeisen nötige Balance bringen, versagt aber zwischen gewalttätigen Nazis und zum Selbstmord ausgebildeten Salafisten restlos. Das ist umso schader, weil manche der Geschichten wirklich lehrreich sind. Die Verweise auf politische Theorie sind zwar nicht immer ganz sauber angewendet, aber doch verständlich und passend eingewebt, um zu motivieren und zum Aktivismus aufzurufen. Sogar die Fiktion der Nation als gesellschaftsordnendes Konzept wird hinterfragt, mit einem Gegenbeispiel aus Botswana und Vorschlägen für Europa. Darüber steht jedoch immer das zentralkonservative Selbstverständnis der linken Menschenrechtsverfechter, die genauso schlimm sind wie die rechten Genozid- oder Zwangsumsiedelungsbefürworter, weil sie beide was anzünden - seien es auch links Flaggen und rechts Menschen. Vermutlich meinte es der Autor hier wirklich gut, und deswegen lasse ich dem Buch auch einen zweiten Stern. Aber er meinte es eben aus einem sehr gemütlichen, gut situierten Konservatismus heraus gut.
Ein super wichtiges Buch unserer Zeit. Wie wir die tiefen Gräben in unseren Gesellschaften überwinden könnten. Schritte für den Einzelnen und Ideen für die ganze Gesellschaft. Geschichten, wo es gelang und wissenschaftliche Erklärungen, warum es gelingen kann.
Schwer zu entscheiden, wie viele Sterne dieses Buch verdient. Wenn es möglich wäre, halbe Sterne zu vergeben, dann wären es wohl 2 1/2 geworden. Ich hätte mir gewünscht, mehr Geschichten von Menschen zu lesen, die ihre Vorurteile tatsächlich überwanden und nicht nur in bestimmten Fällen abmilderten. Und das Fazit des letzten Kapitels ("Wer die meisten Menschen überzeugt, die beste Geschichte erzählt, gewinnt") finde ich in einer Zeit, in der Journalismus als Lügenpresse verunglimpft und Regierungen grundsätzlich mißtraut wird, mehr als unglücklich gewählt. Auch mit dem aufgegriffenen Gedanken, Wahlen seien im Gegensatz zu Losverfahren eigentlich undemokratisch, werde ich nicht warm. Wie läse sich dieses Buch wohl, wenn es nicht 2019, sondern zwischen 2020 und heute erschienen wäre?
Ich habe zuerst den Podcast gehört. Und ich muss sagen, es war einer der besten Podcasts die ich je gehört hab. Unfassbar informativ, interessant und trotzdem spannenden durch echte Geschichten erzählt. So hat es mega Spaß gemacht zuzuhören und man hat gleichzeitig sehr viel gelernt. Zusammengefasst geht es um Hass, Vorurteile, Rassismus und die Spaltung der Gesellschaft. Deswegen habe ich mir auch das dazugehörige Buch gekauft. Ich glaube wenn ich den Podcast nicht gehört hätte, wäre es noch spannend gewesen, weil ich alle Geschichten ja schon kannte. Aber das Buch an sich ist eine absolute Empfehlung!