Eine biographische Geschichte aus dem 5ten Jahrhundert über Galla Placidia, die einige Jahre als Regentin für ihren minderjährigen Sohn das weströmische Reich regierte. Auch wenn es schriftstellerisch sicherlich nicht das größte Meisterwerk ist, vermag es Mielke die Leser*in in die Zeit zurückzuversetzen und im historischen Rahmen eine plausible, wenngleich ausgeschmückte Geschichte zu erzählen. Nicht umsonst war sein Roman über Karl den Großen ein prägendes Buch meiner Kindheit. Insgesamt bringt mir der Roman Informationen über die Zeit kurz nach der römischen Teilung, die für mich bisher unbekannt waren. Zugegebenermaßen wäre hier aber auch der Wikipedia-Artikel ähnlich ergiebig gewesen, den es aber zur Zeit der Buchentstehung im Jahr 2000 vermutlich noch nicht gab.
Galla Placidia ist die Tochter des letzten römischen Kaisers Theodosius, welcher vor seinem Tod das Reich teilte und die beiden Reiche seinen Söhnen übergibt. Galla sitzt in Rom, stets in Gefahr zwischen den beiden Herrschern zerrieben zu werden, aber voller Ehrgeiz, eines Tages die Einheit des Reiches wieder herzustellen. Doch zunächst muss sie als Geisel mit den Westgoten ziehen, die neue Siedlungsräume in Gallien und später auf der iberischen Halbinsel suchen. Dort steigt sie zur Königin auf, wird nach der Ermordung ihres Mannes entführt und kehrt später nach Rom zurück. Ein spannendes Leben in einer bewegten Zeit – toller Stoff für einen spannenden historischen Roman – aber Mielke hat sie nicht genutzt. Eigentlich ist dieser Autor bekannt für gute historische Geschichten, aber hier passte nichts. Es fehlte ein roter Faden, viele wichtige Ereignisse schaffen es nicht ins Buch, dafür werden banale Nebensächlichkeiten ausgewälzt. Die Dialoge sind hölzern und primitiv, viele Szenen wirken gestelzt und aufgesetzt – einfach nur schade bei diesen Zutaten. Leider war diese Lektüre verlorene Lesezeit.