Das Buch lässt sehr viele Frage offen, deshalb möchte ich statt vorerst eine Rezension zu formulieren meine Theorie äußern. Wenn Du lieber die Rezension lesen möchtest, dann findest Du diese nach der Theorie. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir darauf antwortest und Deine Ansicht dazu beiträgst.
~Die ersten Überlegungen~
Am Anfang des Buches wird ein Mann im Bus beschrieben, mit dem Lucy bedeutungsschweren Augenkontakt hält, der genauso wie Logan aussieht (grüne Augen, blonde Haare und die Uniform) - war das Logan? Eine Vision von ihm? Eine Vision, die nur Lucy sehen konnte, weil sie die Zeitreise demnächst antreten würde?
Der Mann, der sie kurz vor dem Sprung in die Vergangenheit verfolgt hatte, hatte auch grüne Augen! War das Logan? Wollte Logan (oder wer auch immer das war), dass sie in die Vergangenheit reist um ihn kennenzulernen? Wiederum ist er in seiner Zeit gestorben, bzw. hatte er einen Brief verfasst, als er schon ein alter Mann war. Konnte er vielleicht auch durch die Zeit springen und ist statt der Vergangenheit in die Zukunft gesprungen, zu Lucy? Ist das der Sinn dieser Zeitsprünge? Wenn man einen Menschen verliert kann man in die Zeit springen, in der die Person gelebt hat? Lucy reiste in die Vergangenheit, wegen ihrer Großmutter. Logan reiste in die Gegenwart (bzw. Zukunft) wegen Lucy?
Was ist das für ein Ende? Ist Logan jetzt doch nicht tot? Ist er wirklich durch die Zeit zu ihr gesprungen?
~Meine Theorie~
Jetzt hab ich es! Pass auf:
Logan ist in die Zeit gesprungen. Aber etwas zu früh. Er kam in der Zeit vor Lucys Zeitsprung an. Als er sie im Bus gesehen hat, muss er bemerkt haben, dass sie ihn nicht erkannte (S.31-32). Er war im Bus noch in Uniform, weil er gerade eben durch die Zeit gesprungen war und deshalb sich dem Zeitalter äußerlich noch nicht anpassen konnte.
Er wusste, dass es einen Auslöser brauchte, damit sie in die Vergangenheit reist, um ihn kennenzulernen. Da er gesehen hatte, dass sie durch einen Schlag an den Kopf einfach verschwunden war und zurück in der Gegenwart gelandet sein musste, wusste er das so was ähnliches wieder geschehen musste. Deshalb verfolgte er sie an jenem Abend und dadurch kam sie ins Stürzen und verlor das Bewusstsein. Übrigens trug dieser Fremde eigenartiger Weise ein Schwert. Als sie dem Fremden ins Gesicht sah, meinte sie Bedauern in seinen grünen Augen zu erkennen (ich betone hier gerne nochmal, dass Logan ebenfalls grünen Augen hatte). Als sie den Fremden betrachtete erinnerte sie sich plötzlich an den Mann im Bus: "In meinen Erinnerungen tauchte ein anderes Bild von einem Mann in Uniform auf. Der merkwürdige Fremde im Bus, der mich so durchdringend angesehen hatte, beinahe so, als würde er mich kennen." (S. 83).
Am Ende des Buches treffen sie wieder aufeinander, weil sie jetzt von seiner Existenz weiß. Warum er sich dafür 2 Jahre Zeit gelassen hat kann ich mir auch nicht erklären. Vielleicht hat er sie nicht gefunden.
Wenn meine Theorie der Wahrheit entspricht, dann muss er aber wieder zurück gereist sein, weil er in seinem letzten Brief als alter Mann schreibt. Wahrscheinlich muss jeder Zeitreisende wieder zurück in seine Zeit. Am Ende seines Briefes schrieb er, dass sie nicht in seine Zeit zurückkommen soll, weil dort keine Hoffnung ist. Vielleicht eine Bemerkung, dass es funktionieren könnte, aber da die damaligen Lebensverhältnisse so schlecht waren bittet er sie darum es nicht zu tun.
~Die Rezension~
Als ich den Titel gelesen hatte, fand ich ihn erstmal sonderbar und orignell, doch als sich herausstellte, warum Fischer ihn gewählt hatte, hat es mich fast zum Weinen gebracht, weil der Grund so herzzereissend schön ist. Was mich ebenfalls sehr berührt hat, war das lang erhoffte und eigentlich schon aufgegebene Wiedersehen von Lucy und Logan.
Die Charaktere sind alle besonders und haben ihre Eigenarten. Constanze konnte ich anfangs gar nicht ausstehen, aber in Laufe des Buches macht sie eine Entwicklung von der Zicke zur Überlebungskämpferin hin, was mir sehr gut gefallen hat. Was ich nicht immer mochte waren Lucys Gedanken. Sie waren mir für eine 25 jährige manchmal zu kindisch.
In dem Buch gab es ab und zu etwas langatmige Stellen, aber insgesamt war es gut zu lesen. Die Geschichte kam meiner Meinung nach erst ab der Zeitreise in Schwung, vorher war mir Lucy eigentlich egal, weil ich mich mehr für Marina und Alexander interessiert habe. Im Laufe des Buches sind die beiden sehr in den Hintergrund gerückt, obwohl der Klappentext eigentlich mehr versprochen hatte. Im Klappentext wurde auch geschrieben, dass sich Lucy für ihr Glück oder das von Marina entscheiden muss, aber letztendlich lag diese Entscheidung eigentlich nie bei Lucy, weil die historischen Ereignisse ihr zuvorkammen.
Das Ende des Buches wurde viel düsterer als die Stimmung das ganze Buch über war. Dadurch entstand eine gewisse Dramatik, die zu dem Geschehen sehr gut passte.
Der Briefwechsel hat die Stimmung vom anbannden Unheil, wegen der kommenden historischen Ereignisse, sehr gut untermalt.
Wie schon erwähnt lässt das Buch viele Fragen offen, einerseits gut, weil man als Leser darüber nachdenken muss und die eigene Fantasie gefragt ist, andererseits hätte ich gerne ein paar Antworten, weil ich wegen dieser Geschichte jetzt bis 4 Uhr morgens wach liege, da sie mir keine Ruhe lässt.
Im Großen und Ganzen lässt einem das Buch deprimiert zurück. Es wird nicht erklärt warum sie diese Zeitreise antreten musste und warum sie genau an diesem entscheidenden Punkt wieder zurück musste. Deshalb muss man wohl von einem Wink des Schicksals oder von einem Eingriff des Universums ausgehen. Dann frag ich mich aber wie zynisch dieses Übermächtige ist, dass es ihr ein Jahr voller Erfahrungen aus der Vergangenheit schenkt und weitere Zeit mit ihrer Großmutter und es ihr dann wieder mit aller Härte nimmt. Und dann meint es das Schicksal noch nicht mal gut mit ihren Freunden. Die Briefe von Logan offenbaren, dass es jeden von ihnen anderes schwer trifft. Lucy sucht nach der Zeitreise zwei Jahre lang nach irgendwelchen Schriften, in denen das weitere Schicksal ihrer Freunde beschrieben wird. Voller Verzweiflung und Trauer nimmt sie nun den Flieger zurück nach Deutschland, um zu ihrer Familie zurückzukommen. Ob es sich am Ende des Buches wirklich um Logan handelt oder nur um die Einbildung von Lucy, bleibt wohl das Geheimnis der Autorin....