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Ihr elenden Mörder: Kuriose Geschichten von der Tour de France

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Von verirrten Mannschaftsbussen, einem Champion ohne Fahrrad und ungewollten Schwangerschaften

Heute ist die Tour de France das größte Radsportereignis der Welt. Das war bei ihrer ersten Austragung 1903 keineswegs abzusehen, und es sollte auch einige Jahre dauern, bis es so weit war. Wie es dazu kam, das hat auch mit dem zu tun, wozu sie überhaupt gegründet wurde: als Auflagenturbo für die Sportpresse. Zeitungsverleger Henri Desgrange benötigte für sein schwächelndes Blatt eine von ihm kontrollierte Sportveranstaltung mit dem Zeug zum Superlativ, in möglichst vieler Hinsicht. Und so entwarf er mit seinen Leuten eine gigantische Radrundfahrt durch das ganze Land. Über die Jahre kamen immer mehr Aspekte hinzu: Berge, Zeitfahren, Sprintwertungen. Die Vogesen waren früh dabei, dann kamen die Alpen, schließlich die Pyrenäen. Das Regelwerk war maßlos streng bis schikanös, technischer Fortschritt war etwas für Schwächlinge. Desgrange wollte seine Fahrer leiden sehen, denn das war der Stoff, aus dem er Artikel schnitzte.

Und wie sie litten! Octave Lapize („Ihr elenden Mörder“) im Jahr 1910 blieb nicht der Einzige, der seinem Herzen mit Verwünschungen Luft machte. Andere nahmen gleich den Zug oder ließen sich von einem Auto ziehen. Die Gebrüder Pélissier streikten 1924 und verließen die Tour. Es ging hoch her, immer wieder, auch in jüngerer Vergangenheit. Immer häufiger auch ohne aktuellen Anlass seitens des Veranstalters. 1950 trank der Algerier Abdelkader Zaaf während einer Etappe so viel Weißwein, dass er anschließend in die falsche Richtung fuhr und später das Rennen aufgab. Zwei Jahrzehnte später wurde einem Fahrer nach der Dopingkontrolle zur Schwangerschaft gratuliert, und 2013 hatte sich ein Mannschaftsbus auf die Ziellinie verirrt. Unvergessen ist auch Chris Froomes Jogging-Einlage 2016 am Ventoux, als er nach einem Sturz auf sein neues Rad wartete. Die Tour ist inzwischen einfach perfekt darin, unglaubliche Geschichten zu produzieren. Desgranges Plan hatte also Erfolg, weit über seine Lebenszeit hinaus.

Tour-Kenner, Journalist und Radsport-Buchautor Jürgen Löhle hat viele spannende, witzige, verblüffende Anekdoten und Kuriositäten aus mehr als hundert Jahren Tour de France gesammelt, nach Themenfeldern geordnet und mit liebevollem Scharfblick kommentiert. Sie alle zeigen die Tour als das, was sie neben dem rein sportlichen Ablauf eben auch ist: ein Festival der Mythen, Legenden und Geschichten. Nicht alle sind geschmackvoll, nicht alle sind vollständig wahr – aber alle sind fast unglaublich. Zumindest unglaublich gut erzählt.

160 pages, Paperback

Published May 20, 2019

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May 18, 2023
Irgendwie wilde Sammlung, unterirdisch geschrieben in so nem Hobby-Style?!
Profile Image for Christian Müller.
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November 21, 2019
Unterhaltsame Kurzgeschichten, die auch noch eingefleischte Radsportfans überraschen können.
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