Leider war das Buch für mich eine große Enttäuschung. Es gab ein paar kleine Lichtpunkte, aber die haben bei Weitem nicht das ausgeglichen, was mich irritiert hat.
Fangen wir mit den negativen Punkten an.
Der gewählte Stil ist leider überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Obwohl ich sogar fast so weit gehen würde zu sagen, dass es sich wie eine zweite Fassung eines Entwurfs las, der noch keinen vollendeten Stil sondern das noch rohe Gerüst dessen darstellt. Leider. Schade.
Woran hänge ich mich also auf? Bereits in den ersten Kapiteln wurde ich von Superlativen gefühlt erschlagen. Superlative sind vollkommen okay, wenn sie Spannung aufbauen sollen, aber leider bauen sie nach einer so stark ausgeprägten Rudelbildung keine Spannung, sondern lediglich Irritationen auf. Auch werden gelegentlich Worte gesteigert, die nicht steigerungsfähig sind. Und nein, meiner Empfindung nach war das auch nicht mit einem stilistischen Mittel zu rechtfertigen.
Außerdem werden so oft Sachen wiederholt, die bereits gesagt wurden. Teilweise innerhalb von zwei drei Absätzen, so dass man das Gefühl haben könnte, dass Struktur und Planung des Plots zu wenig Zeit bekommen haben. So etwas ist vermeidbar durch sorgfältige Überarbeitung von Entwürfen.
Die Wiederholungen sind aber auch einem anderen Problem der Erzählweise geschuldet: den Dialogen. Sie lesen sich nicht natürlich, flüssig, sondern sehr konstruiert, als ob bestimmte Themen noch schnell reingedrückt wurden, obwohl es überhaupt nicht passt. Ich sage nur die Begegnung in der Bank. Dadurch das Themen bzw. Konfrontationen aber nie so richtig zu Ende geführt werden oder viel mehr nicht ihren eigentlichen Raum erhalten, muss man sie ständig neu aufgreifen, weil man etwas nicht erwähnen konnte.
Hieraus ergibt sich eins meiner größten Probleme: das fehlende World-Building trotz scheinbarer Omniszienz der Protagonistin. Obwohl sie angeblich eine Akolyth ist, hat sie keinerlei Ahnung; GLEICHZEITIG aber weiß sie alles. Ich habe - soweit ich mich erinnere - in jedem Kapitel eine Stelle gefunden, in der die Protagonistin "sofort etwas wusste" oder sie es zumindest behauptet hat. Der letzte Teil wäre in Ordnung. Schließlich haben wir es mit einer 21 Jährigen gefangen in dem Körper einer dauerhaft pubertierenden Frau zu tun, die so krass narzistisch und egozentrisch ist, dass mir mehrmals der Mund offen stand. Auch eigentlich kein Problem, wenn ich nicht absolut davon überzeugt wäre, dass dieses Characterbuilding mit der geschilderten Hintergrundgeschichte eher bis absolut unwahrscheinlich ist. Um auf den eigentlichen Punkt zu kommen: Es wäre in Ordnung, wenn sie ständig Sachen behauptet zu wissen, wenn sie wenigstens ein einziges Mal falsch gelegen hätte. Aber ihr vermeintliches Wissen wird immer wieder bestätigt. Und Wissen ist schon eher als weiche Umschreibung von unbelegten Behauptungen und Thesen zu verstehen. Und trotz dessen ist das World-Building so lückenhaft und unvollständig, dass ich bis zum Ende kein Gefühl dafür bekommen konnte, da es scheinbar keine Grenzen für irgendetwas gibt und das nimmt dem Lesegefühl den Spaß. Zumal der Leser alles genau vorgekaut bekommt: Emotionen werden erklärt à la "er sieht traurig aus" anstatt die Mimik, Gestik und Intonation zu beschreiben. Dadurch fühlt es sich klinisch kalt und nicht lebendig an, mit der Protagonistin die Geschehnisse mitzuerleben.
Die Entwicklungen, die die Protagonistin durchmacht, wirken nicht realistisch. Ich habe es einmal einer Freundin wie folgt beschrieben: Ich kenne Bücher, die mir durch den schnellen Gefühlswechsel ein Schleudertrauma geben. Dieses Buch hat mir das Genick gebrochen. Und gerade diese Entwicklungen sind mir besonders wichtig. Daher stammt wahrscheinlich auch ein Großteil meiner Enttäuschung. Ich hatte mir einfach mehr erhofft nach der guten Kurzbeschreibung.
Um es auf einen Punkt zu bringen: Die Figuren und der Plot wirken wie eine Karrikatur dessen, was es hätte werden können, wenn man mehr Zeit investiert hatte. Ein Beispiel hierfür wären sätmliche romantischen Begebenheiten in der Geschichte, die sich leider viel zu schnell und unemotional anfühlen. Ich habe es einmal wie folgt beschrieben: Die Romanze ist wie Twilight. Aber nicht wie Twilight, das Buch, in dem die Liebesgeschichte einigermaßen aufgebaut wurde, sondern viel mehr wie der Film, in dem Edward nach drei Sätzen, die er mit Bella gewechselt hat, und gefühlt 10 Minuten Film sagt, dass sie keine Freunde sein könnten...
Und ich weiß, das ist als Leser leicht gesagt, aber ich schreibe in meiner Freizeit auch und kenne genug Autoren, die lieber länger an einem Buch arbeiten, bis es sich aus dem Zustand des Rohschliffs in das kleine Juwel entwickelt, das man der Welt präsentieren möchte. Denn es gab auch gute Punkte, die vollkommen überschattet wurden.
Die Autorin hat sehr zu meiner Freude nicht die klassischen 0815 Vergleiche benutzt, sondern hat sich über den sprichwörtlichen Tellerrand gewagt. Leider manchmal auch etwas zu weit. Aber dennoch habe ich mich darüber gefreut.
Auch ist die Grundprämisse durchaus interessant und daraus hätte noch viel mehr gemacht werden können.Und ich glaube, auch die Welt, in der sich Daria bewegt, hätte noch so viel besser ausgearbeitet sein könne, so viel einnehmender.
Leider war das meiner Meinung nach nichts, was ich jemandem weiterempfehlen könnte. Wahrscheinlich war dies mein erster und letzter Eindruck dieser Reihe
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