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Nochmal Deutschboden. Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz

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»Wenn du nochmal in unsere Kleinstadt kommst, muss es ein politisches Buch werden.«

Deutschland im Frühjahr und Sommer 2019: Die AfD wird zur Volkspartei im Osten. Merkel hat Zitteranfälle. Vor zehn Jahren stattete der Reporter Moritz von Uslar der Kleinstadt Zehdenick im Landkreis Oberhavel in der brandenburgischen Provinz einen Besuch ab. Nun kehrt er zurück, er bleibt vier Monate und – wie schon in seinem damaligen Buch »Deutschboden« – lässt er die Geschichte und die Einwohner des Städtchens auf sich zukommen. Er sitzt in illegalen Kneipen, in Wohnzimmern und in Getränkemärkten. Er notiert mit oder lässt das Aufnahmegerät laufen. Das Urgestein Blocky, der Kneipenmann Heiko Schröder und die tätowierten Punks Raul und Eric tauchen wieder auf, neues Personal tritt nach vorne: die Bäckersfrau Katharina, das Barmädchen Pretty Baby, ein linker Skinhead, der in den 1990er-Jahren vor den rechten Glatzen fliehen musste. Anders als vor zehn Jahren ist der Reporter in der Kleinstadt aber kein Fremder mehr, und sehr schnell wird klar: Das ist hier nicht mehr das Deutschland, das es vor zehn Jahren war. Der Ton zwischen den Bewohnern hat sich verschärft. »Wenn du noch mal in unsere Stadt kommst, dann musst du ein politisches Buch schreiben«, hatte Raul, einer der Protagonisten, dem Reporter erklärt. Wer dieses Land im Umbruch – 30 Jahre nach dem Mauerfall – verstehen möchte, der sollte Moritz von Uslar, dem großen Geschichtenerzähler, dem Menschenfreund und wachen politischen Geist, auf seine Reise folgen. Haut rein. Wird nicht nur lustig dieses Mal.

384 pages, Unknown Binding

Published March 5, 2020

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About the author

Moritz von Uslar

11 books5 followers
Moritz von Uslar, geboren 1970 in Köln, war Redakteur beim Süddeutsche-Zeitung-Magazin und beim SPIEGEL und arbeitet heute als Reporter und Interviewer bei der Zeit.
Ausgewählte Veröffentlichungen: Theaterstücke »Freunde« (2000), »Freunde II« (2001), »Lulu« (2004), gesammelte Interviews »100 Fragen an …« (KiWi 829, 2004) und »99 Fragen an …« (KiWi 1381, 2014), Roman »Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005« (2006, Kiepenheuer & Witsch), gesammelte Kolumnen »Auf ein Frühstücksei mit …« KiWi 1579, 2017). Der Reportageroman »Deutschboden/ Eine Teilnehmende Beobachtung« (2010, Kiepenheuer & Witsch) wurde mit dem Fontane-Preis der Stadt Neuruppin ausgezeichnet und von André Schäfer fürs Kino verfilmt (2014).

(Quelle: https://www.kiwi-verlag.de/autor/mori...)

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
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Author 1 book5,075 followers
March 13, 2020
Zehn Jahre nach Deutschboden: Eine teilnehmende Beobachtung und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung untersucht von Uslars neue Reportage aus dem Havelstädtchen Zehdenick a.k.a. Hardrockhausen, warum zum Teufel der Osten so weit rechts steht. Und die Verunsicherung fängt schon weit vor der Stadtgrenze an: War der Reporter, so fragt er sich selbst, das letzte Mal zu blauäugig, zu naiv? Was würde ihn wohl diesmal erwarten? Von Uslars Recherchemethoden bleiben jedenfalls die altbewährten: Schön Zeit mitbringen, den Leuten zuhören, brutalst abwarten, viele Mollen trinken und den Zehdenickern ganz genau zuhören - in der Kneipe Schröder, beim Bäcker, beim Box-Training etc. Und nachdem sich die ganze Sache erst Mal relativ ruhig anlässt - nur Freund und Kleinstadt-Orakel Raul, der Held aus Band 1, ahnt von Anfang an, dass es noch verdammt hässlich werden würde - wird es richtig, richtig heftig: Neonazis, AfD, aufs Maul, große Ernüchterung, volles Programm.

Dieses Buch beleuchtet ein großes Phänomen im Mikrokosmos der brandenburgischen Kleinstadt und während ich den Text gelesen habe, musste ich immer wieder an Das Licht, das erlosch: Eine Abrechnung denken, das großartige Sachbuch über den (Wieder-)Aufstieg des Autoritarismus u.a. in Osteuropa, denn auch in Zehdenick sprechen immer wieder Menschen aller Altersklassen darüber, dass sie sich vom Westen gedemütigt und geringgeschätzt fühlen. Auch interessant: Faschismus als Jugendkultur der 90er, als Provokation, als Alternative zum Punk (ist natürlich Quatsch, wird als Erklärung von den Gesprächspartnern aber immer wieder angeboten). Doch am Ende des Tages bleibt da der widerliche Alltagsrassismus und beinharte Faschismus, der dem Reporter feist ins Gesicht lacht, und für den gibts keine Entschuldigung. Von Uslar, ganz fleißiger Berichterstatter, geht zum Beispiel schon hin zur AfD-Veranstaltung, aber: "Der Reporter hatte im Nachhinein schlicht keine Lust, den gleichzeitig wehleidigen und menschenverachtenden Superscheißdreck, den der AfD-Vorsitzende in die Kneipe hineinerzählte (...), in seinem Buch zu verbreiten." Moritz von Uslar, Ehrenmann.

"Nochmal Deutschboden" ist eine faszinierende Reportage, ein journalistischer Pageturner, und der Leser wird, genau wie der Reporter, immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Auch wenn von Uslar vor der Zehdenicker Aral-Tankstelle rumliegt (oh ja) bleibt man schon allein wegen der großartigen Schreibe dran, die immer wieder Spaß macht, seltsamerweise gerade wegen der uslar'schen Manierismen (Stichworte: "Entschuldigung", "um Himmels willen", "Riesenthema Älterwerden"). Ob das Katharina-Barley-Fanboy-Kapitel (der Autor lädt sie zur Bürgersprechstunde in die Kleinstadt ein) sein musste, ich weiß es nicht, aber immerhin wird hier verdeutlicht, wie oft Menschen pauschal gegen etwas, hier die EU, sind, ohne überhaupt zu wissen, worum es da genau geht - Ahnungslosgkeit ist bekanntlich ein hervorragender Nährboden für anti-demokratische Kräfte.

Es ist natürlich möglich, dieses Buch zu lesen, ohne Teil 1 zu kennen, aber kennt man beide Texte, werden die Veränderungen, die sich in den letzten 10 Jahren abgespielt haben, klar. Sehr, sehr lohnenswert und aufschlussreich.

Mehr über das Buch erfahrt Ihr im Podcast.
15 reviews
May 29, 2020
Schöne, andere Milieustudie. Hab den ersten Zeil schon sehr gemocht.

Ergänzung: Das Buch ist sehr viel politischer als der erste Teil, was auch den Reiz ausmacht. (Auch wenn ich etwas genervt war, das mein entfernter Ex-Kollege Andreas G. hier auftaucht. Ich war letztes Jahr im Mai am, im Buch erwähnten, Wallapoint zum Zelten, Kanu fahren und feiern und da war ich auch schon von seinen Wahlplakaten genervt. Anscheinend kann ich dem nicht entkommen, aber ein Glück findet der Autor die passenden Rahmen und Worte für diese Partei.)
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