Eine Aneinanderreihung von orientalistischen Klischees und für die Fragestellung des Buches belanglosen Anekdoten eines egozentrischen Autors, gewürzt mit cherry-picked Wikipedia-Halbwissen.
Ich bin etwas zwiegestalten, was eine Bewertung des Buches angeht.
Einerseits handelt es sich um eine gute, wenn auch simple Einführung in das Thema Kurden & Kurdistan. Tobias Huch stellt wichtige Begriffe, Personen und Zusammenhänge dar, vom kurdischen Siedlungsgebiet über einflussreiche Familien, wie auch die Beziehungen zu den Nachbarn und zum irakischen Zentralstaat. Wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll, gibt das Buch wichtig Impulse, in welchen Richtungen man noch mehr über die Kurden lernen könnte und hilft sicherlich beim Verständnis weiterführender Lektüre.
Anderseits liest sich das Buch teilweise wie das, was es auch ist: die Meinung des Autors und ein Erfahrungsbericht. Bei positiven Entwicklungen etwa wird die befreundete Familie Barzani direkt genannt, bei negativen Aspekten sind es oft allgemein die Kurden. Schwierig fand ich das Kapitel "Die Rolle des Iran", in dem der Autor den Iran als einzigen wirklichen destabilisierenden Faktor in der Region bezeichnet. Man muss nicht Pro-Teheran sein, um anmerken zu können, dass auch der Westen und die sunnitisch-islamische Welt ihre Interessen und ihren Anteil z. B. im Syrienkrieg beigetragen haben. Saudi-Arabien als Schutzmacht der Jemeniten zu bezeichnen und dem Iran die alleinige Schuld an der Situation im Jemen zu geben - auch schwierig. Aufgrunddessen ist es auch etwas schwierig, die Beziehungen des Irans und der autonom-kurdischen Regierung anhand der Aussagen des Autors wirklich festzumachen. Ebenso schwierig ist die unkritische Betrachtung des Autors hinsichtlich Israel. Der Autor lässt es sich nicht nehmen, mehrmals den positiven Einfluss Israels in der Regionen zu betonen (die einzige Demokratie, nur am Frieden mit seinen Nachbarn interessiert etc. - das haben Palästinenser und Libanesen in den letzten 70 Jahren wohl anders gesehen) und bringt ein Gastkapitel eines IDF-Sprechers mit ein, in welchem dieser die Staat-Werdung Israels mit der Kurdistans vergleicht. Sicherlich haben die Kurden in diesem Fall den Vorteil, dass sie bereits dort leben, wo sie herkommen und weder Völkerrecht brechen, noch Kriegsverbrechen begehen müssen, um mal ein Staat zu werden. Israel ist ein wichtiger Player in der Region und das Verhältnis der Kurden zu den Israelis ist sicherlich ein Kapitel wert, aber das hätte ich mir einfach differenzierter gewünscht.
Am Ende noch kurz folgende Anmerkung: Das Quellenverzeichnis, das zu 80% aus nicht formatierten Links besteht, davon eine gute Portion Wikipedia und u. a. ein Google-Drive-Link muss doch ein Scherz sein.
Tobias Huch gelingt leider in keinerlei politwissenschaftlicher Weise, die Behauptung im Untertitel des Buches, nämlich dass das kurdische Volk auf den Mittleren Osten eine stabilisierende Wirkung ausübt, zu erhärten. Wenn Antonio Guterres, derzeit UN-Generalsekretär, aussagt, dass das kurdische Unabhängingkeitsreferendum im Irak von September 2017 eine klar destabilisierende Wirkung auf die Region entfaltete, läuft dies diametral gegen Huchs eher unvollständige Argumentation an. Die Kurden mögen Anspruch auf einen Nationalstaat haben. Dass dieser stabilisierend auf die Region wirken könnte, lässt bereits der zionistische Nationalstaat etwas weiter südwestlich bezweifeln (im Anhang durfte dann auch ein jüdischer Nationalist ein subsidiären Gastbeitrag verfassen). Huch präsentiert keinerlei Alternative.
Ausserdem nervte Huch mit unverhoffter Einfältigkeit und Wiederholungen; die eigentlich interessante Thematik hätte sich in einem Essay besser entfaltet. Ich selbst bin gegen jegliche ethische Unterdrückung - jedoch erhebe ich auch den Anspruch, dass ein politisches Sachbuch objektiv analysiert und historisch einordnet. Ansonsten ist es eine autobiografische Reportagensammlung von persönlichen Erlebnissen, welche in diesem Fall zudem nur beschränkt interessant waren. Einige beeindruckende Bilder in der Buchmitte, ansonsten leider nicht zu empfehlen.
I can recommend the book. I just disliked the formatting a lot.
People like to ignore facts when propaganda is easier to understand.
His standing is pro Kurdistan and the Yazidis and all Turkish, Iranian, etc. people. He is just against the IS and Recep Tayyip Erdoğan who harm people.
The biggest critique I see is that people mistake critiquing harmful politicians as racism. While it is the opposite, it is protecting the people that suffer under that politic. The others are mostly Erdoğan Propaganda, calling the biggest fighters against the IS a terrorist organization. "The YPG are widely regarded as one of the most effective forces in the fight against IS." No other country agrees that they are terrorists. I also saw a lot of DARVO that the people who fight back, the victims, are now the bad guys because they defend themselves and fight for their rights. Same kind of people who now say Russia is the victim, and they should just give Ukraine up.
Mit Sicherheit besitzt Tobias Huch eine gewisse Expertise in Bezug auf die Kurdenfrage und kann in den ersten Kapiteln interessante Einblicke in die Region Kurdistan bieten, allerdings kann von einer Nah-Ost Expertise nicht die Rede sein. Durch all seine Analysen zieht sich ein roter Faden des Eurozentrismus gepaart mit orientalischen Klischees und faktisch sowie historisch verzehrten Halbwahrheiten. Zum Beispiel bezeichnet Herr Huch den Iran als “einzig wahren destabilisierenden Faktor der Region“. Derartige Aussagen sind ein Zeugnis mangelnder historischer sowie politischer Sachkenntnis. Nichtsdestotrotz schreckt Herr Huch Aussagen wie die folgende, als Wahrheit zu verkaufen nicht zurück:
Seite: 181; Zeile: 12 „Israel und autonome Region Kurdistan treten beide für Grundwerte ein, für Minderheitsrechte friedliche Existenz mit den Nachbarn. Beide Völker eint eine Wertegemeinschaft.“
Um zu wissen, dass die Aussage, dass Israel Minderheitenrechte wahre und seit Staatswerdung sich um eine friedliche Koexistenz mit den Nachbarn bemühe jeder historischen Faktenlage entbehrt, muss man selbst kein Nah-Ost Experte sein, egal wie die eigene Position zum Thema Israel schlussendlich aussieht.
Gepaart mit blindem Iran „Hass“ steht diese „Expertise in einem eklatanten Widerspruch zu einer sachlichen Analyse. Mit dem Versuch die Staatswerdung Israels mit dem kurdischen Bestreben nach Unabhängigkeit zu vergleichen wird der fade Beigeschmack, den dieses Buch hat auf die Spitze getrieben. Ein derartiges Buch kann in keinem Fall als differenzierte Analyse des Nahen Ostens und der Geschehnisse dort verstanden werden. Sehr schade eigentlich.
Denjenigen die sich Herr Huch seiner undifferenzierten Haltung zum Thema Nah-Ost selbst überzeugen wollen, empfehle ich einen Blick auf seinen Twitter-Kanal. So spart man Zeit und Geld.
Ein guter Einstieg zum Thema Kurdistan. Es ist ein Buch, das Basiswissen vermittelt, leider gelingt der Transfer zur Nahostpolitik nicht gut.
Dennoch gefällt mir, wie auf die einzelnen Regionen Kurdistans eingegangen wird, welche politischen Kräfte dort wirken und wieso wir nicht von „dem einen Kurdistan“ sprechen können.
Huch konzentriert sich viel auf die Autonomieregion im irakischen Teil.