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Luzies Erbe

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Einen Schritt vor, zwei zurück: Die fast hundertjährige Matriarchin Luzie Mazur hat sich Zeit gelassen mit dem Sterben. Doch nun ist sie doot bleeven und hinterlässt ihrer Familie kaum mehr als einen abgewetzten Koffer voller Erinnerungen auf dem Kleiderschrank und fast ein Jahrhundert »Mazur’sches Schweigen«, das besonders ihrer Enkelin Johanne, selbst längst in ihren Fünfzigern, in den Ohren dröhnt. Es lässt ihr keine Ruhe, was damals war, als sich ihre junge Großmutter Luzie Krusenbusch während des Zweiten Weltkriegs in einem »Reichsmusterdorf« bei Bremen in den polnischen »Fremdarbeiter« Jurek verliebt hat. Johanne will endlich Frieden machen mit der Geschichte ihrer Familie und dem bis in die Gegenwart andauernden Getuschel der Leute im Dorf. Und sie will mehr über »ihn« erfahren, Luzies große Liebe Jurek, eine Liebe, die nicht sein durfte, weil da ein Krieg wütete, der der Liebe einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen wollte.

Helga Bürster erzählt wunderbar leicht und dabei doch tief bewegend davon, wie ein Schicksal die Jahrzehnte überdauert, wie das Schweigen über die Vergangenheit eine Familie überschattet. Sie erzählt von vier Generationen starker Frauen – und davon, dass es für Versöhnung nie zu spät ist.

288 pages, Hardcover

Published September 9, 2019

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About the author

Helga Bürster

15 books2 followers

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1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Elena.
1,045 reviews416 followers
October 18, 2022
Mit fast 100 Jahren ist die Matriarchin Luzie Mazur doot bleeven. Sie stirbt im Kreise ihrer Familie und hinterlässt nichts als einen alten Koffer voller verblichener Erinnerungen und einem Jahrzehnte alten Schweigen. Ihre Enkelin Johanne möchte sich von dem »Mazur’schen Schweigen« befreien und nimmt Kontakt zu Ihm auf - Jurek, Luzies großer Liebe, die nie sein durfte. Jurek kam als polnischer Zwangsarbeiter während des 2. Weltkriegs in das kleine Dorf bei Bremen, wo er auf dem gleichen Hof wie Luzie arbeitete. Noch heute tuscheln die Dorfbewohner*innen über diese verbotene Beziehung - über die sich Luzie Zeit ihres Lebens ausschwieg.

In "Luzies Erbe" schreibt Helga Bürster über genau dieses generationenübergreifende Schweigen - und was es in familiären Beziehungen anrichten kann. Ohne ein Wort zu viel vermittelt sie den Lesenden die Geschichte von vier Frauen aus vier Generationen, erzählt berührend von den Schicksalsschlägen, die sie aushalten mussten und den Vorurteilen, mit denen sie sich im Dorf konfrontiert sahen. Hinter diesem so wunderschönen Cover verbirgt sich ein Roman, der mich sehr gefesselt sowie tangiert hat - und auf wahren Begebenheiten beruht. Denn Helga Bürster erzählt nicht nur irgendeine Story, sie erzählt die ihrer eigenen Großeltern. Gerade mit dieser Information, die das Nachwort offenbart, erhält das Buch eine weitere relevante Dimension.

"Luzies Erbe" ist ein Roman über Traumata, die über viele Generationen hinweg reichen, über ein Schweigen, das die Vergangenheit einer Familie überschattet - und eine Erzählung darüber, dass es für Vergebung und Offenheit nie zu spät ist. Dabei ist Helga Bürsters Stil immer angenehm markant und doch schnörkellos schön - ich mochte das Buch sehr!
Profile Image for Wulf Krueger.
525 reviews129 followers
August 24, 2023
Ich sinniere nun schon ein paar Tage über dieses Buch und die Rezension, die es verdient. Helga Bürster, so erfuhr ich aus dem Nachwort, hat die Geschichte ihrer Großeltern erzählt.

Das hat selbstverständlich seinen individuellen Wert, aber es sind so viele Bücher und Geschichten über die persönlichen Schicksale von Zwangsarbeitern auf dem Land geschrieben worden. Auch solche, in denen solche verbotenen Beziehungen geschildert werden, habe ich gelesen - obschon selten Kinder entstanden und die meisten dieser Beziehung tragisch endeten…

Ist also diese eine Geschichte so besonders, so anders oder so erzählenswert? Ist Bürster eine so große Schriftstellerin, dass mich ihre Geschichte besonders ansprechen oder gar bewegen würde (oder müsste)?

Der Verlag schreibt:

“Helga Bürster erzählt wunderbar leicht und dabei doch tief bewegend davon, wie ein Schicksal die Jahrzehnte überdauert, wie das Schweigen über die Vergangenheit eine Familie überschattet. Sie erzählt von vier Generationen starker Frauen – und davon, dass es für Versöhnung nie zu spät ist.”

Ja, Bürster schreibt leicht, aber leider nicht besonders beeindruckend. Es lassen sich auch keine besonderen Erkenntnisse daraus ableiten:

»Johanne hatte nie viel von Urnenbegräbnissen gehalten. Der klägliche Rest, der da in die Erde gesenkt wurde, das hatte nichts mehr mit dem Menschen zu tun. Leo hatte sie mit seinen schlichten Sätzen jedoch zum Umdenken gebracht. Also stellte sie auch für sich fest:
»Es ist in Ordnung.«
»Ja. Das ist es.«
«

Es liest sich also leicht und schnell weg, dieses Büchlein. Allerdings wird das oft, fast mantra-artig, wiederholte “Mazur’sche Schweigen” hochstilisiert zu etwas ganz eigenem - das ist es aber nicht: In der jungen Bundesrepublik gab es viele, die aus gutem Grund schwiegen, wegsahen und die eigene Verstrickung oder zumindest das Mitläufertum unter den Teppich kehren wollten. Andere wiederum schämten sich und schwiegen deshalb.

Es war also durchaus schon ein kollektives Schweigen, gegen das dann u. a. Ende der 60er aufbegehrt wurde - “Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren” u. ä.

Aber auch das individuelle Schweigen, wie es die Familie Mazur betrieb, ist nichts außergewöhnliches - zumindest meine Generation kennt dieses Schweigen noch, war “Empfänger” dieses Schweigens. Meine Großmutter (geboren 1901 in Bremen) hat auch Zeit ihres Lebens geschwiegen, weil sie sich schämte, nicht mehr getan zu haben (zumindest ist sie, wie Zeitzeugen mir zu berichten wußten, “anständig geblieben”). Im Gegensatz zu Bürster habe ich nie versucht, dieses Schweigen zu durchbrechen und die klaffenden Lücken mit Worten zu füllen. Das bedaure ich.

Luzies Erbe ist also relativ dürr und sie selbst trägt in der Gegenwart nicht viel zur Aufklärung bei. In der Vergangenheit, in den letzten Kriegsjahren, begleiten wir sie, Jurek, ihre große Liebe, ihre Eltern und die Dorfgemeinschaft ein Stück weit und auch hier las ich viel, das ich wusste, kannte und schon häufig gelesen hatte.

Auch von und über Jurek erfahren wir leider nicht viel - Johanne, Bürsters alter ego kommt zu spät: Jurek versinkt bereits in der Demenz und weiß nichts mehr zu berichten. Ja, als Leser versteht man grob, warum Jurek ging. Viele Fragen - auch, warum Luzie ihn einfach gehen ließ - bleiben offen.

Ich verstehe, dass Bürster wohl nah an der “erlebten Wahrheit” bleiben wollte, um dem “Mazur’schen Schweigen” eine Wahrheit entgegenzusetzen. Dennoch meine ich, dass es sehr verdienstvoll gewesen wäre, im Rahmen der Fiktionalisierung ein paar Antworten zumindest aktiv “anzudenken” und zu erzählen. Die Geschichte hätte dies zugelassen.

So bleibt es ein kurzes Schlaglicht auf die Familie Bürsters, ein Dorf bei Bremen und - ansatzweise - Schuld und Sühne. “Bewegen”, wie der Verlag es meint, oder gar mitreißen konnte mich die Geschichte leider nicht.

Vielleicht muss aber auch jede Generation gegen die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus, gegen das Vergessen und für die Erinnerung - gegen das Schweigen - anschreiben.

Vielleicht wird “Luzies Erbe” Früchte bei denen tragen, die noch nicht so viele Geschichten dieser Art gelesen haben. Der Geschichte - im mehrfachen Wortsinne -, der Autorin und diesem Buch wäre es zweifellos zu wünschen.

Drei von fünf Sternen von mir.


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Ceterum censeo Putin esse delendam
Profile Image for Valerie.
310 reviews11 followers
December 28, 2019
Das Mazursche Schweigen

Luzie Mazur ist fast hundert, als sie mehrere Tage lang im Sterben liegt. Dann stirbt sie tatsächlich- und hinterlässt einen alten Koffer mit Fotos und viele Fragen. Denn zu Luzies Lebzeiten wurde in der Familie Mazur nicht viel geredet. Tochter Thea und Enkelin Johanne, die Luzie bis zum Schluss gepflegt haben, bleiben etwas verlassen zurück. Johanne beschließt, sich nicht mehr mit Schweigen abspeisen zu lassen. Sie will mehr über Luzie erfahren, durchsucht den Koffer, befragt die Familie und macht sich auf, Großvater Jurek zu suchen, einst Luzies große Liebe, um mehr zu erfahren. Kapitelweise erfahren wir abwechselnd in der Gegenwart, was Johanne erfährt und wie die Familie mit Luzies Tod umgeht, sowie zur Zeit des 2. Weltkrieges, wie Luzie also junge verlobte Bauerntochter Jurek kennenlernte. Luzies Verlobter schrieb seit Kriegsbeginn nicht mehr, als Jurek Mazur als Fremdarbeiter aus Polen ins Dorf kam. Es beginnt eine Liebe gegen alle Gesetze, denn ein Mischen der Rassen ist verboten. Luzie wird schwanger, und die Geschichte nimmt ihren Lauf…

Helga Bürster erzählt angelehnt an ihre eigene Familiengeschichte die traurige und mitreißende Geschichte der Familie Mazur. Trotz dem vielen Leid, das die Familie ertragen musste, erzählt Bürster die Geschichte ruhig und nüchtern, und schafft es trotzdem, den Leser vollkommen mitzureißen. Immer wieder gibt es plattdeutsche Ausdrücke und Phrasen, was sehr zur Geschichte beiträgt, jedoch für mich teilweise schwierig zu verstehen war. Ein wirklich berührender Roman!
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
September 10, 2019
„Die Blechdose blieb Johanne die Antwort schuldig, so wie Luzie sie ihr schuldig geblieben war.“ (Zitat Seite 247)

Inhalt

Als Luzie Mazur stirbt, ist sie beinahe hundert Jahre alt. Doch für Johanne, ihre Enkelin, ist es dennoch zu früh, denn viele offene Fragen, die Geschichte der Mazur-Frauen betreffend, bleiben unbeantwortet. Johannes Großvater Jurek Mazur, der Vater von Johannes Mutter Thea und deren Schwester Helene, war im zweiten Weltkrieg als polnischer Zwangsarbeiter ins deutsche Dorf gekommen und diese Liebe war ein Verstoß gegen die strengen Rassengesetze und damit lebensgefährlich. Nach dem Krieg können sie endlich heiraten, doch im Dorf bleiben sie Außenseiter. Jurek arbeitet in der Kaserne für die Engländer, das Wochenende verbringt er mit seiner Familie. Bis er eines Tages nicht mehr kommt. Luzie schweigt und spricht nie mehr über ihn. Auch in den zu Lebzeiten streng gehüteten Unterlagen ihrer Großmutter findet Johanne weniger Hinweise, als erhofft, doch sie gibt die Suche nicht auf.

Thema und Genre
Dieser Generationenroman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund basiert auf wahren Begebenheiten aus der Familie der Autorin. Im Mittelpunkt stehen die Frauen, vier Generationen von starken Frauen, es geht um Liebe, Mut, Familiengeheimnisse, unerfüllte Träume und schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen. Ein wichtiges Thema ist auch das belastende, starre Schweigen einer ganzen Generation.

Charaktere
Luzie ist die Matriarchin der Familie. Gewohnt, hart zu arbeiten, sichert sie damit das Überleben ihrer Familie. Für ihre Töchter bleibt da kaum Zeit. Das Leben hat sie ernst und schweigsam gemacht. Die vielen unbeantworteten Fragen belasten vor allem auch Thea und Johanne, wobei Johanne nicht aufhört, nach Antworten zu suchen.

Handlung und Schreibstil
Es sind zwei Geschichten, die abwechselnd erzählt werden, die von Luzie und Jurek und die der Familie nach Luzies Tod. Erinnerungen der einzelnen Familienmitglieder ergänzen die Hintergründe. Die Trennung in Kapitel vereinfacht den Überblick. Sehr spannend sind die Schilderungen aus den Kriegsjahren. Der flüssig zu lesende Schreibstil legt auch die Gefühle der einzelnen Charaktere offen und erzählt eine lebendige, nachvollziehbare Geschichte von Konflikten und Entscheidungen, die sich aus den Ereignissen ergeben, unvermeidbar sind und dennoch tiefe Auswirkungen haben.

Fazit
Ein spannender Generationenroman, getragen von starken Frauen und eine von Schweigen und unbeantworteten Fragen geprägte Familiengeschichte. Ein Buch, das noch lange nachklingt.

Profile Image for Katrin Blomquist.
85 reviews1 follower
January 19, 2020
Vielleicht habe ich dieses Buch nur zu Ende gelesen weil ich, wie so viele andere, eine ähnliche Familiengeschichte habe. An der Geschichte des Buches selbst lag es jedenfalls nicht. Diese ist ziemlich löchrig erzählt und es fehlt nicht an romantischen, überkandidelten Sprachbildern. Wenn die Protagonistin irgendetwas gemeinsam hat mit der Autorin sollte sich auch diese vielleicht besser auf den Groschenroman konzentrieren.
Profile Image for Elisabeth Sonnleitner.
45 reviews
April 12, 2020
A touching story about belonging and guilt with autobiographical traits, eloquently told. My favorite book of the year so far.
1,375 reviews6 followers
May 25, 2020
Wunderbare Biographie über die Großeltern der Autorin. Es erinnert ein wenig an das Buch von Dörte Hansen "Altes Land".
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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