Der Ton wird aggressiver, auch in der populären Die Texte werden hasserfüllter, die Musik martialischer. Jens Balzer sieht hier eine klare Parallele zur politischen Debatten-Unkultur. Wie kaum ein anderer seziert der renommierte Popkritiker die Spannungsfelder eines kulturellen Feldes, dessen rhetorische Methoden und gezielt provozierende Haltungen auffallend denen der neuen Populisten ähneln.
Zweifellos ist Pop ohne Provokation, ohne das Spiel mit Tabubrüchen nicht vorstellbar. Und diese Freiheit der Kunst darf weder einem moralischen Rigorismus noch politischen Interessen geopfert werden, betont Balzer. Das heißt aber nicht, dass man Verrohung, brutalen Sexismus und explizite Aufrufe zur Gewalt widerspruchslos hinnehmen muss. Vielmehr gilt es, sich über die roten Linien einer jeden Massenkultur zu verständigen.
An vielen Beispielen – vom Echo-Skandal bis zur Debatte über "cultural appropriation" im Pop – zeigt Jens Balzer, wie schwierig es geworden ist, zwischen populär und populistisch zu unterscheiden. Und versteht es zugleich, für einen Pop zu begeistern, der mit den Mitteln der Kunst Freiheit und Solidarität feiert.
Jens Balzer (Alemania, 1969) es escritor y periodista. Doctorado en la Universidad de Hamburgo, ahora enseña crítica pop en la Universidad de las Artes de Berlín. Ha trabajado como columnista y redactor en distintos medios de comunicación, entre los que se encuentran Die Zeit, Berliner Zeitung, Rolling Stone y radioeins. Además, codirige el Popsalon del Deutsches Theatre y es asesor artístico del Donaufestival Krems. Es autor de una extensa bibliografía sobre crítica pop.
Hat mir wirklich sehr gut gefallen. Tipp: Wer Interesse an dem Thema hat: Bei der Bundeszentrale für politische Bildung bekommt man den Titel bedeutend günstiger als im „freien“ Handel.
Wer sich für Popkultur, Politik, Populismus, cultural appropriation etc. interessiert ist hier richtig. Auf Interpret*innen von A wie Andreas Gabalier über F wie Feine Sahne Fischfilet oder Farid Bang bis Z (leider fällt mir kein passendes Beispiel ein) wird eingegangen. Ich bin nicht bei allen Thesen der Meinung des Autors, aber das Werk ist durchweg interessant gehalten.
„Wie auch immer in den letzten Jahrzehnten ist der rechte Pop auch in seiner aktuellen Inkarnation maskulinistisch und marginal, unsexy und unglamourös. Hier wächst nichts „Eigenes“, Originäres oder gar ästhetisch Interessantes heran. Es ist bloß sein wenig Plunder, um Parolen darin zu betten.“
Man ist geneigt, Jens Balzers "Pop" in "Kammschwellender Balzgesang" umzubennen, so sehr feuert er in der ersten Buchhälfte balzertypische Schmähkritiken über alles und jeden ab (Nirvana, Celine Dion, Beyonce, Art Garfunkel, you name it...). Darüberhinaus finden sich allerdings etliche kluge Anmerkungen über die Weiterentwicklung von Pop (im weitesten Sinne verstanden, also alles, was eben nicht Klassik oder Jazz ist), sicherlich auch manche diskutable These (ob jetzt gerade die Strokes & die Libertines als Beispiele für die letzten breitbeinigen heterosexuellen Männlichkeitsmaschinen geeignet sind?), aber vor allem viel Witz und tolle Geschichten von Konzerten in einer beeindruckenden Bandbreite: von Sunn O))) geht's über Rihanna zu Helene Fischer. Ein besonders Fließbienchen gibt es für die ostentative Verweigerung, die "Mehrzweckhalle am Postbahnhof" anders als eben so zu benennen!
The first half of the book is a very good recap and assessment of the problematic right wing populist artists/events of the last couple of years. The second half is a bit weird and the chapter about how leftist pop music is also problematic and the superficial bashing of identity politics falls short in comparison. Still an interesting read.