Born to a Sicilian father and a Jewish mother, he was soon persecuted by the Nazi regime. His family survived the Holocaust by hiding in a friend's basement. After his experiences, he became a communist, but soon grew estranged because of his dislike for Stalinism and exited the German Communist Party in 1957. In 1982, he published his most widely known work, Die Bertinis, a semi-autobiographical novel portraying the experiences of a family of mixed ethnic heritage (including Jewish) from the end of the 19th Century through the end of World War II. In 1988, it was presented in a television series aired on the Second German TV network (Zweites Deutsches Fernsehen, or ZDF). Thereafter Giordano worked as a freelance writer and wrote numerous articles about his experiences in Nazi Germany and about the dangers of Neo-Nazi movements. He saw Islam as a threat: In a New York Times interview in 2007, he vehemently opposed the construction of a new mosque in Cologne, citing German mosques as "a symbol of a parallel society", and called the integration of German Muslims "a failure". Ralph Giordano died on Dec. 10, 2014, aged 91, in a Cologne hospital of complications following a hip fracture.
Lange habe ich an diesem Buch gelesen. Noch viel länger wird es in mir, einer Vertreterin der "Kriegsenkelgeneration" (wie Sabine Bode sagen würde), gären, brodeln, wüten, bohren, mich umtreiben und mich wütend, ratlos, beschämt, erschrocken, dankbar, nachdenklich, verunsichert, endlich erkennend zurück lassen.
Und ich werde es wieder lesen. Und weiß jetzt schon, daß es ganz andere, aber ganz dieselben Gefühle aufwühlen wird. Wichtigerweise. Endlich.
Zumal das Kapitel "Die Mörder blieben unter uns" mit seinen Unterkapiteln "Von der Entnazifizierung bis Globke", "NS-Prozesse, erste und zweite Welle", "Bundesjustiz - NS-Justiz: die untilgbare Schmach" und "Der unsterbliche Konservatismus" haben mir Tatsachen vor Augen gehalten, die mir - die ich mich für recht gut gebildet halte, die ich in den späten 1970er/frühen 1980er Jahren von 68ern in Geschichte und Sozialkunde unterrichtet wurde - Dinge, Tatsachen, von Anfang an eingebaute Sollbruchstellen der demokratischen Bundesrepublik überhaupt zum ersten Mal benannt und erschlossen haben.
Die aber so vieles erklären und einordnen, das ich in meinem mittlerweile langen Leben erlebt habe, bis hin zur Jetzt-Zeit des wieder schamlos hervorkriechenden und auch in der heute jungen Generation erschreckend erstarkenden Rechtsextremismus nachwirken sehe.
Giordano schrieb und veröffentlichte sein so unendlich wichtiges Buch kurz vor dem Fall der Mauer, die die beiden deutschen Nachkriegsstaaten sichtbarlich trennte. Er bezieht seinen Text - vielleicht notwendigerweise - nur auf die damalige Bundesrepublik, auf das damalige Westdeutschland.
Wieviel davon in welcher womöglich abgewandelten Form auch auf die Gesellschaft der damaligen DDR paßte oder nicht, mögen andere beurteilen. Was ich zu beurteilen wage, ist die erschreckende Relevanz, die "Die zweite Schuld" auch noch 40 Jahre, einen Mauerfall und eine mähliche politische und gesellschaftliche Neustrukturierung der Bundesrepublik später für uns Heutige hat. Für diejenigen von uns, die - inzwischen grauhaarig - der vorgenannten Kriegsenkelgeneration angehören. Aber auch für 2 oder 3 Generationen, die bereits nach uns herangewachsen sind oder heranwachsen.
Manches mag sprachlich überholt sein, das Giordano schreibt. Anderes historisch widerlegt worden (vor allem die Vorhersage, die Mauer habe nunmehr auf immerdar Bestand). Vieles ist schwer erträglich, da der vehemente Streiter Giordano an etlichen Stellen vor Drang, es wirklich glasklar zu machen, sich in (für meinen Geschmack) allzu emotional geführten umfänglichen Redundanzen ergeht.
Aber im Großen und Ganzen ist gerade mit der zeitlichen Distanz zur Zeit der Abfassung des Buches die Relevanz bis heute und darüber hinaus umso deutlicher: Die Mahnung war vielleicht seit Anbeginn der Bundesrepublik nie dringlicher als heute.