Nach meinen eigenen 892 Diensttagen (grösstenteils in der Friedensförderung im Balkan) sind die 650 Militärtage eines Max Frisch als Kanonier nicht weniger interessant - im Gegenteil. Gerade seine nicht unkritische Betrachtung und die Erinnerung an diese uniformierte Zeit, als die Schweiz unter Generalmobilmachung mit über 700'000 Mann stand, sind bis heute relevante Zeitzeugen.
Ich wage zu behaupten, dass diese Memoiren heute nur ungern gelesen werden, gerade in Volksschulen wüsste man unbequeme Passagen wie die folgenden nur schwer zu erklären, weil sie mit dem restlichen Unterrichtsstoff schlicht nicht konform sind.
Am 14.8.1940, also kaum einen Monat nach dem Rütli-Rapport, ersucht General Guisan den Bundesrat, eine Delegation unter der Führung von Minister C. J. Burckhardt nach Berlin zu entsenden: "pour tenter un apaisement et instituter une collaboration."
30.8.1942: Nach drei Kriegsjahren befinden sich 9600 Flüchtlinge in der Schweiz. Bundesrat Eduard von Steiger, verantwortlich für die schweizerische Flüchtlingspolitik, erklärt vor einer Landsgemeinde der Jungen Kirche: "Das Boot ist voll." Einwohnerzahl der Schweiz: 4'265'703.
Die Rede ist auch von diversen Nazi-Kollaborateuren und -Sympathisanten in hohen Bundesetagen, von dem wieder an die Deutschen freigegebenen Kriegsmaterial, von den 17 erschossenen Schweizer Landesverrätern. Ein Zeitdokument, das zur gleichen Zeit persönlicher nicht sein könnte; interessant und relevant bis heute.