"[Der Kapitalismus] ist kein Erfolg. Er ist weder intelligent noch schön, er ist weder gerecht noch tugendhaft - und ausserdem funktioniert er nicht (...). Wenn wir allerdings darüber nachdenken, was wir an seine Stelle setzen, sind wir völlig ratlos." - John Maynard Keynes
Christian Felber analysiert in seinem Buch "Neue Werte für die Wirtschaft" den Kapitalismus und seine Fehlleistungen äusserst treffend und genau. Er entlarvt den Kapitalismus als ein System, welches zwar den Wohlstand fördert, aber auch die Ungleichheit zwischen den Menschen. Im Gegensatz zu anderen Autoren kritisiert er aber nicht nur, sondern liefert mehr oder weniger konkrete Lösungsvorschläge. Ein wichtiger Kernpunkt ist die Deckelung der Gewinne, die ein Unternehmen, eine Person oder auch ein Kapital erzielen darf. Das Kapital soll wieder zum Mittel werden, anstatt Zweck zu sein. Was aber sind, wenn man nicht mehr gewinnorientiert arbeiten kann, die Anreize, überhaupt zu arbeiten? Felber schlussfolgert richtigerweise, dass ein Umdenken bzw. eine Umerziehung in der Gesellschaft stattfinden muss, um nutzenorientierte Arbeit und globalen (nicht den eigenen) Wohlstand zum wirtschaftlichen Ziel zu machen. Eine Abschaffung des Egoismus und des Eigennutzes. Und genau hier stellt sich mir die Frage: Wie viele Lebensformen organisieren sich in solchem Ausmass uneigennützig, und wieso sollte es ausgerechnet der Mensch tun? Werden zukünftig die Egoisten die Aussenseiter sein, so wie heute die Selbstlosen als hoffnungslose Träumer an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden? Felbers Schluss, dass das alles "mit ein bisschen Change Management" ganz einfach machbar wäre, ist geradezu abstrus.
Das Buch liefert wichtige und richtige Lösungsansätze, die unbedingt diskutiert werden müssen. Es wäre jedoch interessant, sie von einem arbeits- und motivationspsychologischen Standpunkt her auszuleuchten. Auch wenn ich es mir wünschen würde: Ein gesellschaftlicher Umschwung diesen Ausmasses erfordert weit mehr als nur ein bisschen Change Management.
Christian Felber ist einer der wenigen Menschen, die sich unser aktuellen Misere annehmen und nicht nur Kritik üben, sondern auch neue Wege aufzeigen. Darum sollten seine Bücher von allen Menschen in der westlichen Welt gelesen werden. Und wie es bei solchen progressiven und sozialistischen Büchern über die Wirtschaft und unser Wertesystem immer ist, es machte mich nachdenklich, traurig und wütend.
Denn wie können wir unsere Leben tagtäglich im kapitalistischen Neoliberalismus zerstören, nur weil uns eingetrichtert wird, dass Konsum das Lebensziel ist? Wir arbeiten uns zu Tode, vergessen die wahren Werte und unsere Mitmenschen, erkennen ausser Wohlstandsvermehrung und Anhäufung von Vermögen keine Andere Lebensvarianten mehr.
Mit "Neue Werte für die Wirtschaft" versucht Felber uns aufzuzeigen, dass es doch eigentlich viel anders sein könnte - und der Mensch das Glück nicht in diesen Mechanismen finden kann. In zehn Punkten erklärt er eine neue Herangehensweise an unsere Systeme und deren Werte - und versucht am Ende auf einfache Weise aufzuzeigen, wie wir den tödlichen Kreislauf des unendlichen Wachstums durchbrechen sollten.
Nach dieser Lektüre habe ich noch weniger Lust, mich dem blinden Alltag der indoktrinierten Gesellschaft hinzugeben.
Super Aufschlüsselung der Entstehung von Gemeinwohl-Ökonomie + alternative Gedankenanstöße zur Betrachtung des Kapitalismus als ausschließliche Krankheit, danke Christian!