1911 malte der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner die »Schlafende Milli« nackt auf einer Couch liegend. Als Inspirationsquelle ließ er nur die eigene Potenz gelten. Während zahlreiche Kunsthistoriker_innen neben der Ästhetik auch die Sexualfantasien von Kirchner in den Fokus ihrer Analysen nehmen, taucht die Autorin in die Gedanken- und Gefühlswelt seiner »Muse« ein und lässt »Milli« sinnbildlich erwachen. In Einzelinterviews kommen acht Schwarze Kunstschaffende verschiedener Generationen zu Wort, die in und durch ihren Arbeiten die gängigen kolonialtradierten Stereotype überwunden und ihre eigene selbstbestimmte Identität als Schwarze Frauen innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft gebildet haben.
3,5 ⭐️ ich habe die einträge dieser frauen über ihre künstlerische arbeit sehr gern gelesen. war einfach echt spannend! aber ich hätte mir sehr gewünscht, hätte es noch bilder gegeben, die die kunst zeigen, einfach mehr fotos, damit man bessere eindrücke kriegt von den gemälden, von den masken, vom kuratieren und bildhauen usw. auch hätte ich mir noch mehr auseinandersetzung mit der im bild portraitierten "milli" gewünscht, ich dachte erst, kelly hat über sie geforscht und vielleicht etwas über ernst-ludwig kirchners damaliges model herausgefunden. das kam leider nicht so dran, was ich historisch gesehen einfach gut gefunden hätte. trotzdem ein vertiefendes buch, dass ich empfehlen kann, wenn man sich für (antikoloniale) kunst interessiert.