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Die Nebelkrähe

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London im Juni 1923. Peter Vane kann nicht mehr schlafen. Eine unbekannte Stimme raunt ihm immer wieder ein einziges Wort zu: Lily. Doch der junge Kriegsveteran und Mathematikstudent kennt niemanden mit diesem Namen. Nur das Foto eines kleinen Mädchens, das ihm sein verletzter Kamerad Finley im Schützengraben zugesteckt hat, scheint auf merkwürdige Weise mit Lily in Verbindung zu stehen. Finley ist verschollen, und um ihn aufzuspüren, sucht Peter trotz aller Zweifel Hilfe bei der berühmten Spiritistin Hester Dowden, die behauptet, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können. Doch als Peter an einer Séance teilnimmt, spürt er eine ganz andere unheimliche Präsenz: Oscar Wilde, der doch eigentlich seit 23 Jahren tot ist, diktiert ihm seine Gedanken. In der Hoffnung, all dies sei rational erklärbar, versucht Peter mithilfe der exzentrischen Dolly, das Rätsel um Lilys Foto zu lösen, Mrs. Dowden als Betrügerin zu entlarven und seine eigenen Dämonen zu besiegen. Doch je tiefer er in das Geheimnis eindringt, desto deutlicher wird, dass der Schlüssel dazu in seiner eigenen Vergangenheit verborgen liegt.

176 pages, Hardcover

Published February 25, 2019

24 people want to read

About the author

Alexander Pechmann

53 books4 followers

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Profile Image for Lykos Silvertongue.
112 reviews
February 17, 2024
Voyeuristisches Vexierspiel mit den Realitäten

Gesetzt den Fall, dass der Leser, die Leserin ein Faible für Oscar Wilde, ja, sogar ein voyeuristisches Interesse am Umfeld des irischen Literaten hat und ein gerüttelt Maß an parapsychologischen Gedankenspielen schätzt, dann ist „Die Nebelkrähe“ es wert, gelesen zu werden. Bei all den historischen Recherchen, die Alexander Pechmann in seinen Roman als kräftige Brühe an Kuriositäten einfließen ließ, blieb die eigentliche Geschichte aber dünn. Weniger eine Gothic Story als ein spiritistisch aufgepepptes Stimmungsbild der Roaring Twenties.

London, 1923. Hauptfigur ist der englische Physikstudent Peter Vane, der traumatisiert aus den Schützengräben des I. Weltkriegs heimgekehrt, Halt in der nüchternen Sicherheit der Zahlen sucht: „Die Logik mathematischer Formeln und Gleichungen war für mich wie ein kühles Tuch auf der Stirn eines Fieberkranken…und gab mir die Gewissheit, dass Begriffe wie richtig und falsch noch ihre Berechtigung hatten.“

Ausgerechnet ihn, den streng rational denkenden Naturwissenschaftler, plagen Stimmen. Nicht genug des Ungemachs. Immer wieder sieht Vane für Sekundenbruchteile die Gestalt seines Kameraden Finley, der im Krieg sein Lebensretter war und seither verschwunden ist. Derselbe Finley, der ihm vor seinem Abtransport ins Lazarett zur Verwahrung eine Daguerrotypie zusteckte, die ein vierjähriges Kind zeigt, Lily. Verliert der Physiker aufgrund posttraumatischer Belastung langsam den Verstand oder stecken jenseitige Einflüsterer dahinter. War Finley wirklich Finley? Zeigt Lily tatsächlich Lily? Der Mann der Wissenschaft wird zuhauf mit absurden Fragen konfrontiert.

Pechmann arbeitet mit Dichotomien. Er lässt Peter Vane mit Hester Dowden und ihrer weiblich dominierten Londoner Spiritistenallianz (LSA) in Kontakt treten und an Séancen teilnehmen. Gleichzeitig schickt er die männlich geprägte Gesellschaft für Parapsychologische Forschung (SPR) rund um Professor Dingwall ins Rennen, die Séancen unter kritisch-wissenschaftlichen Kriterien untersucht. Alles illustre historische Figuren mit Ecken und Kanten; ständig zwischen Wahrheitsfindung und Scharade oszillierend. Überhaupt hat es der Autor mit Namedropping. Immer wieder baut er bekannte Namen ein, um das bunte Panoptikum der Zwanzigerjahre weiter auszukleiden. So hat auch der Spukgeschichtenschreiber Algernon Blackwood einen kurzen Auftritt, der in Pechmanns späterem Buch „Die zehnte Muse“ zu einer der Hauptfiguren wird.

Und mit der beschwingten Dolly, Oscar Wildes Nichte, führt der Autor seinem spröden Hauptprotagonisten Peter ein humorvolles, geistreiches, lasterhaftes Pendent zu. Dolly flitzt mit dem roten Bentley durch London und glänzt als Schmuckstück jeder Society-Veranstaltung. Opposites attract. Zudem erkennt er sie wieder, als jene Sanitätsfahrerin, die einst Kameraden Finley abtransportierte. Wobei sich hier weniger ein Kreis schließt als eine Spirale fortführt.

Dolly Wilde ist es, die dem fakten- und zahlentreuen Vane neue Blickwinkel auf die Realität öffnet: „Wenn die Illusion uns etwas gibt, was die Wirklichkeit uns nicht geben kann, ist sie ein Geschenk, für das wir dankbar sein sollten…Vielleicht ist das Leben nur ein Traum, der uns am Schlafen hindert.“
Zugegeben, Pechmann verleiht seinen Figuren Farbe und Facetten, fängt den Zeitgeist von Wissenschaft und Parawissenschaft der 1920er gekonnt ein und steckt ihn wie einen Dschinn in die Flasche, sprich den Roman.

Was ihm nicht gelingt: eine durchgehende Geschichte zu erzählen. Sie bleibt eher zartes Beiwerk, überdeckt durch Einschübe, Anekdoten und voyeuristische Einblicke in das Leben der Figuren.

Und was mich als Anglophilen besonders erschreckte, mehr als jeder Spuk, war der Anfang der „Nebelkrähe“. Der Roman legt mit köstlichen Spannungsingredienzien los, die Erwartungshaltung baut sich zusehends auf, ehe auf Seite 9 „Ticket nach Blitey“ steht. Diese Schreibweise von „Blighty“ (ein Synonym für England) fühlt sich an, als ob man beim Küssen plötzlich mit Knoblaucharoma konfrontiert wird. Oscar Wilde hätte seinen Spaß ob meiner Empörung, hielt er Fakten doch ohnehin für überbewertet…
Profile Image for Anna Pötscher.
42 reviews1 follower
March 22, 2025
Eigentlich habe ich dieses Buch in der falschen Jahreszeit gelesen. Große Empfehlung für eure nächste Halloweenlektüre 😅 Es ist nicht super gruselig, oder blutig, oder sonst was, aber es hat so einen spooky Vibe und ist ein wenig düster. Also wenn jemand eigentlich ein ultimativer Angsthase ist, aber trotzdem gerne etwas Geist-reiches (👻) im Oktober lesen möchte - this is your book!
Dieses Buch, wie auch „die Insel des kleinen Gottes“, basiert wieder auf echten Personen und orientiert sich an echten Geschichten - das mag ich sehr ♥️
Profile Image for fili.
269 reviews36 followers
February 15, 2021
London 1923: Der junge Kriegsveteran und Mathematikstudent Peter Vane hat schlaflose Nächte. Immer wieder hört er eine Stimme, die ihm den Namen Lily zuflüstert. Überzeugt davon, dass es etwas mit der geheimnisvollen Fotografie eines kleinen Mädchens zu tun haben muss, die ihm ein verschollener Kamerad an der Front hinterlassen hat, sucht er trotz aller Zweifel Rat bei der berühmten Spiritistin Hester Dowden. Zu Peters Überraschung ist es jedoch nicht sein Kamerad Finley, der aus dem Jenseits versucht Kontakt aufzunehmen, sondern niemand geringerer als der Geist des verstorbenen Oskar Wilde! Gemeinsam mit der exzentrischen Dolly begibt sich Peter auf die Suche nach einer rationalen Erklärung, um das Rätsel um Finley und die Fotografie doch noch lösen zu können…

Ein spannender Roman, der sich stellenweise auf wahre Begebenheiten beruft und dessen Auflösung mich sehr beeindruckt hat.
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