In der Tat erfährt der Leser viele interne Details aus dem Leben und künstlerischen Schaffen des britischen Schauspielers Laurence Olivier (1907-1989) durch seinen erstgeborenen Sohn Tarquin. Hier und da waren es jedoch nicht allein interne, sondern geradezu intime Einzelheiten, die zu erwähnen völlig unnötig gewesen wären. Stattdessen hätte der Autor besser daran getan, mehr Zeit und Hingabe auf Struktur und Erzählform zu investieren. Ihm ist es leider im gesamten Buch nicht gelungen, die Fülle an Informationen, persönlichen Erlebnissen, gemeinsamen Gesprächen mit den zahlreichen Briefen aus seiner Korrespondenz mit seinem Vater, seiner Mutter Jill Esmond und seines Vaters zweiten Ehefrau Vivien Leigh, so miteinander zu verbinden, dass ein harmonisches Gesamtwerk daraus entsteht. Stattdessen wurde der Lesefluss durch den permanenten Wechsel von erinnerten Dialogen mit eingefügten Passagen aus diversen Briefen gestört. Gegen Ende vollzieht er beispielsweise einen für mich nicht nachvollziehbaren Zeitsprung von siebzehn Jahren, ein geradezu klaffendes Loch, da es sich dabei um die ersten siebzehn Jahre seiner dritten Ehe mit Joan Plowright handelt und man aus dieser Phase gar nichts erfährt. Er erwähnt noch nicht einmal seine drei Halbgeschwister mit ihren Namen, während er an anderer Stelle indiskret Details diverser Erkrankungen oder sexuelle Probleme bzw. Fähigkeiten seiner Eltern verrät. So springt er also von 1960 plötzlich nach 1977, um Seiten später wieder ins Todesjahr von Vivien Leigh, 1967, zurückzukehren. Den letzten immensen Sprung vollzieht er schließlich von 1977 zu 1989. Sein Vater liegt plötzlich bereits im Sterben und das war's. Ein Aufbau, mit dem ich bis zum Schluss haderte, ebenso mit der fehlenden Leidenschaft des Erzählens.
Überdies stellte ich mit größtem Bedauern fest, dass kein einziges Foto - abgesehen vom Titelbild - im ganzen Buch zu finden ist. Sonderbar für eine Biographie. (Vielleicht auch dem Umstand zuzuschreiben, dass es sich hierbei um eine Kindle-Version handelte.)