Rosalie wird zu ihrem Entsetzen bei einer Brautschau von Bluebeard angesucht seine neunte Frau zu werden. Am Anfang versucht sie sich das noch schön zu reden, merkt dann aber schnell in welchem Grauen sie gelandet ist. Bluebeards 8 ehemaligen Ehefrauen sind verschwunden und sie lebt im Schloss mehr als eine Gefangene denn seiner Ehefrau.
Claire wird an ihrem sechzehnten Geburtstag durch ein Geschenk ihrer Mutter in eine alte Frau verwandelt. An ihrem Rückzugsort kommt ein paar Jahre später Rosalies Bruder vorbei, der sich auf den Weg gemacht hat, seine Schwester vor Bluebeard zu retten. In ihm sieht sie die Chance auf die wahre Liebe, die wie sie glaubt von ihrem Fluch befreien kann und machte sich zusammen mit ihm auf den Weg seine Schwester zu retten.
Den Anreiz das Buch zu lesen hatte ich durch eine Leseprobe bekommen. Ich fand sie so interessant, dass ich mir dachte ich gebe dem Buch eine Chance. Auch weil mich die Grundidee mit dem Märchen von Blaubart sehr neugierig machte und ich viel Potential darin sah. Leider hat die Autorin, meiner Meinung nach davon nichts genutzt. Ich habe mich wirklich angestrengt das Buch zu mögen, vor allem war ich unheimlich gespannt auf die Geschichte. Nur nachdem ich es nun fertiggelesen habe, bin ich einfach nur enttäuscht.
Die Autorin beginnt die Geschichte gleich mit zwei Charakteren einmal Rosalie und einmal Claire. Beide Charaktere bleiben bis zum Ende des Buches flach und fühlen sich nicht einmal im Ansatz wie echte Menschen an. Bei Rosalie zweifelte ich sogar ein paar Mal an ihrer Intelligenz. So vermutet sie, dass es der kleine verbotene Schlüssel sein wird, der die Tür öffnet, steht gewissermaßen unter Zeitdruck sie zu öffnen und probiert dann erst jeden einzelnen anderen Schlüssel am Bund aus, bevor sie den vermuteten nimmt. Bei Claire frage ich mich bis auf eine Gelegenheit, wieso sie eigentlich wichtig für die Geschichte ist. Sie würde auch gut ohne sie funktionieren, wie das das Märchen, dass der Autorin als Vorlage diente auch tut. Diese Problem betrifft auch noch andere Figuren des Buches. Wie Will, den Stalljungen, der nur als Loveinterest für Rosalie da zu sein scheint und der Geschichte nicht viel mehr nutzt, sowie auch für die Blumenelfen, die wie die anderen so auffällig dazugeschrieben wurden, dass es einem fast ins Gesicht springt. Sie scheinen alle nicht in der Geschichte verankert zu sein und man würde sie nicht vermissen, wenn sie nicht da wären, die Geschichte funktioniert bis auf Details genau wie mit ihnen. Ich habe deswegen den Eindruck, dass sie die Autorin dort einfach nicht getraut hat, das Märchen zu verändern. Neue Wege zu gehen oder gar ein anderes Ende zu wählen. Auf jeden Fall hätte das der Geschichte nicht geschadet.
Die beiden Liebegeschichten fühlen sich gezwungen und alles andere als romantisch an. Sowohl Rosalie als auch Claire verlieben sich in den erstbestens Mann in ihrem Alter, dem sie in der Geschichte begegnen? Klar, bei Claire musste das sein, denn sonst hätte man Leser nicht an der Nase herumführen können, das das Lösen ihres Fluches nach der wahren Leibe verlangt, aber bei Rosalie verstehe ich es nicht so ganz. Sie hätte auch gut Freunde mit Will sein können und es wäre wesentlich glaubwürdiger gewesen.
Bei Bluebeard verstehe ich nach wie vor nicht, warum er so heißt. Es ist eine Geschichte auf deutsch von einer deutschen Autorin und Blaubart ist eigentlich ein fränzösisches Märchen. Barbe bleu oder etwas in der Art hätte ich da noch nachvollziehbar gefunden, aber Englisch passt so gar nicht in die Geschichte hinein. Blaubart an sich ist der klassische Bösewicht eines Märchens, fast nicht menschlich und einfach nur sehr böse. Am Ende erfährt man den Grund für das Verschwinden seiner Frauen und warum er sie getötet hat und es fühlt sich als Erklärung einfach nur sehr platt an. Gerade von einer Interpretattion des Märchens hätte ich mir für ihn um Einiges mehr an Tiefe gewünscht, eine Motivation und auch einen Funken Menschlichkeit. Im Moment hoffe ich das in dem Prequel des Buches zu finden, aber wenn ich mir diese Geschichte so ansehe, weiß ich nicht, ob da nicht auch meine Erwartungen enttäuschen werden.
Der Schreibstil der Autorin ist leider sehr farblos. Man bekommt Beschreibungen von der Landschaft und von den Menschen, allerdings kommt keine Atmosphäre auf, auch nichts märchenhaftes.
Ich wollte diese Geschichte wirklich mögen, gerade weil mich das Märchen immer fasziniert hatte und ich neugierig war die Figuren darin mit mehr Tiefe zu erleben und vielleicht auch einen anderen Ausgang der Geschichte zu lesen. Diese Buch ist der Versuch aus dem Märchen eine Romantasy-Geschichte zu machen, aber meiner Meinung nach ist das nicht sehr gut gelungen. Das einzig wirklich Gute hier ist das Märchen, dass zugrunde liegt und das stammt von Charles Perrault. Mir tut es wirklich leid an dieser Stelle so ehrlich mit meiner Meinung zu sein, denn ich bin mir sicher, dass die Autorin es besser kann.