Repetitive Dinnershows im Fernsehen, Sexträume mit Familienmitgliedern, Bier, Kippen und der Alltag einer Callcentermitarbeiterin: Die Facebookposts von Stefanie Sargnagel lassen nichts aus. Und sind so schmutzigschön wie das Leben selbst. Ungeschminkt, derb, aber immer sehr alltagsweise schreibt Stefanie Sargnagel seit sechs Jahren über das einfache Leben. Facebook hat für die Wiener Autorin und Künstlerin das Bloggen ersetzt, das ihr nicht mehr anonym genug war. In Wien hat sie bereits Kult-Status erreicht, denn ihre Statusmeldungen überschreiten ständig Geschmacksgrenzen. Die Wiener Zeitung lobte, wie sie inklusive Fäkalhumor und Versagensexhibitionismus die aktuelle Leistungsgesellschaft konterkariere. „Mein Lebensstil erschließt sich halt aus einer Mischung aus Unfähigkeit, Unentschlossenheit, Gleichgültigkeit und Verweigerung, ich bin die personifizierte Wohlstandsverwahrlosung“, schrieb sie in einem Vice-Artikel.
Stefanie Sargnagel, geb. 1986, studierte in der von Daniel Richter angeleiteten Klasse der Akademie der Bildenden Künste Wien Malerei, verbrachte aber mehr Zeit bei ihrem Brotjob im Call-Center, denn: «Immer wenn mein Professor Daniel Richter auf Kunststudentenpartys auftaucht, verhalten sich plötzlich alle so, als würde Gott zu seinen Jüngern sprechen. Ich weiß nie, wie ich damit umgehen soll, weil ich ja Gott bin.» Seit 2016 ist sie freie Autorin – und verbringt seitdem mehr Zeit bei ihrem Steuerberater.
Mir hat Statusmeldungen besser gefallen, was aber auch daran liegen könnte, dass ich es als Hörbuch hörte, gelesen von der Autorin.
Jetzt habe ich zum ersten Mal ein Buch von Stefanie Sargnagel tatsächlich gelesen. Ich könnte ihre Statusmeldungen ewig dahin lesen, also werde ich bestimmt noch weitere Bücher von ihr lesen/hören.
Lustige, kurzweilige Unterhaltung mit Sargnagels Statusmeldungen, quasi Sargnagels Twitterbuch ohne Twitter. Leider zwischen Februar 2014 und September 2015 keine Einträge. Als Abschluss noch ein Katalog mit Büchern (die sie während der Zeit gelesen hat?)
Ach, ich mag die Stefanie Sargnagel und ihren schlauen Wiener Schmäh einfach. Ihre Texte sind leicht zugänglich, amüsant, authentisch. Schade, dass das Buch so knapp ausgefallen ist.