Das vorliegende Buch ist ein ganz wundervoller Abenteuerroman mit einem extrem guten Schauplatz, nämlich die Diamantenschürferszene im Orinoko-Dschungel Venezuelas der 1950er Jahre.
Hier trifft die spanische Familie Perdomo, seit Jahren auf der Flucht, auf den Glücksritter Zoltan. Zu fünft fahren sie zunächst die Flüsse Venezuelas hoch, um dann selbst nach Diamanten zu schürfen.
Der Gauner Bachaco, der wie alle im Camp mitbekommen hat, dass Yaiza Perdomo das "zweite Gesicht" hat und Diamanten "riechen" kann, folgt ihnen auf Schritt und Tritt. Er will die Familie auslöschen und die Diamantenquelle alleine ausbeuten.
Alleine die Beschreibung der reichhaltigen Landschaft, der Flora und Fauna und der vielen unterschiedlichen Kulturen und Ethnien, die sich in diesem Dschungel aufhalten und sich gefühlt gegenseitig belauern, macht Freude. Spannend und abwechslungsreich ist es auch.
Was ich auch mag, sind phantastische Elemente, die einem Roman die Würze geben und die kommen hier zahlreich vor. Ereignisse der damaligen Zeit fließen in die Handlung ein, etwa die Weltkriege in Europa und deren Folgen auch für Südamerika.
Man lernt enorm viel über die Gegend und die Lebensweisen der eingewanderten Edelsteinsammler wie auch der einheimischen Bevölkerung, die in völligem Einklang mit der Natur lebt, aber von denen einige bereit sind, ihr Territorium gegen die eindringenden Nachfahren von Europäern zu verteidigen.
Am Ende entpuppt sich der Roman auch als Entwicklungsroman. Hier zeigt sich das größte Manko des Textes: Er ist vermutlich für Jugendliche geschrieben, allerdings wird er aufgrund einer altbackenen Erzählweise die Zielgruppe in der heutigen Zeit nicht mehr erreichen können.
Da sind zum einen die Stilmängel. Zu oft etwa erklärt der Autor, statt nur zu zeigen. Zu viele Anspielungen auf die 18-jährige Tochter der Familie erscheinen mir sexistisch, auch wenn diese Sprache unter den Diamantenschürfern der damaligen Zeit selbstverständlich gebräuchlich gewesen sein dürfte.
Und Kurzbeschreibungen von Personen wie "der Mulatte", "die Indios" usw. gehen natürlich auch nicht mehr. Da müsste man neu formulieren oder übersetzen.
Die Figuren bleiben allesamt, vielleicht bis auf Bachaco, farblos und eindimensional, aber das ist im Rahmen dieses Genres, vor allem in einem 40 Jahre alten Werk, nicht unüblich.
Den Unterhaltungswert dieses Romans mindern diese Stilprobleme allerdings nur zum Teil.