Scharfsinnig zeigt Volker Weiß die brisante Entwicklung des neuen rechten Denkens auf. Er porträtiert die wichtigsten Akteure der rechtspopulistischen Bewegungen mitsamt deren Strategien und Methoden. Eine dichte Darstellung von Geschichte und Gegenwart einer Neuen Rechten, deren Aufschwung nicht überraschend war.
In seinem hochaktuellen Buch bietet Volker Weiß die erste tiefgehende und historisch fundierte Zeitdiagnose zu den rechtspopulistischen Phänomenen Pegida, AfD & Co. Dabei beschreibt er das vielfältige Spektrum der neuen rechten Bewegungen und untersucht die Herkunft und Vernetzung ihrer Kader. Mit seinem kenntnisreichen Blick in die deutsche Geschichte zerschlägt er die zentralen Mythen der Neuen Rechten und zeigt: Gegenwärtig werden nationalistische Strömungen der Vergangenheit, die der Nationalsozialismus verdrängt hatte, wieder aufgegriffen. Volker Weiß geht den autoritären Vorstellungen nach und veranschaulicht Übergänge von Konservativismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Zugleich demaskiert er die antiliberalen Phrasen der Rechten und ihren Gestus als »68er von rechts«. Die frappierende Erkenntnis: »Abendländer« und Islamisten sind in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder. Ein aufklärerisches Buch, das die Dürftigkeit der neuen Bewegungen schonungslos entlarvt und zum Kampf gegen deren autoritäre Zumutungen aufruft.
Seit 2013 existiert die AfD, die ‚Alternative für Deutschland‘, eine Partei, die ungern als „rechts-„ bezeichnet wird, in ihren Ansätzen aber nun einmal ein autoritäres System zu schätzen scheint, in welchem relativ schnell antidemokratisches Gedankengut zur Basis allgemeinen Handelns würde. Eine ganze Reihe von Autoren, zumeist Journalisten, liefert in diesem Frühjahr Analysen und Studien zum Thema ab: Melanie Amann vom SPIEGEL in ihrem Buch ANGST FÜR DEUTSCHLAND, Justus Bender von der FAZ in WAS WILL DIE AfD? Beide sind intime Kenner der Partei, beide für ihre Zeitungen seit der Gründung der AfD für die Berichterstattung zu den Populisten verantwortlich. Diese Werke sind klug und wichtig, um auf die aktuellen Geschehnisse und Entwicklungen zu reagieren und sich schnell und umfassend zu informieren.
Dem Historiker Volker Weiß bleibt es vorbehalten, geneigten Lesern die ‚Neue Rechte‘ näher zu bringen. Denn keinesfalls entstand die AfD aus dem Nichts heraus, zugleich macht es kaum Sinn, sie in einen inneren Zusammenhang zur NPD zu stellen. Doch speist auch die AfD sich aus den „Think Tanks“, den Denkfabriken der ‚Neuen Rechten‘, bspw. dem „Institut für Staatspolitik“ (IfS), welchem Götz Kubitschek wesentlich die politische Richtung vorgegeben hat. Anders als die NPD, die sich deutlich in der Nachfolge der NSDAP sieht und offen systemstürzlerische Positionen vertritt, gerieren sich Intellektuelle wie Kubitschek, der von ihm verehrte Armin Mohler oder auch der Publizist Jürgen Elsässer keineswegs als Antisemiten (obwohl Antisemitismus untergründig in vielen ihrer Veröffentlichungen mitschwingt) oder gar Holocaust-Leugner, wie sie zuhauf unter den Wirrköpfen der sogenannten „Reichsbürger“ anzutreffen sind. Vielmehr scheinen diese „neuen“ Denker das Erbe der deutschen Geschichte anzunehmen. Ihnen geht es darum, an die nationalkonservativen und durchaus „rechten“ Denker der Zwischenkriegszeit – Ernst Jünger, Ernst von Salomon, gern auch Martin Heidegger, natürlich Carl Schmitt – anzuschließen und das, was (auch) aus diesen Kreisen hervorkroch - also das 3. Reich unter Adolf Hitler und seiner NSDAP - als gedanklichen Irrweg und damit sozusagen als Mutation national-völkischen Denkens hinzustellen, von dem sich ein „vernünftiger“ Denker entkoppeln könne. Desweiteren rekurriert die ‚Neue Rechte‘ in Deutschland durchaus auf die schon viel länger und gar nicht so sehr im Verborgenen arbeitende französische „Nouvelle Droite“, die sich bereits in den 1960er Jahren bildete und bspw. in Alain de Benoist einen ihrer Vordenker gefunden hatte.
Das ist dies die eigentliche Schwierigkeit, wenn man sich diesen Denkschulen und ihren Vertretern stellen will: Sie leugnen nicht, oder nur selten, meistens sind sie umfassend gebildet und entsprechen somit keineswegs den Klischees dumpfer rechter Schläger, die Angst und Schrecken verbreiten. Und genau darum ist es Volker Weiß zu tun: Sich eben dieser intellektuellen Rechten zu nähern, den Trennstrich zu wirklich Konservativen eines Schlages Joachim Fest (dessen Sohn mittlerweile der AfD beigetreten ist) oder des leider viel zu früh verstorbenen Frank Schirrmacher zu ziehen und dennoch weitestgehend neutral und umfassend die Entwicklungslinien der ‚Neuen Rechten‘ nachzuvollziehen und zu erklären. Teils bleiben dabei Lücken, denn Weiß kapriziert sich schon sehr auf Kubitschek und die sogenannte „Identitäre Bewegung“, deren Vordenker und Sprecher Martin Sellner hier ähnliche Aufmerksamkeit erfährt wie Kubitschek. Dabei geht etwas verloren, daß es auch in den 1990er und den frühen 2000er Jahren durchaus intelligente Vertreter der Rechten gab, auch wenn sie oftmals noch mit dem Image der Bewegung und damit der „Tat“ spielten, sich also auch gern als Kampftruppe ausgaben. Die „Autonomen Nationalisten“ (AN) wären ein Beispiel für diese Richtung.
Doch bei aller Kritik, die man im Kleinen immer an einem Buch wie diesem wird äußern können, bleibt doch, daß Volker Weiß einen guten, wenn auch manchmal sprachlich trockenen, zum Akademismus neigenden Text vorgelegt hat, der sich seinem Sujet vergleichsweise offen nähert und einen sehr umfangreichen Überblick über eine Szene gewährt, die wahrscheinlich nicht einmal ihren Zenit erreicht hat und mit der sich wird auseinandersetzen müssen, wer dem Phänomen einer neuen „Rechten“ jenseits der CDU/CSU, jenseits demokratisch legitimierter Parteien, ernsthaft begegnen will. Als einzelnes Werk vielleicht noch zu reduktionistisch, entfaltet ein Buch wie dieses einen Teil seiner Wirkung natürlich erst im Ensemble. Es ist also dringend angeraten, sich umfassend zu informieren. Dies aber ist ein hervorragendes Grundlagenwerk.
E-Leseexemplar via NetGalley Volker Weiß zieht einen Vergleich und Analyse der sogenannten "Neuen Rechten" um Identitäre Bewegung, AfD, Pegida, Alt Right, Nouvelle Droite etc. hin zur "Konservativen Revolution" in der 1920 Jahren. Fundiertes wissenschaftliches Sachbuch mit zahlreichen Literaturverweisen, die nach- und weiterlesen ermöglichen. Absolut aktuell und leider weiterhin sehr wichtig. Interessant ist das Reflexionskapitel zu den Verfehlungen in der "Linken Bewegung". Auch wenn ich ca. 6 Jahre gebraucht habe es zu lesen, sehr lesenswert. Für Interessierte und Menschen die im Thema schon drin sind.
Wenn man an Rechtsextreme denkt, kommen einem meist Skinheads in den Kopf. Man hat Bomberjacken, Springerstiefel und proletenhafte Sprüche vor Augen. Einen Intellektuellen mit Rollkragen und Fachbegriffen hat man wohl eher seltener als Assoziation.
Jedoch bestimmt eine so geartete politische Strömung, die Neue Rechte, mittlerweile genau auf diese Art und Weise den Diskurs und nimmt Einfluss auf die größte momentane Oppositionspartei der BRD, der AfD.
Sie tun das zwar auf eine ,,neue" Art und Weise, jedoch arbeitet der Historiker Weiß heraus, dass diese Art gar nicht so neu ist. Dass vieles von ihren Ideen und Konzepten geliehen ist von der ,,Konservativen Revolution" der Zwischenkriegsjahre. Das zwar ihr Einfluss auf die Politik über einen kulturhegemoniellen Ansatz erfolgt (Gramsci lässt grüßen) und sie mehr Meta-, als Parteipolitik ausüben.
Dafür zeichnet Weiß sehr viele Biographien (Mohler, Kubitschek) und Organisationen (ifS, JF) nach. Er legt die deutsch-französischen Verbindungen offen, erklärt den Bruch zwischen dem radikaleren IfS und der JF.
Das Buch geht runter wie Butter, ist unglaublich dicht geschrieben und vor allem die ersten beiden Kapitel sind hochspannend. Zwischendurch hängt es etwas durch und Weiß hätte etwas geholfen, was bei Biebricher zuvor mir zu viel war, nämlich Theorie und Ideengeschichte. Man kann es also schwer nur Recht machen.
Das ist nämlich auch ein Kritikpunkt. Zwar macht Weiß einen erhellenden Abendland-Exkurs, aber mir fehlt eine größere Grundierung der Grundtheoreme der verschiedenen konservativen bis völkischen Akteure.
Was ich da noch positiv hervorheben muss, ist das Kapitel zu Dugin und der Eurasien-Doktrin, also der neu gefundenen rechten Ost-West-Bruderschaft. Oder auch die schmittschen Feindbegriffe, mithilfe welcher Weiß auf die Art Verwandtschaft des Islamismus und Rechtsextremismus hinweist, besonders im Bezug auf die USA und den Feminismus.
Da gab's es einige Aha-Momente und daher kann ich das jedem nur empfehlen, der Einfluss dieser Leute wird wohl eher noch zunehmen.
Ein Buch über ein wichtiges gesellschaftliches Thema, das leider erst so richtig ab S. 155 an Fahrt gewinnt!
Sicherlich, hier schreibt ein Historiker und kein Journalist, doch wirkt die erste Hälfte leider gar allzu "journalistisch" - weniger tiefenanalytisch, dafür zu gewissen Teilen sprunghaft anekdotisch. Die eigentlich wichtige Aufklärungsarbeit - also jene, die über ein Narrativ des "Führende-Köpfe-Memory" hinausweist (WER sind die Gestalten und Fädenzieher der Neuen Rechten?) - findet im ersten Teil des Buches praktisch gar nicht statt.
Bestimmte ideengeschichtliche Genealogien (Wie hat sich das "neue Rechte" aus dem "Alten" entwickelt? Warum ist Irrationalismus und Wissenschaftsfeindlichkeit ein essenzieller Bestandteil ideologisch radikalisierter Kreise?; etc.) werden nur unzureichend behandelt. Besonders für Laien. Leider. Man braucht also faktisch eine gewisse Vorbildung, um auch jede rhetorische Spitzfindigkeit als solche erkennen zu können; ganz zu schweigen von der Möglichkeit in wesentliche Details (die politische "Theorie" Carl Schmitts beispielsweise) eintauchen zu können.
Andererseits muss man dem Buch wiederum zugute halten, dass bestimmte Ideengebäude in ihrem Kern verständlich und präzise wiedergegeben werden: so wie im Falle des Eurasismus (der ja aufgrund des Ukraine-Konfliktes eine erhöhte Aktualität und Aufmerksamkeit genießt) oder der Idee von der "Kultur des Abendlandes". Auf die sozialen Ursachen zum Erstarken des neuen Rechtspopulismus wird leider in empirischer Hinsicht ebenfalls nicht eingegangen - wenn überhaupt, dann eher in Form von allgemeinen Hypothesen.
Summa summarum (im Geiste der Kürze einer Spontanrezension): Ein gutes, wenn auch etwas sperrig geschriebenes "Einstiegswerk" eines ausgewiesenen Experten der neurechten Szene, das von einem stärker sich einmischenden Lektorat sicherlich stark profitiert hätte!
Das Buch ist teilweise etwas anstrengend zu lesen, der Stil wenig spannend und eher trocken akademisch, aber dafür ist das Thema wichtig, der Inhalt gut recherchiert und das Buch bietet eine gute Übersicht. Ich fand vor allem das letzte Kapitel über die "andere" Seite, die Linken und das Problem des Kulturrelativismus sehr gut. Das hätte für mich sogar noch gut etwas länger sein dürfen.
Wissenschaftlich brilliant, ja das schon, jedenfalls von der Beweisführung her, nicht vom Stil. Das keineswegs. Dieses Buch kann ich hauptsächlich nur sehr hartnäckigen Lesern oder Studenten empfehlen.
Das vorgenannte Sachbuch über die Neue Rechte ist als wissenschaftlicher Text abgefasst, im Unistil, Text, den man im Hörsaal verpasst bekommt. Das sollte man wissen, bevor man an seine Lektüre geht, sonst könnte diese bitter werden.
Im Wesentlichen geht es darum, wes Geistes Kind die „Neue Rechte“ ist.
Gleichzeitig wird erläutert, mit welchen geistigen und politischen Mitteln rechte gesellschaftliche Gruppen, eine „Konservative Revolution“ auf den Weg bringen wollen. Dazu gehört natürlich auch die Feststellung wie weit der geistige Nährboden bereits bereitet ist. Das Wort „konservativ“ ist von diesen Gruppierungen besetzt und umgedeutet worden! Genau so ist es dem dem Bürgertum noch wohlvertrauten Begriff „Abendland“ ergangen. Wenn zwei von demselben sprechen, ist es eben nicht mehr dasselbe! Diese Begriffe werden samt und sonders von der Rechten umgedeutet.
Um zu zeigen, wes Geistes Kind diese Gruppierung(en) sind, schlägt der Autor einen langen Weg in die Vergangenheit ein. Denn es sind zum Teil auch die Denker, die den Nationalsozialismus theoretisch unterfüttert haben, die den Neuen Rechten mit als Legitimierung ihrer Auffassungen dienen. Der Zeigestock Volker Weißens zeigt bis in die Antike.
Der Gewinn aus der Lektüre von Volker Weißens Buch besteht darin, dass man die einschlägigen Vordenker der äussersten Rechten kennenlernt samt den Medien, in denen deren Gedankengut transportiert wird. Man erfährt, wie weit der Prozeß der Radikalisierung schon gegangen ist und wie weit er in ganz Europa Verbreitung gefunden hat. Man lernt die Art ihres Denkes kennen sowie ihre Feindbilder. Zwischen absolutem Feindbild und politisch-konkretem Feind wird unterschieden, die absolute Feindschaft bestünde gegenüber dem Liberalismus des Westens.
Diese Sachverhalte werden sehr verkopft an den Leser herangetragen.
Wann kommt ein wissenschaftlicher Text beim Leser an? Wenn er gut ist. Und gut ist er, wenn er motivierend ist. Motivierend zur Neugier, zum Erkenntnisgewinn, zum Weiterlesen!
Volker Weiß Text ist nicht motivierend. Sicher, es sind komplexe Inhalte, die vermittelt werden müssen, doch Weiß bevorzugter Nominalstil transportiert zu viel Inhalt auf einmal in einem einzigen Satz. So muss der Leser ständig innehalten und ausführliche, den Substantiven vorgelagerte Attribute geistig zu Relativsätzen umformen. Er muss aus dem einen, angebotenen langen Satz mit vielerlei Informationen drei oder vier Sätze machen, damit er dahinter kommt, was eigentlich gemeint ist. Mit Nominalstil ist eine Art zu schreiben gemeint, bei der übermäßig viele Substantive verwendet werden. Jeder, der einmal einen Gesetzestext gelesen hat, kennt ihn! Exzessiver Nominalstil ist ein weitverbreitetes Übel in der wissenschaftlichen Literatur. Sein Vorteil ist seine Korrektheit, sein Nachteil seine Schwerlesbarkeit. Einen schwierigen Sachverhalt jedoch auf einfache Art zu vermitteln, das ist die Kunst, die man braucht, um auch ausserhalb des Hörsaals verstanden zu werden!
Die Vorgehensweise von Volker Weiß ist wissenschaftlich und vollkommen korrekt. Alle seine Aussagen sind belegt und datiert. Es gibt ein umfangreiches Literaturverzeichnis und entsprechende Fußnoten.
Fazit: Wenn man die Lektüre wissenschaftlicher Texte gewöhnt ist, zieht man durchaus einen Erkenntnisgewinn aus dem Buch. Was man nicht erfährt, ist, welche Art von Menschen hinter der „Neuen Rechten“ stecken, was sie für eine Biographie haben und was sie antreibt.
Ich stimme Volker Weiß in einigem nicht zu, vor allem wenn es um Mohler und die Konservative Revolution geht, nichts desto trotz ist sein buch lesenswert, informativ und quellenreich, seine Ausführungen über islam(ischen) extremismus jedoch recht irritierend und zu gewissem Grad falsch.
Der Klappentext versprach nicht zu viel: In der Tat analysiert der Autor scharfsinnig die Themen und Tropen der Neuen Rechten sowie deren Ursprung in der Konservativen Revolution der Weimarer Republik. So entspinnt sich ein roter Faden vom beginnenden 20. Jahrhundert bis in die Jetztzeit, welcher den Lesenden einen umfänglichen Überblick über die Rezeptionsgeschichte des rechten Denken aufzeigt, welche weit ins konservative Lager hineinreicht - und sich dennoch von diesem unterscheidet.
Der Clou des Buches ist jedoch aus meiner Sicht vor allem auch die Analyse der doppelten Feindschaft der Neuen Rechten, welche dem Schmitt'schen Prinzip von "wirklicher" und "absoluter" Feindschaft folge. So sei der "wirkliche Feind" zwar der Islam bzw. der Islamismus - obgleich beide Ideologien viel mehr verbindet als zunächst ersichtlich - der "absolute" Feind sei jedoch der Universalismus, welcher oftmals mit einem "Amerikanismus" bzw. einer "Verwestlichung" gleichgesetzt werde. Letzteres werde von den Neuen Rechten auch als die Zerstörung der eigenen Identität erkannt, wohingegen Ersteres diese eher nur herausfordere und dieser gegenüberstehe. Aus meiner Sicht eine spannende These, die vom Autor plausibel entfaltet und belegt wird.
Auf jeden Fall ist das Buch hochaktuell und insbesondere derzeit sehr lesenswert, um den Aufstieg der Rechten weltweit erklären zu können.
Erste Ansatzpunkte des Dagegenhaltens liefert der Autor auch, jedoch bleiben diese Kapitel eher stichpunktartig. Inspirierend sind diese Ausführungen dennoch, auch wenn die Brillanz des Buches sicherlich in seinem Analyseteil liegt.
4.25 Ein Buch, bei dem es nicht wundert, dass es beim Lesen aus Versehen unter einem Stapel anderer Titel verschwunden ist. Es ist ein anstrengendes, sperriges und unangenehmes Buch, das einem das Thema der Neuen Rechten in vielen Facetten aufrollt (und einem dabei übel werden lässt). Weiß zeigt akribisch die Herkunft und die Schlagrichtung der Reaktion (denn es ist praktisch nur Reaktion mit neuen Organisations- und Agitationsformen und ideologischer Untermauerung). Das Wichtigste an diesem Buch ist, dass es das "Neue" in der Neuen Rechten als größtenteils alte Widerlichkeiten entlarvt, die nur unter extremeren Vorzeichen wieder aufgewärmt wurden. Auch Donovan kam nicht aus dem Nichts, selbst wenn er für das abgedriftet konservative Milieu neu war.
Eine Sache, die etwas zu kurz und zu wenig nuanciert rüberkommt ist der Vergleich mit dem politischen fundamentalistischen Islam. Weiß stellt zwar keine Gleichstellung zwischen der Neuen Rechten und dem politischen Islam, sondern eher mit dem biedermeierlichen Bürgertum auf, aber die Diskussion hätte mehr Raum verdient und beschränkt sich auf die (richtige, aber leicht zu falschen Interpretationen gereichende) Warnung die hier liegenden Gefahren komplett zu verharmlosen. Und natürlich fällt es nicht leicht zu lesen, wenn Michel Houellebecqs 'Unterwerfung' relativ unkommentiert als Anschauungsmaterial verwendet wird.
Sehr schön ist dagegen die Wichtigkeit von Geschlechterollendenken und Abwehr jedweder Grenzverwischung in diesem Bereich als zentrales Element der neurechten Identität herausgearbeitet. Die Bitterkeit der Angriffe hier verwundert nicht und ist auch nicht neu. Die Vehemenz kommt nur von der gesteigerten Akzeptanz.
Von 2018, also nicht ganz up to date: Gerade die Geschehnisse rund um die Corona-Pandemie, den russischen Überfall auf die Ukraine, die Umfragewerte und Wahlergebnisse der AfD sowie die aktuelle Debatte um den Nahostkonflikt werfen in mancherlei Hinsicht ein neues Licht auf die Thematik. Nichtsdestotrotz ist dies ein wichtiges Buch, macht es doch deutlich, dass die Gefährlichkeit der neuen Rechten nicht in erster Linie in ihrer Militanz liegt, sondern in ihrer Fähigkeit, sich eine bürgerlich-intellektuelle Fassade anzueignen und so in breiten Bevölkerungsschichten salonfähig zu werden. Viele Erkenntnisse des Autors erscheinen erstmal kontraintuitiv, etwa das Verhältnis der neuen Rechten zum Islamismus, dessen Ausbreitung im Westen zwar kritisch beäugt, aber in seiner Ablehnung des westlichen Liberalismus als artverwandt betrachtet wird. Auch die innere Widersprüchlichkeit linker Identitätspolitik eröffnet Angriffsfronten, die etwa die Kritik am Islamismus der Rechten überlassen. So erscheinen die Rechten als massenkompatibler und gerade in Krisenzeiten als anschlussfähiger - und mit ihrem rückschrittlichen Weltbild aus Autoritarismus und Blut-und-Boden-Ideologie (verbrämt im wesentlich schickeren Begriff des "Ethnopluralismus") als umso gefährlicher.
A close historical look at the connections and differences between various right-wing movements in Germany. My reason for giving it a three is that it focuses on the leaders of the movements rather than its supporters, which I think are at least equally as important to understanding the "new right". The language is accessible and engaging in some places, and overly academic in others.
Der Autor gibt einen guten Überblick über die geschichtliche Grundlage und der Entwicklung der Neuen Rechten. Leider ist das Buch sehr trocken geraten und erschließt sich daher m.M. nach nicht leicht einer breiteren Öffentlichkeit... Bei diesem Stoff fände ich es allerdings wichtig, dass sich mehr als Akademiker damit befassen wollen.
Ein unglaublich kluges und spannendes Buch, welches die intellektuellen und geistesgeschichtlichen Hintergründe der heutigen Akteure sehr genau herausarbeitet und eine politische Einordnung anbietet.
Nicht immer leicht, aber durchweg sehr interessant und flüssig zu lesen. Trotzdem man die neuesten Entwicklungen zwangsläufig vermisst, ist dieses Buch immer noch ein toller Überblick über die neue(-alte) Rechte.