Marie Rotkopf teilt ordentlich aus gegen Nationalromantiker und Poplinke, Postfeministinnen wie Patriarchen, Luther wie Mütter. Gefangene werden nicht gemacht. Rotkopfs Manifest ist eine Sammlung polemischer Betrachtungen einer Französin, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Aber das stimmt nicht ganz, weil sie von allem die Hälfte ist, mit deutsch-französischen und jüdisch-arabischen Hintergründen, und wie Costa Gavras in »Z« gesagt hat: »Die Halbjuden sind die schlimmsten.«
Marie Rotkopfs Texte haben Widerhaken, man reibt sich daran, aber leider hat sie recht. In Gedichten, Tagebüchern, kurzen Prosastücken, in angriffslustig-kämpferischen und traurig-komischen Stücken schreibt sie an gegen eine Romantik, die zynisch und banalisierend ist, gegen das deutsche Bewusstsein, endlich ruhigen Gewissens auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Und wenn Gerechtigkeit unentbehrlich sein soll, müssen die verschleiernden romantischen Widersprüche wie Heimat, Nation und Volksgemeinschaft endlich in Frage gestellt werden. Sie setzt sich mit unpopulären Gedanken auseinander, mit Patriarchat, Krieg, Macht und Zensur. Sie hinterfragt die Begrenzungen.
Marie Rotkopf schreibt Poesie als Revolte; ihr Manifest ist ein Plädoyer für das Fremdsein als Freiheit. Es ist ein spottender Akt des Widerstands.
Geboren in Paris, Autorin, Künstlerin und Kulturkritikerin. 1990/91 Internatsbesuch in Westdeutschland, Studium der Kultursoziologie an der Sorbonne, lebt in Hamburg. Sie war Leitein der Kommunikation des ersten zeitgenössischen Kunstmuseums in der Pariser Banlieue. 2007 Gründung der deutsch-französischen Künstlergruppe Internationale Surplace mit Daniel Megerle. Beiträge in und für diverse Kunstzeitschriften, Ausstellungen und Performances.
3 stars, or maybe a little more. Quite interesting in most parts - but in some it felt like the author forgot what she wanted to say over being 'artsy', provocative and original.
Kein Manifest im eigentlichen Sinne, eher eine Sammlung von verschiedenen Texten, hinter denen sich der Standpunkt, die Ansichten und das Programm der Autorin erahnen lassen. Trotzdem immer wieder erhellend und insgesamt gut zu lesen, wen man sich am Anfang nicht abschrecken lässt.
Puh. Wutbürgertum von links. Nicht dumm, aber vor allem pseudo-intellektuell und anstrengend. Dabei hätte man gewarnt sein können: wenn der Klappentext verkündet, die Autorin schreibe "Poesie als Revolte", also einen Text, den es um die Zerschlagung von Ordnung geht und der gleich im ersten Satz schon dadurch charakterisiert wird, die Autorin teile "ordentlich" aus. Da zeigt sich gleich, wie wenig genau und sorgsam der Umgang mit Sprache im vorliegenden Falle ist. Das kann natürlich auch Programm sein. Ist hier aber nicht der Fall. Sondern eher das, was man auf Englisch als "rant" bezeichnet und in Deutschland im "Bierkeller zu Göttingen" (Heine) auf die Ohren bekommt.
Puh. Wutbürgertum von links. Nicht dumm, aber vor allem pseudo-intellektuell und anstrengend. Dabei hätte man gewarnt sein können: wenn der Klappentext verkündet, die Autorin schreibe "Poesie als Revolte", also einen Text, den es um die Zerschlagung von Ordnung geht und der gleich im ersten Satz schon dadurch charakterisiert wird, die Autorin teile "ordentlich" aus. Da zeigt sich gleich, wie wenig genau und sorgsam der Umgang mit Sprache im vorliegenden Falle ist. Das kann natürlich auch Programm sein. Ist hier aber nicht der Fall. Sondern eher das, was man auf Englisch als "rant" bezeichnet und in Deutschland im "Bierkeller zu Göttingen" (Heine) auf die Ohren bekommt.