2.75-3/5 Ein Roman über eine kleine Dorfgemeinschaft, in der ständig Gerüchte verbreitet werden und in der durchgehend eine Atmosphäre von Selbstgefälligkeit und Borniertheit herrscht. Als ein eigenbrötlerisches Dorfmitglied stirbt und seine Beerdigung für den Pfingstsonntag verlasst, wird die Gerüchteküche geschürt: Jede und jeder hat eine eigene Meinung über das Verhältnis zur Haushälterin, das vermeintliche Vermögen und den Charakter des Verstorbenen. Dazwischen gesprenkelt sind Erzählstränge über die Jugend im Dorf. Passend zu den Gerüchten und Spekulationen, aus denen der Roman quasi besteht, ist dieser komplett im Konjunktiv verfasst. Ein cooles Zusammenspiel von Form und Inhalt, aber grade zu Beginn eine anstrengende Leseerfahrung. Die Atmosphäre der selbstgerechten Gemeinde hat mir gut gefallen, insgesamt war es mir jedoch etwas zu lang und repetitiv. "Die Heimat sei immer das Fremdeste. Wer die Welt kennenlernen will, sollte lieber daheim bleiben. Zuhause, das ist immer die ganze Welt. Niemand müsse verreisen, um die Welt kennenzulernen. Er glaube sogar, auf Reisen könne man die Welt gar nicht kennenlernen."
Mir wurde dieses Buch von meiner Deutschlehrerin empfohlen, weil mir Konjunktiv I immer Schwierigkeiten bereitete. Laut meiner Lehrerin würde mich dieser Roman mit dem Konjunktiv vertraut machen, und ich muss zugeben, dass ich jetzt endlich das Konzept verstanden habe. Der ganze Roman wurde größtenteils im Konjunktiv geschrieben, was, wenn ich ehrlich bin, kein angenehmes Leseerlebnis ist (besonders, wenn man kein Muttersprachler ist). Sobald man sich an den Stil gewöhnt hat, wechselt der Autor zwischen der direkten und indirekten Rede, manchmal im selben Satz…
Davon abgesehen: Wenn man sich damit abgefunden hat, dass man sich mühsam in den Roman einlesen muss, war das Lesen des Romanes ein bereicherndes Erlebnis. Man lernt eine kleine Ortschaft kennen mit den vielen (manchmal lustigen) Figuren, die dort leben oder dorthin reisen, um der Eröffnung eines Testaments beizuwohnen. Unzählige Gerüchte ranken sich um die zentrale Figur des verstorbenen Sebastian Adomeit. Ob einige davon stimmen oder nicht, verrate ich nicht.
Alles in allem hat man die Chance, in eine kleine Welt einzutauchen, in der sogar aus Südhessen stammende Menschen als Exote bezeichnet werden, was zeigt, wie klein diese Welt eigentlich ist. Deswegen ist es fast ein Privileg, Zugang zu einer solchen Gemeinschaft zu bekommen, auch wenn die Ereignisse, die diesen Menschen „widerfahren“, gar nicht spannend sind. Trotzdem ist es unterhaltsam, nicht nur über die Traditionen während des Wäldchestags zu lesen, sondern auch kleine Dörfer in der Nähe von Frankfurt besser kennenzulernen, besonders wenn man in der Gegend wohnt.
annying style at first, but amazing character description of the self-righteous of the world. sometimes fun depiction of people just being smalltown brainless assholes.