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Die Delegation: eine Begegnung der dritten Art

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Esplugas de Llobregat, Barcelona. 18 cm. 315 p. Encuadernación en tapa blanda de editorial ilustrada. Colección 'Realismo fantástico', numero coleccion(54). Traducción del alemán de Manuel Vázquez .. Este libro es de segunda mano y tiene o puede tener marcas y señales de su anterior propietario. 8401470544

300 pages, Paperback

First published January 1, 1973

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Rainer Erler

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Profile Image for Michael.
1,614 reviews211 followers
November 24, 2021
Gibt es UFOs wirklich?
Hinter dieser Frage steht eine philosophische, religiöse:
Wie ist es um unseren "Alleinvertretungsanspruch gegenüber der Schöpfung" bestellt?

Rainer Erlers DIE DELEGATION geht in einer Mischung aus realer Wissenschaftsreportage und fiktiven Geschehnissen diesen Fragen nach.

Den Film DIE DELEGATION habe ich irgendwann Mitte der 70er das erste Mal gesehen und war fasziniert. Er hatte mit den üblichen SF-Filmen, für die ich schwärmte, so ziemlich gar nichts gemein. Der erzähltechnische Kniff des Found Footage war mir neu und überhaupt wirkte der Film wie eine glaubwürdige Reportage auf mich. Da wird greifbar, wie das Radio-Drama WAR OF THE WORLDS von Wells 1938 - zumindest angeblich - eine Panik in den USA auslöste.

Dass der Fernsehjournalist Roczinski, selbst kein gläubiger Ufologe, seine Reportage zunächst mit deutlich ironischem Unterton beginnt und dann mit fortschreitenden Recherchen doch Zweifel an seinen Zweifeln bekommt, macht die Story auf geschickte Weise "glaubwürdig" und passte zu meiner Grundhaltung, die 20 Jahre später ein Poster im Büro von Fox Mulder auf den Punkt brachte:
I want to believe!

(Erler fiel mir in der Folge mit weiteren Filmen auf, DAS BLAUE PALAIS und vor allem FLEISCH, ein Film, der für Aufsehen und Diskussionen sorgte.)

Ebenfalls in den 70ern brachte der Fischer Verlag die SF-Taschenbuchreihe FISCHER ORBIT heraus, die qualitativ weit aus der Masse hervorstach. Hier erschien 1974 erstmals als 44. und leider zugleich auch letzter Band der Reihe Erlers DIE DELEGATION. Viele seiner Filme, so erfuhr ich nun, hatte Erler auch zu Romanen umgearbeitet.
Meine alte Ausgabe aus dieser Reihe habe ich leider nicht mehr, aber vor ein paar Jahren war dann in einem großen Stapel SF-Taschenbücher, den ich bei eBay für einen Spottpreis kaufte, DIE DELEGATION als Goldmann Taschenbuch dabei.

Ich bin ein wenig überrascht, wie gut der Roman die Jahrzehnte überstanden hat. Das Wiederlesen macht wirklich Spaß und heute fallen natürlich auch andere Aspekte des Romans ins Auge. Der Produktionsbetrieb der öffentlichen Sendeanstalten, namentlich hier des ZDF, wird von Erler mit einer ordentlichen Portion kritischer Ironie beschrieben. Da mag manche persönliche Erfahrung Einzug gehalten haben. Szenen wie das Chaos im Schneideraum mit den verbotswidrig ketterauchenden kleinen angestellten Damen, die verzweifelt einen Filmstreifen suchen, der sich schließlich um den Hals der Cutterin gewickelt unbemerkt wieder anfindet - das wirkt so lebensecht, dass ich mir vorstelle, wie Erler diese Szene mit einem Grinsen im Mundwinkel selbst miterlebt hat.
Überhaupt geizt Erler nicht mit Details und montiert unzählige Realitätssplitter in den Roman. So trifft z.B. der Erzähler (man darf ihn wohl als Alter Ego von Rainer Erler selbst annehmen) während der hektischen Live-Dreharbeiten zur DREHSCHEIBE auf den Schweizer Ratefuchs Guido Baumann:
Aber seltsame Berufe zu erraten, das ist nur sein Hobby, sozusagen ein Hobby mit Pensionsberechtigung, das kann er auch noch mit siebzig.
"Der Lembke hält noch dreißig Jahre durch, das ist kein Problem."

Oder er besucht Karl L. Veit und beschreibt dessen Haus in Wiesbaden-Schierstein.

Aber nicht nur Name=Dropping und Zitate von Wissenschaftlern zum Thema außerirdische Intelligenz erden die DELEGATION, überhaupt hat Erler viele Einwände gegen die bundesdeutschen filmproduzierenden Körperschaften öffentlichen Rechts und seine Seitenhiebe (oft ironisch und manchmal auch mehr frontal als seitlich) sitzen.

Als den Erzähler seine Recherchen nach Kanada und in die USA führen, werden Umweltzerstörung und der "American Way of Life" kritisch beleuchtet ("Ein gastfreies Land! Dem Fremden wird ein gewisses Maß an Narrenfreiheit durchaus zugestanden, sofern er nicht hierzubleiben gedenkt. Er wird vom Zwang zur Anpassung dispensiert.")
Oder die Feststellung eines jungen Studenten, der mit Blick auf die Freiheitsstatue und den Vietnamkrieg konstatiert, die USA hätten wohl so viel Freiheit exportiert, dass sie im eigenen Land nun Mangelware sei.

Parallel zu diesen Reisebeschreibungen und Interviews mit Menschen, die UFOs gesehen haben wollen, wird ausführlich der 1970 aktuelle Stand der UFO-Forschung referiert.
Wer DIE DELEGATION zur Hand genommen hat, weil er auf eine Space Opera oder Wildwest im Weltraum gehofft hatte, sieht sich enttäuscht. Aber Erlers DELEGATION führt vor, was von SF auch zu erwarten ist: Auf der Basis gegenwärtiger Tatsachen Spekulationen darüber anzustellen, wie die Zukunft aussehen könnte. Was würde es bedeuten, wie würde es sich auswirken, wenn wir nicht die einzigen intelligenten Lebewesen (sind wir das überhaupt?) im Universum wären? Wie könnte eine Kontaktaufnahme aussehen, wer wäre als Sprecher für die Bevölkerung der Erde geeignet?

Viele Fragen, vor allem auch viel Skepsis: Das macht DIE DELAGATION auch heute lesenswert:

"Das Zeitalter des Feuers", sagte Estrella. "Wir leben noch im Zeitalter des Feuers. Unsere gesamte Technik dreht sich noch", wie er sagt, "um fossile Energie - Kohle - Öl: Reste einer versunkenen Vegetation - mehr nicht!"
"Komisch und lächerlich: Automobile, fortbewegt durch eine Folge winziger Explosionen. Selbst unsere Astronauten reiten auf einem antiken Feuerstrahl zum Mond. Feuerwerkk!
Aber neue, unerschöpfliche Energien stehen bereit, uns mit ungeahnten Geschwindigkeiten durch das All zu tragen - und Tausende von Jahren vergehen wie ein Tag."
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