Es war zweimal … so fängt keine ordentliche Geschichte an, doch dieses Buch beinhaltet auch keine ordentlichen Geschichten. Tatsächlich sind die hier versammelten Texte höchst unordentlich. Grade so, als ob jemand wert darauf gelegt hätte, die konfusesten, verwirrendsten und absurdesten Gedanken zusammenzutragen, sie in Geschichten und Gedichte zu pressen und damit eine Weltanschauung zu präsentieren, welche die Realität als solche nicht nur ablehnt, sondern sie verspottet, indem es ganz eigene Antworten auf die großen Fragen des Lebens erfindet.
Ein Buch für alle fortgeschrittenen Freunde der surrealen Literatur und des absurden Humors, das nicht nur einen neuen Schwung der bekannten und beliebten Bühnentexte von Jan Philipp Zymny enthält, sondern diese mit der Technik des begleiteten Lesens präsentiert, bei der der Rezipient „behutsam" in jedes Werk hinein und wieder heraus geführt, oder auch zwischen durch mal nach seiner allgemeinen Befindlichkeit gefragt wird.
Schauen Sie, das klingt jetzt alles sehr verwirrend … weil es das ist … aber schlagen Sie doch einfach irgendeine Seite auf, picken sich willkürlich einen Satz heraus, lesen ihn zur Hälfte und bilden sich dann auf Basis dessen ein Urteil.
Jan Philipp Zymny ist im Jahre 2013 zum deutschsprachigen Meister des Poetry Slam gekürt worden und das zu recht. Durch YouTube und Nightwash bin ich zufällig auf den chaotischen und leicht verrückten jungen Mann aufmerksam geworden. Obwohl ich gerade seine Texte eher Live empfehlen würde, sind seine Bücher für Fans wie mich oder Experimentierfreudige genau das richtige. Gerade in diesem Buch tobt er sich wieder aus. Zymny beschäftigt sich dort mit den Fragen nach dem Leben, der Liebe, dem Zusammenleben der Menschen und noch vielem mehr. Er macht das, in seiner ganz eigenen Art und Weise, die anfangs sehr verwirrend sein kann, am Ende aber manchmal vielleicht auch Sinn ergibt. Am besten zu erklären ist das eigentlich mit dem schön gestalteten Klappentext auf dem Rücken des Buches. Dort gibt zum Beispiel ein Krankenwagen mit den Worten "Lalülala! Lalülala! Lalülala!" seine Meinung zu Zymnys neuem Buch ab. Und ich kann ihm da wirklich nur zustimmen. Aber trotz des ganzen Schwachsinns der jetzt zu vermuten ist, spricht er auch das ein oder andere harte Thema an, setzt sich in seinem Slam 'Ich bin müde' sogar mit der derzeit sehr aktuellen Flüchtlingspolitik auseinander, aber eben auf eine sehr lustige Art über die man einfach lachen muss! Ob nun die Fragen, die im Laufe des Buches so aufgeworfen werden, zum Ende hin auch wirklich alle geklärt sind, dass darf dann jeder Leser selbst entscheiden. Denn dieses Buch zwingt den Leser mit zu denken. Aber das ist meiner Meinung nach auch gut so ;)
- Fazit - Wirklich fasziniert bin ich von diesem Künstler einfach, weil er manchmal wirklich totalen Blödsinn labern kann, der dann aber irgendwie doch Sinn ergibt und witzig ist. Im gleichen Atemzug kann er aber auch ernst sein, ernste Themen ansprechen und dem Publikum etwas wichtiges vermitteln. Manchmal fragt man sich, was für Drogen er genommen hat, um auf solche Texte zu kommen und doch möchte ich ihn in der Poetry Slam Szene nicht missen. Dieses Buch war toll und ich warte schon mit großer Vorfreude auf sein Nächstes, nur immer her damit!