Deutschland strebte mit dem Ersten Weltkrieg die Vorherrschaft im Orient an und zog dazu seinen Bündnispartner Osmanisches Reich in den Krieg hinein. Dessen Armee wurde von deutschen Militärs geleitet, die alle Armenier im Land als Spione und Verräter ansahen, da diese angeblich mit dem russischen Feind kollaborierten. Aus der eingeleiteten Umsiedlung der armenischen Bevölkerung in Richtung syrische Wüste wurde von türkischer Seite schnell ein Völkermord. Ihm fielen mehr als eine Million Menschen zum Opfer, was die deutsche Regierung als »hart, aber nützlich« akzeptierte. Bedenken von Diplomaten und Kirchenvertretern wurden beiseite gewischt. Jürgen Gottschlich ist an die Orte der damaligen Ereignisse gereist, hat Nachkommen der betroffenen Familien befragt sowie deutsche und türkische Archive durchforscht. Entstanden ist eine spannende historische Reportage, die die ganze Dimension der deutschen Verstrickung in den Genozid offenlegt und die Auseinandersetzungen um dieses umstrittene Geschehen bis in die Gegenwart verfolgt.
absolut zu empfehlen, wenn man sich in die thematik einarbeiten will. in bildhaftem, journalistischem stil umreißt dieses buch die deutsche verwicklung in den völkermord an den armeniern von der orient-politik des 19. jahrhunderts bis zum halbgaren presse-statement 2016. alle standardwerke und historikerstimmen finden raum, jede wichtige deutsche persönlichkeit wird in ihrer klarheit oder ambivalenz skizziert.
das deutsche reich hatte ein imperiales interesse an der vertuschung, duldung und sogar ausführung des armenozids. genauso groß war das interesse an der leugnung danach, was die quellenlage kompliziert macht. wer sich darauf einlassen will, ist hiermit optimal beraten.