Komisch, grotesk, hellsichtig und voll schwarzem Humor und Melancholie erzählt Marjana Gaponenko in ihrem neuen Roman vom bösen Erwachen eines modernen Taugenichts, der auf drastische Weise einige hilfreiche Lektionen fürs Leben lernt. Kaspar, ein verwöhnter junger Mann in der guten Wiener Gesellschaft, studiert etwas ziellos vor sich hin und scheint von den Menschen, insbesondere den Frauen um ihn, weniger zu verstehen als von den Ponys, die sein wohlhabender Vater sammelt. Der Vater Adam, ein aus Polen stammender Ingenieur und Selfmademan, verehrt Pferdekutschen und Kutschpferde und liefert sich mit dem einzigen Sohn ein verhängnisvolles Rennen.
Marjana Gaponenko wurde 1981 in Odessa geboren und studierte dort Germanistik. Nach Stationen in Krakau und Dublin lebt sie heute in Mainz und Wien. Sie schreibt seit ihrem sechzehnten Lebensjahr auf Deutsch und veröffentlichte u. a. die Romane «Wer ist Martha?» (2012), «Das letzte Rennen» (2016) und «Der Dorfgescheite» (2018). Sie wurde mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem österreichischen Literaturpreis Alpha und dem Martha-Saalfeld-Förderpreis ausgezeichnet.
*3,5 "Das letzte Rennen" war anders als erwartet. Aus dem Klappentext schloss ich, dass es sich hierbei um die Geschichte eines Taugenichts handeln würde, der einen Schicksalsschlag erleidet, der ihn dazu führen würde seine Ansichten auf das Leben zu ändern. Zwar erlitt Kaspar mehrere solcher Schicksalsschläge, jedoch ist der ausschlaggebende einer, der mich als Leserin überraschte. Ich persönlich hatte mit dem durchaus privilegierten Protagonisten, welcher zu Beginn keine Sorgen zu haben scheint, kein echtes Mitleid, sondern empfand durch den humorvollen Schreibstil der Autorin vielmehr Sympathie und Verständnis. Die Sichtweise Kaspars und seiner Familie auf die eigentümliche Wiener Gesellschaft und die gezielte Distanzierung von dieser war besonders zu Beginn, als der Handlungsverlauf noch nicht erkennbar war sehr erheiternd.