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Wieso Heimat, ich wohne zur Miete
Krishna Mustafa wird von Laura verlassen, weil er seine Identität noch nicht gefunden hat. Aber wer hat das schon? Doch Krishna lässt es auf einen Versuch ankommen und zieht vorübergehend von Freiburg nach Istanbul.
Dort will er seinen Vater treffen, die Türkei kennenlernen und seine Wurzeln suchen. Ein halbes Jahr später weiß er über seine Wurzeln zwar immer noch nicht mehr, dafür aber eine ganze Menge über die Türken und die Deutschen, über Erdoğan und den Gezi-Park, über Moscheen und Starbucks, darüber, wie man mithilfe von Gebets-Apps zum guten Moslem und mithilfe des richtigen Haarschnitts zum Islamisten wird.
Ein grandios kluger und grandios komischer Roman, der Vorurteile entlarvt, Klischees bloßlegt, der viel zu sagen hat über das Leben zwischen den Kulturen – und dabei ungeheuren Spaß macht.
Dort will er seinen Vater treffen, die Türkei kennenlernen und seine Wurzeln suchen. Ein halbes Jahr später weiß er über seine Wurzeln zwar immer noch nicht mehr, dafür aber eine ganze Menge über die Türken und die Deutschen, über Erdoğan und den Gezi-Park, über Moscheen und Starbucks, darüber, wie man mithilfe von Gebets-Apps zum guten Moslem und mithilfe des richtigen Haarschnitts zum Islamisten wird.
Ein grandios kluger und grandios komischer Roman, der Vorurteile entlarvt, Klischees bloßlegt, der viel zu sagen hat über das Leben zwischen den Kulturen – und dabei ungeheuren Spaß macht.
245 pages, Hardcover
Published February 12, 2016
About the author
Selim Özdogan
66 books39 followersSelim Özdoğan (1971 in Köln-Mülheim geboren) ist ein türkischstämmiger deutscher Schriftsteller.
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Community Reviews
Displaying 1 - 17 of 17 reviews
January 11, 2016
Krishna Mustafa wird von Laura verlassen, weil er seine Identität noch nicht gefunden hat. Aber wer hat das schon? Doch Krishna lässt es auf einen Versuch ankommen und zieht vorübergehend von Freiburg nach Istanbul.
Dort will er seinen Vater treffen, die Türkei kennenlernen und seine Wurzeln suchen. Ein halbes Jahr später weiß er über seine Wurzeln zwar immer noch nicht mehr, dafür aber eine ganze Menge über die Türken und die Deutschen, über Erdoğan und den Gezi-Park, über Moscheen und Starbucks, darüber, wie man mithilfe von Gebets-Apps zum guten Moslem und mithilfe des richtigen Haarschnitts zum Islamisten wird.
Selim Özdogans Roman ‚Wieso Heimat, ich wohne zur Miete‘ besticht durch einen sehr angenehmen Sprachstil und eine kluge, humorvolle und verständliche Sprache.
Sehr gut gefallen haben mir die Kapitelüberschriften, in denen kurz abgerissen wird, was im folgenden Kapitel passieren wird. Das kannte ich so noch nicht und es war mir eine willkommene Abwechslung.
Die fehlenden Anführungszeichen bei Dialogen haben mir das Lesen zu Beginn etwas erschwert, ich habe mich jedoch sehr schnell damit zurecht gefunden.
Auch die Darstellung der Charaktere hat mir sehr gut gefallen, sie wirkten authentisch und realitätsnah. Orte und Menschen waren bildlich beschrieben, so dass ich zu den jeweiligen Handlungen zahlreiche Bilder im Kopf hatte.
Die Stimmung des Romans ist eher humorvoll und pointiert, dennoch bin ich an einigen Stellen ins Grübeln gekommen und habe mir viele Gedanken gemacht.
Insgesamt ist ‚Wieso Heimat, ich wohne zur Miete‘ ein humorvoller und kluger Roman, der über das Leben in zwei Kulturen berichtet und dabei die gängigen Klischees aufs Korn nimmt.
Dort will er seinen Vater treffen, die Türkei kennenlernen und seine Wurzeln suchen. Ein halbes Jahr später weiß er über seine Wurzeln zwar immer noch nicht mehr, dafür aber eine ganze Menge über die Türken und die Deutschen, über Erdoğan und den Gezi-Park, über Moscheen und Starbucks, darüber, wie man mithilfe von Gebets-Apps zum guten Moslem und mithilfe des richtigen Haarschnitts zum Islamisten wird.
Selim Özdogans Roman ‚Wieso Heimat, ich wohne zur Miete‘ besticht durch einen sehr angenehmen Sprachstil und eine kluge, humorvolle und verständliche Sprache.
Sehr gut gefallen haben mir die Kapitelüberschriften, in denen kurz abgerissen wird, was im folgenden Kapitel passieren wird. Das kannte ich so noch nicht und es war mir eine willkommene Abwechslung.
Die fehlenden Anführungszeichen bei Dialogen haben mir das Lesen zu Beginn etwas erschwert, ich habe mich jedoch sehr schnell damit zurecht gefunden.
Auch die Darstellung der Charaktere hat mir sehr gut gefallen, sie wirkten authentisch und realitätsnah. Orte und Menschen waren bildlich beschrieben, so dass ich zu den jeweiligen Handlungen zahlreiche Bilder im Kopf hatte.
Die Stimmung des Romans ist eher humorvoll und pointiert, dennoch bin ich an einigen Stellen ins Grübeln gekommen und habe mir viele Gedanken gemacht.
Insgesamt ist ‚Wieso Heimat, ich wohne zur Miete‘ ein humorvoller und kluger Roman, der über das Leben in zwei Kulturen berichtet und dabei die gängigen Klischees aufs Korn nimmt.
June 27, 2016
Interessantes Buch mit einigen wirklich ironischen, trotzdem ziemlich ernsten Gedankengängen zu der Art und Weise, wie Menschen leben, wohnen, arbeiten, lieben und sich dadurch unterscheiden oder aber auch gleichen.
Es zieht sich manchmal etwas aber immer bleibt da der Schelm Krishna Mustafa, der mich dann doch wieder mit auf seiner Reise der Identitätsfindung mitgenommen hat.
Das Leben in der Türkei verglichen mit dem in Deutschland oder auch andersrum, wird hier herrlich auseinandergenommen und ziemlich witzig wieder zusammen gesetzt.
Es zieht sich manchmal etwas aber immer bleibt da der Schelm Krishna Mustafa, der mich dann doch wieder mit auf seiner Reise der Identitätsfindung mitgenommen hat.
Das Leben in der Türkei verglichen mit dem in Deutschland oder auch andersrum, wird hier herrlich auseinandergenommen und ziemlich witzig wieder zusammen gesetzt.
February 12, 2016
das cover hat mir nichts gesagt. die erzählung vom kennen lernen war interessant und die anfangs zeit von krishna ist auch für den leser verwirrend. ich selber könnte mir vorstellen das buch mal durchzulesen hab aber nicht die begeisterung in mir wie bei anderen büchern. es gibt bestimmt menschen die sich gut in das buch einfinden können da es recht locker geschrieben ist. in den text kam ich jedenfalls gut rein und konnte auch noch pausen machen. vieleicht wird das buch an sich noch besser. die verwirrung von krishna ist greifbar in den zeilen zu finden. sein vater ist für mich nur schwer zu greifen da er es nicht schaft seinen sohn wirklich in den richtigen starbucks zu lotsen. Leider hat das buch mich nicht mehr fesseln können ich bin volkommen verwirrt von dem text der sich als zu philosophisch erwiesen hat. krischna mustafas such nach seinen wurzeln ist für mich ein zu großes dureinander und seine zeit in istanbul zu sehr auf der basis der waldorfschulpädagogik beschrieben. das buch kann interessant sein ist für mich aber zu hoch. die einzelnen figuren agieren für mich getrennt von einander aber sie kommen in keiner szene zusammen. sie stehen beieinander doch in getrennten welten.
April 23, 2017
stay tuned for a sugar beet field trip!
August 25, 2026
Es ist so witzig, Leute. Ich hab wirklich so viel gelacht. Krishna Mustafa (der so heißt, weil sein Vater Türke ist und seine Mutter spirituelle Deutsche, obsessed mit dem Buddhismus) ist auf der Suche nach seiner Identität zwischen Deutschland und Türkei. Trotzdem zwischendurch politisch und auch süß.
Die Kapitel mit dem einäugigen Blinden hab ich nicht gecheckt, es ist grundsätzlich einfach nur Quatsch rin Kapitel lang, lustig, aber I didn‘t get it.
1 Stern Abzug für das N-Wort, das einfach kontextlos in einem besoffenen Lied gedroppt wird, war jetzt eher ein Witz, aber halt unnötig (?!)
„Die Menschen wollen sich entscheiden. Und vielleicht ist das mit der Identität auch so. Die Menschen wollen sich für eine entscheiden, eine, die sie nicht im Stich lässt, die zuverlässig ist, an der sie sich gut festhalten können, eine, die im Winter warm hält und im Sommer kühlt, die einen guten CO,-Fußabdruck hat, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine, die fair gehandelt ist, ökologisch ver-tretbar, die gut zu ihren übrigen Klamotten passt und die Umwelt nicht verpestet. Sie wollen nicht irgendei-ne, das ist ihnen zu wenig, davon werden sie nicht satt.
Dabei ist es völlig egal, was man sich aussucht, denn hinterher entscheiden die anderen, ob die Wahl affig ist oder cool, langweilig oder große Literatur, türkisch oder deutsch, morgenländisch oder abendländisch, christlich oder islamisch.“
„Tanzen, sagt Esra. Du möchtest tanzen, zu der Musik, die wir sind.
Sie sieht Yunus an. Er kann die Liebe sehen, sagt sie, er kann die Liebe sehen in dem Tränengasnebel zwischen all den Knüppeln und Wasserwerfern. Er kann die Musik hören in dem Lärm und Geschrei. Nur für ihn hat sich der Film schon gelohnt. Kein Glaube gleicht der Religion der Liebe, Gezi war ein Gedicht, geschrieben von Millionen Herzen. Gedichte sind nur das Gekritzel zu der Musik, die wir sind. Wir waren alle gleich.“
„Vielleicht ist das ja Identität, sage ich. Man findet sich normal und manchmal ist man irgendwo, wo die anderen einen auch normal finden, dann muss man die Identität nicht suchen. Manchmal ist man aber irgendwo, wo die anderen einen nicht normal finden, dann sagen sie, man soll seine Identität suchen. Wahrscheinlich damit man normal wird. Dabei ist man die ganze Zeit über normal.
Aber es reicht eben nicht, wenn man nur für sich normal ist, man muss auch für die anderen normal sein.“
„Ich lache mich kaputt, Emre sieht mich nur kopfschüttelnd an. Das ist immer so. Nicht nur mit Emre. Wenn ich einen Witz mache, lacht keiner. Aber wenn ich die Wahrheit sage, dann lachen die Leute. Ich lache immer über die Witze der anderen. Auch wenn sie behaupten, sie hätten keinen gemacht. Sie machen ja doch Witze, dauernd. Sie sagen, dass sie arbeiten gehen, aber dann sitzen sie acht Stunden vor einem Monitor und schieben nur Zahlen hin und her und füllen Tabellen aus, drücken Strg v und Strg c und nennen das Arbeit. Das ist ja keine Arbeit, das ist etwas, das sie machen müssen, um Geld zu verdienen. Meine Mutter geht arbeiten, Laura geht arbeiten, Polizisten gehen arbeiten, Hase sitzt zu Hause und arbeitet, aber Yunus tippt nur auf Tasten herum. Die meisten, die nur vor Monitoren sitzen, können gar nicht mehr sehen, dass das lustig ist.“
„Es liegt Lasagne in der Luft, singen die Piloten, doch keiner kann sie hören, denn Kamikaze ist eine sterbende Kunstform. Keiner kann die Piloten hören, weil sie leise sein müssen, während sie Pstazien essen und sich wünschen, sie könnten wie Drachen auf Telefonmasten sitzen und Feuer schlucken. Wenn Perrier Schnaps wär, würden sie es trinken wie Wasser. Ein kleiner Hilfspilot schaukelt die Wiege seines Vaters, bis ihm der Kopf ab-fällt, dann geht er mit dem Kopf auf den Markt und möchte ihn gegen eine Melone eintauschen, doch die Melonen sind groß wie Erbsen und die Erbsen klein wie Melonen, beide sind grün wie die Augen deiner Mutter.“
„Mustafa, sagt sie, tu mir einen Gefallen. Das hier ist nicht Deutschland: Hab Angst. Hab vor allem Angst vor der Polizei. Pass auf dich auf, mach nicht immer das, was du richtig findest.
Ich glaube, Esra hat ein wenig Angst um mich, deswegen sagt sie das. Ich glaube, Laura hatte nie Angst um mich, sie war immer nur genervt von den Beamten. Aber mir ist ja auch noch nie etwas passiert. Es ist immer alles gut gegangen. In allen Ländern, in denen ich war.“
Die Kapitel mit dem einäugigen Blinden hab ich nicht gecheckt, es ist grundsätzlich einfach nur Quatsch rin Kapitel lang, lustig, aber I didn‘t get it.
1 Stern Abzug für das N-Wort, das einfach kontextlos in einem besoffenen Lied gedroppt wird, war jetzt eher ein Witz, aber halt unnötig (?!)
„Die Menschen wollen sich entscheiden. Und vielleicht ist das mit der Identität auch so. Die Menschen wollen sich für eine entscheiden, eine, die sie nicht im Stich lässt, die zuverlässig ist, an der sie sich gut festhalten können, eine, die im Winter warm hält und im Sommer kühlt, die einen guten CO,-Fußabdruck hat, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine, die fair gehandelt ist, ökologisch ver-tretbar, die gut zu ihren übrigen Klamotten passt und die Umwelt nicht verpestet. Sie wollen nicht irgendei-ne, das ist ihnen zu wenig, davon werden sie nicht satt.
Dabei ist es völlig egal, was man sich aussucht, denn hinterher entscheiden die anderen, ob die Wahl affig ist oder cool, langweilig oder große Literatur, türkisch oder deutsch, morgenländisch oder abendländisch, christlich oder islamisch.“
„Tanzen, sagt Esra. Du möchtest tanzen, zu der Musik, die wir sind.
Sie sieht Yunus an. Er kann die Liebe sehen, sagt sie, er kann die Liebe sehen in dem Tränengasnebel zwischen all den Knüppeln und Wasserwerfern. Er kann die Musik hören in dem Lärm und Geschrei. Nur für ihn hat sich der Film schon gelohnt. Kein Glaube gleicht der Religion der Liebe, Gezi war ein Gedicht, geschrieben von Millionen Herzen. Gedichte sind nur das Gekritzel zu der Musik, die wir sind. Wir waren alle gleich.“
„Vielleicht ist das ja Identität, sage ich. Man findet sich normal und manchmal ist man irgendwo, wo die anderen einen auch normal finden, dann muss man die Identität nicht suchen. Manchmal ist man aber irgendwo, wo die anderen einen nicht normal finden, dann sagen sie, man soll seine Identität suchen. Wahrscheinlich damit man normal wird. Dabei ist man die ganze Zeit über normal.
Aber es reicht eben nicht, wenn man nur für sich normal ist, man muss auch für die anderen normal sein.“
„Ich lache mich kaputt, Emre sieht mich nur kopfschüttelnd an. Das ist immer so. Nicht nur mit Emre. Wenn ich einen Witz mache, lacht keiner. Aber wenn ich die Wahrheit sage, dann lachen die Leute. Ich lache immer über die Witze der anderen. Auch wenn sie behaupten, sie hätten keinen gemacht. Sie machen ja doch Witze, dauernd. Sie sagen, dass sie arbeiten gehen, aber dann sitzen sie acht Stunden vor einem Monitor und schieben nur Zahlen hin und her und füllen Tabellen aus, drücken Strg v und Strg c und nennen das Arbeit. Das ist ja keine Arbeit, das ist etwas, das sie machen müssen, um Geld zu verdienen. Meine Mutter geht arbeiten, Laura geht arbeiten, Polizisten gehen arbeiten, Hase sitzt zu Hause und arbeitet, aber Yunus tippt nur auf Tasten herum. Die meisten, die nur vor Monitoren sitzen, können gar nicht mehr sehen, dass das lustig ist.“
„Es liegt Lasagne in der Luft, singen die Piloten, doch keiner kann sie hören, denn Kamikaze ist eine sterbende Kunstform. Keiner kann die Piloten hören, weil sie leise sein müssen, während sie Pstazien essen und sich wünschen, sie könnten wie Drachen auf Telefonmasten sitzen und Feuer schlucken. Wenn Perrier Schnaps wär, würden sie es trinken wie Wasser. Ein kleiner Hilfspilot schaukelt die Wiege seines Vaters, bis ihm der Kopf ab-fällt, dann geht er mit dem Kopf auf den Markt und möchte ihn gegen eine Melone eintauschen, doch die Melonen sind groß wie Erbsen und die Erbsen klein wie Melonen, beide sind grün wie die Augen deiner Mutter.“
„Mustafa, sagt sie, tu mir einen Gefallen. Das hier ist nicht Deutschland: Hab Angst. Hab vor allem Angst vor der Polizei. Pass auf dich auf, mach nicht immer das, was du richtig findest.
Ich glaube, Esra hat ein wenig Angst um mich, deswegen sagt sie das. Ich glaube, Laura hatte nie Angst um mich, sie war immer nur genervt von den Beamten. Aber mir ist ja auch noch nie etwas passiert. Es ist immer alles gut gegangen. In allen Ländern, in denen ich war.“
January 31, 2026
Krishna Mustafa hatte eigentlich ein ganz zufriedenes Leben geführt. Bis ihn seine Freundin Laura vor die Tür setzte und ihm vorwarf, er habe seine Identität noch immer nicht gefunden. Was ihn eben auch unreif für die Beziehung mache. Jetzt ist er in Istanbul, wo sein türkischer Vater mit der zweiten Ehefrau und dem gemeinsamen Nachwuchs lebt, ein Vater, den er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hatte. Als Krishna sechs Jahre alt war, bestand seine deutsche, esoterisch angehauchte Mutter auf dem Umzug nach Deutschland. Im türkischen Schulsystem wollte sie ihr Kind nicht sehen.
Praktischerweise studiert Krishnas türkischer Cousin Germanistik. Jetzt haben die beiden ihre WG-Zimmer getauscht und Krishna ist auf Identitätssuche in Istanbul. Fast schon symbolisch, dass die Verabredungen mit seinem Vater wochenlang platzen. Krishnas Türkisch wird von den Mitbewohnern belächelt, noch so ein Stück türkische Identität, an dem er arbeiten muss. Wenn die große Krise dafür Raum lässt - wieso gibt es in ganz Istanbul, womöglich in der ganzen Türkei, keine anständige Schokolade?
Selim Özdogans Roman "Wieso Heimat, ich wohne zur Miete" zeigt einen Protagonisten auf der Suche nach seinen Wurzeln und zugleich beim Entdecken der Lebenswirklichkeit der modernen Türkei zwischen Protestbewegung und einer immer autoritäreren und repressiven Gesellschaft. Da war das Istanbul seiner Kindheit noch ganz anders. Seine Mutter hatte sich nach einem Ashram-Trip auf der Rückreise von Indien verliebt - der Name Krishna kam nicht von ungefähr. Und Krishnas Vater, heute ein erfolgreicher und knallharter Geschäftsmann, dem das Dahindriften seines Erstgeborenen suspekt ist, vertickte damals Haschisch. Die Zeiten haben sich geändert.
Für ganz andere Probleme - das lässt ebenso wie das zeitliche Setting ahnen, dass das Buch schon etwas älter ist und neu aufgelegt wurde - sorgt Krishnas Umgang mit einem Interview und sozialen Medien, die plötzlich den etwas naiven Erzähler in einen Kontext rücken, der bei einigen Stellen für Alarmstimmung sorgt.
Der Kulturclash, den Krishna erlebt, wird mit einer Prise Humor geschildert. Zugleich wird der Ernst der Lage nicht ausgeklammert - einer von Krishnas Mitbewohnern und seine Freundin machen einen Film über die Proteste. Plötzlich ist die Freundin spurlos verschwunden. Die Suche nach ihr wird begleitet von der Angst vor den Sicherheitskräften. In Erdogans Türkei lebt es sich sicherer mit Opportunismus. Findet Krishna am Ende seine Identität? Auf jeden Fall gewinnt er mehr Klarheit über sein deutsches wie sein türkisches Erbe. Und einen Innenblick auf die moderne Türkei, der sich von der Touristenperspektive unterscheidet.
Praktischerweise studiert Krishnas türkischer Cousin Germanistik. Jetzt haben die beiden ihre WG-Zimmer getauscht und Krishna ist auf Identitätssuche in Istanbul. Fast schon symbolisch, dass die Verabredungen mit seinem Vater wochenlang platzen. Krishnas Türkisch wird von den Mitbewohnern belächelt, noch so ein Stück türkische Identität, an dem er arbeiten muss. Wenn die große Krise dafür Raum lässt - wieso gibt es in ganz Istanbul, womöglich in der ganzen Türkei, keine anständige Schokolade?
Selim Özdogans Roman "Wieso Heimat, ich wohne zur Miete" zeigt einen Protagonisten auf der Suche nach seinen Wurzeln und zugleich beim Entdecken der Lebenswirklichkeit der modernen Türkei zwischen Protestbewegung und einer immer autoritäreren und repressiven Gesellschaft. Da war das Istanbul seiner Kindheit noch ganz anders. Seine Mutter hatte sich nach einem Ashram-Trip auf der Rückreise von Indien verliebt - der Name Krishna kam nicht von ungefähr. Und Krishnas Vater, heute ein erfolgreicher und knallharter Geschäftsmann, dem das Dahindriften seines Erstgeborenen suspekt ist, vertickte damals Haschisch. Die Zeiten haben sich geändert.
Für ganz andere Probleme - das lässt ebenso wie das zeitliche Setting ahnen, dass das Buch schon etwas älter ist und neu aufgelegt wurde - sorgt Krishnas Umgang mit einem Interview und sozialen Medien, die plötzlich den etwas naiven Erzähler in einen Kontext rücken, der bei einigen Stellen für Alarmstimmung sorgt.
Der Kulturclash, den Krishna erlebt, wird mit einer Prise Humor geschildert. Zugleich wird der Ernst der Lage nicht ausgeklammert - einer von Krishnas Mitbewohnern und seine Freundin machen einen Film über die Proteste. Plötzlich ist die Freundin spurlos verschwunden. Die Suche nach ihr wird begleitet von der Angst vor den Sicherheitskräften. In Erdogans Türkei lebt es sich sicherer mit Opportunismus. Findet Krishna am Ende seine Identität? Auf jeden Fall gewinnt er mehr Klarheit über sein deutsches wie sein türkisches Erbe. Und einen Innenblick auf die moderne Türkei, der sich von der Touristenperspektive unterscheidet.
January 15, 2026
Zwischen Freiburg und Istanbul auf der Suche nach sich selbst
Verlassenwerden kann ein ziemlich unbequemer Anfang sein. Hier ist es der Auslöser für eine Reise, die weniger mit Kofferpacken als mit innerer Unruhe zu tun hat. Krishna Mustafa steckt fest zwischen Erwartungen, Zuschreibungen und der Frage, wer oder was man eigentlich sein soll. Nicht dramatisch, nicht pathetisch, sondern eher tastend und suchend.
Der Ortswechsel nach Istanbul fühlt sich anfangs wie ein Befreiungsschlag an. Neue Straßen, neue Stimmen, neue Rhythmen. Die Stadt wirkt lebendig, laut und widersprüchlich, genau wie Krishna selbst. Moscheen stehen neben Starbucks, politische Gespräche neben Alltagsbeobachtungen, und immer wieder schiebt sich ein feiner Humor dazwischen, der hängen bleibt.
Der Roman erzählt bewusst nicht in großen Bögen. Es sind Begegnungen, Gespräche und kleine Beobachtungen, die sich nach und nach zusammenfügen. Gerade das wirkt glaubwürdig. Wer klare Antworten erwartet, wird sie hier nicht finden. Wer jedoch wissen möchte, wie sich dieses Leben zwischen den Welten anfühlen kann, bekommt ein sehr stimmiges Bild.
Besonders überzeugend ist der Ton. Leicht, manchmal frech, oft sehr genau. Klischees werden benannt, gelegentlich überspitzt und dann wieder still entlarvt. Politische Themen wie Erdoğan oder der Gezi Park tauchen auf und fügen sich selbstverständlich in den geschilderten Alltag ein. Sie stehen nicht im Mittelpunkt, sind aber spürbar präsent, so wie im echten Leben.
Beim Lesen stellt sich immer wieder dieses leise Erkennen ein. Nicht weil alles vertraut wäre, sondern weil Unsicherheit, Neugier und das Nicht-Ankommen erstaunlich nah wirken. Die Suche nach guter Schokolade, Gespräche mit Verwandten und flüchtige Eindrücke aus dem Stadtleben sind keine Nebensachen, sondern tragen die Geschichte.
Am Ende bleibt kein fertiges Selbstbild. Und genau das passt zu diesem Roman. Die Reise liefert keine Lösung, aber eine ehrliche Annäherung an die eigene Zerrissenheit. Das wirkt klug, menschlich und angenehm unaufgeregt.
Vier Sterne für einen Roman, der leicht erzählt ist, fein beobachtet und noch nachwirkt, gerade weil er offen bleibt.
Verlassenwerden kann ein ziemlich unbequemer Anfang sein. Hier ist es der Auslöser für eine Reise, die weniger mit Kofferpacken als mit innerer Unruhe zu tun hat. Krishna Mustafa steckt fest zwischen Erwartungen, Zuschreibungen und der Frage, wer oder was man eigentlich sein soll. Nicht dramatisch, nicht pathetisch, sondern eher tastend und suchend.
Der Ortswechsel nach Istanbul fühlt sich anfangs wie ein Befreiungsschlag an. Neue Straßen, neue Stimmen, neue Rhythmen. Die Stadt wirkt lebendig, laut und widersprüchlich, genau wie Krishna selbst. Moscheen stehen neben Starbucks, politische Gespräche neben Alltagsbeobachtungen, und immer wieder schiebt sich ein feiner Humor dazwischen, der hängen bleibt.
Der Roman erzählt bewusst nicht in großen Bögen. Es sind Begegnungen, Gespräche und kleine Beobachtungen, die sich nach und nach zusammenfügen. Gerade das wirkt glaubwürdig. Wer klare Antworten erwartet, wird sie hier nicht finden. Wer jedoch wissen möchte, wie sich dieses Leben zwischen den Welten anfühlen kann, bekommt ein sehr stimmiges Bild.
Besonders überzeugend ist der Ton. Leicht, manchmal frech, oft sehr genau. Klischees werden benannt, gelegentlich überspitzt und dann wieder still entlarvt. Politische Themen wie Erdoğan oder der Gezi Park tauchen auf und fügen sich selbstverständlich in den geschilderten Alltag ein. Sie stehen nicht im Mittelpunkt, sind aber spürbar präsent, so wie im echten Leben.
Beim Lesen stellt sich immer wieder dieses leise Erkennen ein. Nicht weil alles vertraut wäre, sondern weil Unsicherheit, Neugier und das Nicht-Ankommen erstaunlich nah wirken. Die Suche nach guter Schokolade, Gespräche mit Verwandten und flüchtige Eindrücke aus dem Stadtleben sind keine Nebensachen, sondern tragen die Geschichte.
Am Ende bleibt kein fertiges Selbstbild. Und genau das passt zu diesem Roman. Die Reise liefert keine Lösung, aber eine ehrliche Annäherung an die eigene Zerrissenheit. Das wirkt klug, menschlich und angenehm unaufgeregt.
Vier Sterne für einen Roman, der leicht erzählt ist, fein beobachtet und noch nachwirkt, gerade weil er offen bleibt.
September 18, 2023
Krishna Mustafa reist für ein halbes Jahr in seine Heimat Türkei, um seine Identität zu finden und seine (Ex)Freundin Laura zurückzugewinnen. Doch was ist Identität und wie findet man sie? Chaos ist vorprogrammiert, denn mit seinem mäßigen Türkisch, seinen Dreadlocks und seiner Vorliebe, alles in Frage zu stellen, stolpert Krishna Mustafa von einem Missverständnis ins andere.
Selim Özdogan lässt uns das internationale Durcheinander, durch seinen treffenden und manchmal philosophischen Schreibtstil, hautnah miterleben und regt zusätzlich auch zum Nachdenken an. Krishna’s Reise in seine Heimat (und zu sich selbst) habe ich mit Vergnügen mitverfolgt. Absolut lustig, manchmal ein bisschen politisch inkorrekt und durchgehend unterhaltsam.
Selim Özdogan lässt uns das internationale Durcheinander, durch seinen treffenden und manchmal philosophischen Schreibtstil, hautnah miterleben und regt zusätzlich auch zum Nachdenken an. Krishna’s Reise in seine Heimat (und zu sich selbst) habe ich mit Vergnügen mitverfolgt. Absolut lustig, manchmal ein bisschen politisch inkorrekt und durchgehend unterhaltsam.
January 7, 2026
Vom Klappentext her, hat mir das Buch zugesagt, aber leider bin ich mit dem Schreibstil überhaupt nicht warm geworden und habe das Buch nach 30 % abgebrochen. Der Erzähler berichtet von seinen Erlebnissen in Istanbul, wohin er gereist ist, um seine Wurzeln zu finden. Leider tut er dies in relativ unzusammenhängend und konfus, er springt in seinen Gedanken von hier nach da und es werden immer wieder Personen erwähnt, aber oft nicht, um wen es sich dabei handelt oder in welcher Beziehung sie zum Erzähler stehen. Ich fand es sehr anstrengend zu lesen. Es war also leider nichts für mich.
Ich habe eine Leseexemplar über netgalley.de erhalten und schreibe diese Rezension freiwillig.
Ich habe eine Leseexemplar über netgalley.de erhalten und schreibe diese Rezension freiwillig.
January 10, 2026
von diesem buch hab ich mir viel mehr versprochen. es gab zwar ein paar Infos zur Kultur und zu den menschen, sowie hintergründe sind erklärt worden, aber alles in allem war es nicht wirklich gut zu lesen und hatte zahlreiche längen. schade, weiterempfehlen kann ich dieses buch leider nicht guten gewissens, selbst wenn es auch einige interessante Aspekte hatte.
February 4, 2016
Der halb deutsche (mütterlicherseits) und halb türkische (väterlicherseits) junge Krishna Mustafa bekommt von seiner Freundin den Satz und damit auch ihre Beziehung „Du hast Deine Identität noch nicht gefunden!“ um die Ohren gehauen. Doch anstatt dieser schnippischen Freundin die kalte Schulter zu zeigen, möchte Krishna nun tatsächlich seine Wurzeln kennen lernen. Kurz entschlossen tauscht er für ein halbes Jahr sein WG-Zimmer in Freiburg mit dem seines Cousins in Istanbul. Eine aufregende Zeit in eine neue Welt beginnt ...
Bereits nach den ersten Seiten habe ich mich in diesen einzigartigen und neuartigen Erzählstil des Autoren verliebt. Selim Özdoğan schreibt modern in frecher, dynamischer Sprache mit einem Schuss Humor. Die Geschichte zu Beginn des Buches um das Kennenlernen Krishnas Eltern, Maria und Recep, ist bereits fesselnd, einfühlsam und gefühlvoll. Auf jeden Fall möchte ich als Leserin sofort wissen, wie es Krishna ergeht, welche Erfahrungen er macht, ob er erkennen wird, was Heimat bedeutet. Welche Unterschiede in den Lebensweisen der Türkei und Deutschland er kennen lernen wird und ob er sich selbst finden wird. Auf all diese Fragen bekomme ich alsbald Antworten, denn der Autor schreibt in einem flotten Schreibstil, der mich verleitet, keine Pausen einzulegen. In kurzen Geschichten, die zum Teil voller Poesie anmuten, erfahre ich viel über das Leben in der Türkei; den Aufbruch zur Demokratie, in dem sich die junge Bevölkerung befindet; die Geschichte des Landes; vielleicht auch etwas Klischee und Vorurteile – aber alles in allem ein packender Mix. Der Autor Selim Özdoğan selbst wuchs zweisprachig auf. Nach dem Abitur studierte er Völkerkunde, Anglistik und Philosophie, brach sein Studium jedoch ab. Seit 1995 ist er als Autor tätig und hat bereits zahlreiche Werke veröffentlicht.
Von Herzen gerne vergebe ich diesem besonderen Buch wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und möchte es weiter empfehlen an Leser, die neugierig sind, einer anderen Kultur zu begegnen und diese zu verstehen.
Bereits nach den ersten Seiten habe ich mich in diesen einzigartigen und neuartigen Erzählstil des Autoren verliebt. Selim Özdoğan schreibt modern in frecher, dynamischer Sprache mit einem Schuss Humor. Die Geschichte zu Beginn des Buches um das Kennenlernen Krishnas Eltern, Maria und Recep, ist bereits fesselnd, einfühlsam und gefühlvoll. Auf jeden Fall möchte ich als Leserin sofort wissen, wie es Krishna ergeht, welche Erfahrungen er macht, ob er erkennen wird, was Heimat bedeutet. Welche Unterschiede in den Lebensweisen der Türkei und Deutschland er kennen lernen wird und ob er sich selbst finden wird. Auf all diese Fragen bekomme ich alsbald Antworten, denn der Autor schreibt in einem flotten Schreibstil, der mich verleitet, keine Pausen einzulegen. In kurzen Geschichten, die zum Teil voller Poesie anmuten, erfahre ich viel über das Leben in der Türkei; den Aufbruch zur Demokratie, in dem sich die junge Bevölkerung befindet; die Geschichte des Landes; vielleicht auch etwas Klischee und Vorurteile – aber alles in allem ein packender Mix. Der Autor Selim Özdoğan selbst wuchs zweisprachig auf. Nach dem Abitur studierte er Völkerkunde, Anglistik und Philosophie, brach sein Studium jedoch ab. Seit 1995 ist er als Autor tätig und hat bereits zahlreiche Werke veröffentlicht.
Von Herzen gerne vergebe ich diesem besonderen Buch wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und möchte es weiter empfehlen an Leser, die neugierig sind, einer anderen Kultur zu begegnen und diese zu verstehen.
February 24, 2016
Krishna Mustafa ist der Sohn von Maria und Recep, Deutschtürke, der für ein halbes Jahr nach Istanbul geht, um den Liebeskummer zu vergessen und seinen Vater und seine Identität zu finden.
30 Kapitel lang erzählt Ödzdogan die Geschichte von Krishnas Zeit in Istanbul, erzählt von den Unterschieden zwischen Deutschen und den Türken, von den Menschen, die genau dazwischen sind, Istanbul, einer lebendigen und pulsierenden Stadt und eben von genau der Frage nach der Identität eines jeden Einzelnen.
Dabei erinnert er von der Form an Erich Kästner, jedes Kapitel hat eine Überschrift, die eine Ouvertüre ist und das gesamte Kapitel zusammenfasst. Krishna erinnert an den shakespeareschen Narr, der naiv und fasst einfältig durch sein Leben streift und genau dadurch allen anderen, aber besonders dem Leser seine eigenen Vorurteile und Verhaltensweisen spiegelt. Das macht er aber in so einer extremen Art, dass Krishna Mustafa als Figur sehr unrealistisch wird. Wie ein Herr Keuner oder ein Eulenspiegel. Was den Erkenntnissen und den Gedanken nicht schadet.
Überhaupt ist der gesamte Roman eher eine Sammlung toller Ideen, Gedankengänge und unterschreichenswürdiger Sätze, aber weniger eine ereignisreiche Geschichte. Natürlich passieren Dinge. Aber in welcher Reihenfolge sie passieren, spielt kaum eine Rolle. Wieso Heimat, ich wohne zur Miete liest sich mehr wie eine Reihe von Anekdoten mit dem gleichen Protagonisten, denn wie ein Roman mit einer großen Handlung und einem überraschenden Twist am Ende. Aber auch das ist in Ordnung. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, habe Neues gelernt, habe Krishna Mustafa (oder Selim Özdogan?) oft Recht gegeben und freue mich darauf, endlich mal Istanbul zu besuchen.
30 Kapitel lang erzählt Ödzdogan die Geschichte von Krishnas Zeit in Istanbul, erzählt von den Unterschieden zwischen Deutschen und den Türken, von den Menschen, die genau dazwischen sind, Istanbul, einer lebendigen und pulsierenden Stadt und eben von genau der Frage nach der Identität eines jeden Einzelnen.
Dabei erinnert er von der Form an Erich Kästner, jedes Kapitel hat eine Überschrift, die eine Ouvertüre ist und das gesamte Kapitel zusammenfasst. Krishna erinnert an den shakespeareschen Narr, der naiv und fasst einfältig durch sein Leben streift und genau dadurch allen anderen, aber besonders dem Leser seine eigenen Vorurteile und Verhaltensweisen spiegelt. Das macht er aber in so einer extremen Art, dass Krishna Mustafa als Figur sehr unrealistisch wird. Wie ein Herr Keuner oder ein Eulenspiegel. Was den Erkenntnissen und den Gedanken nicht schadet.
Überhaupt ist der gesamte Roman eher eine Sammlung toller Ideen, Gedankengänge und unterschreichenswürdiger Sätze, aber weniger eine ereignisreiche Geschichte. Natürlich passieren Dinge. Aber in welcher Reihenfolge sie passieren, spielt kaum eine Rolle. Wieso Heimat, ich wohne zur Miete liest sich mehr wie eine Reihe von Anekdoten mit dem gleichen Protagonisten, denn wie ein Roman mit einer großen Handlung und einem überraschenden Twist am Ende. Aber auch das ist in Ordnung. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, habe Neues gelernt, habe Krishna Mustafa (oder Selim Özdogan?) oft Recht gegeben und freue mich darauf, endlich mal Istanbul zu besuchen.
February 13, 2016
Nachdem ihn seine Freundin mit der Begründung, dass er seine Identität nicht kenne, verlassen hat, macht sich Krishna Mustafa auf die Suche selbiger. Als Kind einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters ist er in beiden Ländern und mit beiden Kulturen aufgewachsen, doch nach Jahren in Freiburg scheint ihm einige Zeit in Istanbul sinnvoll. Sein Auslandssemester wird für den Studenten zu einer Entdeckungsreise in ein Land, das er weitaus weniger kennt als er dachte.
Selim Özdogan gelingt es, sich einer ihm bekannten Kultur und Land mit einem naiv distanzierten Blick zu nähern wie wir als Leser dies tun würden. Offen und unvoreingenommen begegnet sein Protagonist den Menschen und der Kultur, kann sich wundern, neue Erfahrungen machen und Vergleiche ziehen. Wobei es hier nicht um einen Wettkampf und die Frage, welches das „bessere“ Land ist geht. Im Gegenteil, obwohl die Handlung quasi ausschließlich in der Türkei spielt, wird doch auch Deutschland durch die Spiegelung beleuchtet und es bleibt eine offene Frage. Was ihm sicher gelingt, ist ein Fenster in das Innere zu öffnen, wodurch man sieht, das eben nicht alles pauschal so passt, wie wir es aus den Medien vermittelt bekommen, insbesondere bezogen auf Erdogan und seine Unterstützung in der Bevölkerung. Was beim Lesen besonders gefällt, ist der humorvolle Schreibstil, der locker durch die episodenhafte Handlung trägt und allein schon sehr viel Unterhaltung bietet.
Selim Özdogan gelingt es, sich einer ihm bekannten Kultur und Land mit einem naiv distanzierten Blick zu nähern wie wir als Leser dies tun würden. Offen und unvoreingenommen begegnet sein Protagonist den Menschen und der Kultur, kann sich wundern, neue Erfahrungen machen und Vergleiche ziehen. Wobei es hier nicht um einen Wettkampf und die Frage, welches das „bessere“ Land ist geht. Im Gegenteil, obwohl die Handlung quasi ausschließlich in der Türkei spielt, wird doch auch Deutschland durch die Spiegelung beleuchtet und es bleibt eine offene Frage. Was ihm sicher gelingt, ist ein Fenster in das Innere zu öffnen, wodurch man sieht, das eben nicht alles pauschal so passt, wie wir es aus den Medien vermittelt bekommen, insbesondere bezogen auf Erdogan und seine Unterstützung in der Bevölkerung. Was beim Lesen besonders gefällt, ist der humorvolle Schreibstil, der locker durch die episodenhafte Handlung trägt und allein schon sehr viel Unterhaltung bietet.
April 17, 2018
"Ich kenne das, sage ich. Ich muss auch immer erklären, warum ich nicht trinke" (Seite 142)
.. und allein für die Seite, die darauf folgt, lohnt es schon, das ganze Buch zu lesen (soll nicht heißen, dass es nicht noch andere lesenswerte Passagen gibt).
Eine Empfehlung auch für alle Lehrer, die ihre Schülern nicht mit dem Abschreckungs-Holzhammer (z.B. "Radikal") gegen Rechtsradikalismus "impfen" wollen (was sowieso nicht klappt, sensible Schüler schreckt man so vom Lesen ab und bei aggressiven Charakteren weckt man damit gerade recht das Interesse), sondern einfach - und auf lockere Weise - eine andere Perspektive und einen Blickwinkel zeigen wollen, der Phrasen und immer wieder nachgeplappertes in Frage stellt.
Zugegeben, das Buch hat Längen, aber die in Kauf zu nehmen lohnt sich wegen der wirklich tollen Passagen allemal!
.. und allein für die Seite, die darauf folgt, lohnt es schon, das ganze Buch zu lesen (soll nicht heißen, dass es nicht noch andere lesenswerte Passagen gibt).
Eine Empfehlung auch für alle Lehrer, die ihre Schülern nicht mit dem Abschreckungs-Holzhammer (z.B. "Radikal") gegen Rechtsradikalismus "impfen" wollen (was sowieso nicht klappt, sensible Schüler schreckt man so vom Lesen ab und bei aggressiven Charakteren weckt man damit gerade recht das Interesse), sondern einfach - und auf lockere Weise - eine andere Perspektive und einen Blickwinkel zeigen wollen, der Phrasen und immer wieder nachgeplappertes in Frage stellt.
Zugegeben, das Buch hat Längen, aber die in Kauf zu nehmen lohnt sich wegen der wirklich tollen Passagen allemal!
August 27, 2016
Höchst intelligent, witzig und sprachgewandt verhandelt Özdogan in diesem Roman die Themen nationale Zugehörigkeit, Islam-Christentum, Religion/Gläubigkeit/Spiritualität und packt dazu ein wenig Kapitalismusbetrachtung und aktuelle türkische Politik. Was jetzt wie die widerlegende Wollmilchsau der Literatur wirkt ist ein spritzig geschriebener Roman rund um den Protagonisten Krishna Mustafa, deutsch/türkischer Mischbeziehungssohn, der auf der Suche nach seiner Identität 6 Monate in Istanbul verbringt und dort in die Stadtzeitgeschichte eintaucht.
July 25, 2016
verfrissend, grappig, interessant, relevant gezien de coup in turkije, maarschappelijk. Duits probleemloos Misschien zelfs 5 sterren
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