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Siebentürmeviertel

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Wolf weiß nicht, wie ihm geschieht. Nach dem Tod seiner Mutter hat er bei seinem Vater gelebt, muss mit ihm aber nach einer Warnung vor der Gestapo plötzlich Deutschland verlassen. Es ist das Jahr 1939, und Wolf findet sich in Istanbul wieder, in der Familie von Abdullah Bey, eines ehemaligen Arbeitskollegen seines Vaters. Das Siebentürmeviertel ist einer der schillerndsten Stadtteile der Metropole, in der Religionen und Ethnien in einem spannungsreichen Nebeneinander leben. Was als vorübergehende Maßnahme gedacht war, wird zu einer Dauerlösung, und Wolf muss sich zurechtfinden in diesem überwältigenden Kosmos. Er wird von Abdullah Bey an Sohnes statt angenommen, besucht die Schule und erobert sich seine Stellung unter den Jugendlichen des Viertels. Als er langsam zu begreifen beginnt, welche Rolle Abdullah Bey wirklich spielt, gerät er in große Gefahr. Nach »Leyla«, dem Bestseller über den Weg einer jungen Türkin von Anatolien ins Deutschland der 60er-Jahre, wendet sich Feridun Zaimoglu wieder der Türkei zu und greift dabei die deutsche Emigration auf. Mit großer Sprachkraft und Poesie führt er den Leser in eine Welt, in der Kulturen und Religionen, aber vor allem menschliche Leidenschaften und Sehnsüchte aufeinanderprallen.

800 pages, Hardcover

First published August 17, 2015

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About the author

Feridun Zaimoglu

45 books37 followers
Born in Turkey, Zaimoglu migrated with his parents to Germany in 1965. He is a poet and visual artist, and his central themes are the problems of the second and third generation of Turkish immigrants to Germany.

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Community Reviews

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1 star
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Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for nettebuecherkiste.
688 reviews181 followers
August 31, 2016
Wolf ist sechs Jahre alt, als sein Vater mit ihm 1939 vor den Nazis nach Istanbul flieht. Sie wohnen bei der Familie von Abdullah Bey, einem einflussreichen Bewohner des Siebentürmeviertels, in dem Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen leben. Wolf lebt sich schnell ein und obwohl viele ihn „Arier“ oder „Hitlersohn“ nennen, fühlt er sich dem Siebentürmeviertel bald stärker verbunden als seiner deutschen Heimat.

Nein, es war kein Coverkauf, auch wenn ich das Cover für mich persönlich zum schönsten des Jahres 2015 erkoren habe. Eine umgekehrte Migration, Deutsche, die in die Türkei auswandern, im Jahr 1939? Das klingt definitiv spannend. Und tatsächlich ist das Buch sehr interessant. Auf nahezu 800 Seiten entführt uns Feridun Zaimoglu in eine exotische Welt, geprägt von Konflikten bezüglich der Religion und Herkunft der Bewohner, Blutrache und Familienehre. Ich hatte Probleme, mich in diese Denkweise einzufinden, die auch der junge Wolf bald übernimmt. Daher viel mir die Lektüre des Buches nicht ganz leicht, sie war etwas mühsam. Es war auch etwas schwierig, den Überblick über die zahlreichen Nebencharaktere, ihre Eigenschaften, ihre Herkunft und ihre Familienverhältnisse zu behalten, ohne das Personenverzeichnis am Ende wäre ich verloren gewesen, obwohl ich normalerweise selten Probleme mit einer großen Zahl von Charakteren habe. Die Erzählweise ist eher episodenhaft, es gibt zwar einen roten Faden, der jedoch relativ spät einsetzt und nicht sehr stark ausgeprägt ist. Die Sprache ist sehr variabel, trägt passagenweise Züge eines Prosagedichtes, da des Öfteren aus dem Werk eines fiktiven Dichters zitiert wird. Dies erschwert die Lektüre insbesondere kombiniert mit dem Fehlen von Anführungszeichen, das es manchmal schwierig macht, den jeweiligen Sprecher zu identifizieren. (Können wir bitte wieder Anführungszeichen in der Hochliteratur einführen? Welchen Sinn soll das Weglassen eigentlich haben, entgeht mir da was?) Auch die ganze Thematik um Ehre und Rache prägt die Sprache des Buches, die Wortwahl der Charaktere. Mehr als einmal fand ich es schwer zu glauben, dass ein Kind sich wirklich so verschnörkelt ausdrücken würde, auch wenn die Sätze sprachlich sicherlich wunderschön sind. („Du bist kalt wie ein Grabstein im Regen“ (Seite 67), „… Soll ich mich in den Brunnenschacht stürzen, in die tiefe Grube, sollst du, Bruder, weil deine Schöne ungeküsst bleibt, sollst du also deshalb die Scherbe ergreifen, soll die Scherbe dich zehn Mal beißen, ich Deutschblut, du Türkenstolz, sind wir die Brut, die das Pack jagt, was fliehen wir vor den Hyänen… (Seite 379))

Trotz dieser Aspekte, die ich als störend empfand, bin ich froh das Buch gelesen zu haben, denn seine Stärke ist es, den Leser in das bunte Treiben im Siebentürmeviertel zu versetzen, dessen besondere Kultur sehr lebendig beschrieben wird.
Profile Image for Susanne Beyer.
253 reviews3 followers
April 21, 2020
Archaisch, animalisch, brutal und oft ekelerregend plastisch. Geschrieben in einem sehr ungewöhnlichen, poetischen bis märchenhaften Stil, der mich ursprünglich in dieses Buch gezogen hat. 600 Seiten hab ich tatsächlich gelesen, die letzten 200 nur noch überflogen.
Profile Image for Pfefferoni.
24 reviews
September 23, 2020
Sehr verdichteter Schreibstil. Das ist definitiv keine ganz leichte Lektüre, thematisch aber interessant. Für meinem Geschmack leider zu lang und textlich nur schwer zugänglich.
Profile Image for Wandaviolett.
471 reviews66 followers
March 9, 2018
Orientalisch ausufernd. Genial und verrückt.
Man schreibt das Jahr 1939. Der Sozialdemokrat Franz, der Vater des sechsjährigen Jungen Wolf, macht eine kritische Bemerkung über Hitler und ist auf der Flucht. In Istanbul wird er vom Familienoberhaupt Abdullay Bey und seiner Familie gastfreundlich aufgenommen. Weil sich die erwachsene Tochter des Hauses in Franz verguckt, verlässt Franz die Gastfamilie, um sie nicht in Verruf zu bringen, da er sie nicht heiraten will und geht nach Ankara. Der Sohn bleibt bei Abdullah Bey, den er bald Vater nennt.

Der Zeitrahmen, immer gemessen an der deutschen, nicht der türkischen Politik, spannt sich bis zum Ende der Hitlerdiktatur bis hin zum Nachkriegsdeutschland. Während sich Franz in all den Jahren immer noch schwer tut mit der türkischen Mentalität, sie innerlich ablehnt und sich über sie erhebt (Türken sind Barbaren, sagt er), assimiliert sich der Junge schnell. Innerlich ist er längst ein echter Türke, doch seine Umgebung lässt ihn seine Herkunft nicht vergessen, Arier nennen sie ihn, den Jungen, der drei Väter hat, Hitler, Franz und Abdullah Bey. Trotzdem, er berappelt sich, besteht alle Mutproben, gehört dazu.

Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im türkischen Bolu, der mit sechs Jahren nach Deutschland kam, dreht die Einwanderunggeschichte einfach um. Dabei lässt er Wolf eintauchen in ein vorkemalistisches Sozialgefüge von seltsamen Ehrenkodexen und Gebräuchen. Man redet in Geschichten. Niemals direkt. Wenn man jemanden rügen möchte, erzählt man dem Jungen Wolf eine Geschichte, will aber die anwesende Cousine oder Nachbarin mit der Erzählung treffen.

Es ist eine streng regulierte Männerwelt, die Bildung verachtet, auf Körperkräfte setzt und auf Selbstjustiz und Gewalt. Frauen existieren quasi nur als Körperöffnungen. Die Interaktion der Geschlechter wird daher mehr als argwöhnisch beobachtet. Mut und Ehre. Aberglauben und seltsame Rituale. Heimlichkeiten und Anisschnaps. Abschottung. Wer das komplizierte Beziehungsgeflecht unter den Menschen nicht durchschaut, macht leicht einen Fehler und muss mit Blut bezahlen.

Dabei muss man nur über die Galatabrücke gehen und fände sich in einem relativ modernen Istanbul wieder!

Zaimoglus Sprache ist aus Hauptsätzen geflochten, aus ausufernden Aufzählungen, einzelne Sätze erstrecken sich über eine ganze Seite oder mehr. Sie ist lyrisch, schön, ein seltsamer, harter melodischer Rhythmus, gerne würde man sich das Buch vorlesen lassen, es hat unbestritten Orient im Blut. Doch mit der Zeit wird man müde ob einer gewissen Monotonie.

Man muss sich einlesen in eine fremde Kultur, man braucht Geduld. Und bekommt eine Geschichte von Blut und Tränen, Ausgeliefertsein und Demütigungen, Angst und Hass, eine Gesellschaft mit strenger Hierarchie. Und Abdullah Bey ist nicht nur ein liebevolles und strenges Familienoberhaupt, er hat eine gewichtige und gefürchtete Position im Viertel inne. Und Wolf gilt als sein Sohn. Und eifert ihm nach. Gefahren überall. Selbst unter einstigen Freunden.

Als Franz nach vielen Jahren nach Deutschland zurückkehrt, muss Wolf eine letzte Entscheidung treffen: Welche Kultur ist die seine? Welchem Vater und welchem Land fühlt er sich mehr verbunden. Wo möchte er leben? Glücklich der, der eine Wahl hat. Viele haben keine! Vielleicht hatte aber auch Wolf keine echte Wahl mehr.

Der Orient mit seinen Geschichten ist ausschweifend seiner Natur nach, das ist dieser Roman auch, 200 Seiten weniger und die meisten Leser würden ihn mehr mögen. Doch die gewählte Kunstform, die das islamische Umfeld spiegelt, 99 Kapitel, die mit den 99 Namen Allahs überschrieben sind, zwingt die Länge auf. Die anekdotische Erzählart, der linearen immer einmal zuwiderlaufend, macht es dem Leser schwer, bringt aber den Orient ins Oberstübchen.

Fazit: Orient pur. Rückständigkeit. Köchelnde Lust, Mord und Totschlag, Aberglaube und Sälbchen aus seltsamen Ingredenzien, Moralkodex, Ehre und Mut.

Vorschlag: Esst Nüsse und Rosinen beim Lesen und trinkt ungesüssten Tee!

Kategorie: Longlist Deutscher Buchpreis, 2015
Verlag: KiWi, 2015
Profile Image for Sebastian Haberland.
Author 1 book4 followers
April 25, 2016
Ich muss zugeben, dass mich die Lektüre der ersten Kapitel doch sehr verwirrte.

Statt offene Fragen zu klären, wurden neue aufgeworfen. Die Kapitel erschienen mir zunächst einfach nur aneinander gereiht, ohne dass sich mir der Zusammenhang erschloss. Überhaupt erschien mir das ganze Buch eher eine Kurzgeschichten- oder Anekdotensammlung zu sein, als ein Roman.

Es dauerte etwa 150 Seiten, bis ich das Gefühl hatte, in die Geschichte rein zu kommen.

Was mich jedoch von Anfang an begeisterte war die ungewöhnliche Sprache Zaimoglus mit ihren seltsamen vergleichen und kreativen Wortpaarungen, sowie all die mir bis dahin unbekannten Sitten und Bräuche der Türkei der 1940er Jahre.

Im Endeffekt war Siebentürmeviertel ein Coming-of-Age-Roman, der mich daran teilhaben ließ, wie Wolf in einem fremden Land von einem Jungen zu einem jungen Mann heranwuchs und es trotz widriger Umstände irgendwie schaffte, sich durchzuschlagen.

Ein Roman, der mich immer wieder mit unerwarteten Wendungen überraschte. Der für mich als Leser ebenso verwirrend war, wie für den kleinen Jungen, der sich plötzlich in einer völlig fremden Welt zurecht finden musste.

Ein Roman auf den viele Adjektive zutrafen: spannend, lustig, traurig, erschreckend, melodramatisch, faszinierend. Streckenweise etwas zäh. Vor allem aber zauberhaft.

Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog.
63 reviews
February 13, 2020
Es spielt gerade vor den zweiten WeltKrieg bis danach. Ein Bub, eher Kind, wird durch sein Vater bei einem Freund gelassen um ihm zu erziehen. Dieser Freund lebt im Siebentürmeviertel wo noch eine sehr archaische Mentalität lebendig ist. Der Bub wird ein junger Mann und findet seinen eigenen Weg da.... lossgelöst von seinem Vater. Auch hier gibt es interessante Einblicke in die Mentalität und Denkweisse in Istanbul.
31 reviews
April 10, 2019
Also ich habe das buch nicht zu ende gelesen und ich sage einfach nur : es ist sehr langweilig
Es beschreibt den alltag in das leben vom jahre 1930
Na ja und da ich nur bis kapitel 2 gekommen bin finde ich es recht langweilig wie es beschrieben wird
Es ist das gleiche als wenn ich meinen 24 stunden alltag beschreibe wie "zähne putzen etc" also ich kann es nicht empfehlen !!!
Profile Image for Denise.
7,521 reviews137 followers
December 17, 2023
Just couldn't get on with the writing style. The story moving at a snail's pace didn't help.
Profile Image for Escapist.
30 reviews6 followers
April 9, 2022
You must be really tough to read this. I comes with 794 pages packed with innumerous characters. It took me some time to get acquainted to the language of the author. It is interesting though how he plays with the language.

The story is about a German teenage-refugee in Istanbul from the beginning of WW II until the end. I learned a lot about people from different nations living together in a city which is of most imortance in history. Sometimes the book enabled me to visualize persons, street views, bridges, the sea...

A little bit too much of violence and fighting. Some interesting characters, outlandish situations and dialogues.

I managed to finish this book and I am happy that I am done with now.
Profile Image for Jule.
819 reviews9 followers
December 12, 2016
Es ist schon ein gutes Buch... aber. Besonders der interessante Ausgangspunkt eines deutschen Flüchtlings in der muslimischen Welt war sehr faszinierend. Allerdings ist dieser Roman circa doppelt so lang wie er sein müsste. Die Handlung und die Charaktere drehen sich circa ab der Hälfte nur noch im Kreis und das Buch liest sich wie Kaugummi.
Profile Image for Kat.
Author 1 book22 followers
March 4, 2023
Das einzige, was an diesem Buch flüssig geschrieben ist, ist der Klappentext.
Displaying 1 - 11 of 11 reviews

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