Die Frage „Und was kommt dann?“ immer und immer wieder zu stellen, ist eine Ur-Freude, die jeder wohl schon als Kind erlebt hat: Und was kommt hinter dem allerletzten Stern? Und was ist noch kleiner als ein Atom? Und noch kleiner als ein Elektron? Was war denn vor dem Urknall? Wenn die natürlichen Zahlen unendlich sind, wieso kann es dann noch mehr Zahlen geben? Gibt es also verschieden große Unendlichkeiten? Was hat das Nichts mit dem Unendlichen zu tun?
Die Beschäftigung mit der Unendlichkeit fasziniert Wissenschaftler, Mathematiker, Philosophen, Künstler, Mystiker, die sich die Faszination für das Immer-weiter-Denken nicht haben rauben lassen. Man ahnt, dass man den Dingen nicht auf den Grund gehen kann, aber man nähert sich einer Vorstellung, die uns mehr über das Schöne verrät, über die Wahrheit, über das Zusammenspiel der Energien.
Bisweilen erscheint uns die Unendlichkeit geradezu simpel wie im Möbiusband, manchmal verstörend wie bei Torricellis Trompete oder Hilberts Hotel. Und bisweilen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich eine Handvoll Wissenschaftler mit Dingen wie der Stringtheorie beschäftigt, wofür uns nicht nur die Vorstellung fehlt (man muss dafür in elf Dimensionen denken), sondern auch die grundlegende Begrifflichkeit, die über die Annahme, dass Materie irgendwie schnurartig vorzustellen sei, hinausgeht.
Antonio Lamúa zeigt uns in diesem schön gestalteten Buch, das ehrgeizig zirka 150 Themen behandelt, wie das Denken und die Untersuchungen Richtung Unendlichkeit oft zum Kern der Sache führt oder uns an die Gültigkeitsgrenzen unserer Theorie führt. Nach dem Urknall dauerte es eine gewisse Zeit, bis die heutigen Naturgesetze galten. Diese „gewisse Zeit“ dauerte zwei Planck-Zeiteinheiten, 2x5,4x10-44 Sekunden. Eine Planck-Zeiteinheit ist die kleinste messbare Zeiteinheit.
Beim Lesen erfasste mich bisweilen Apeirophobie, einer Angst, der ein eigenes Kapitel gewidmet ist und die mir verwandt scheint mit dem Horror Vacui. Die Verzweiflung angesichts der Größe des Weltalls (die im Übrigen jede Flucht von der Erde lachhaft erscheinen lässt) löst dasselbe Gefühl aus wie die Aufgabe, sich mehrfach gekrümmte Räume vorzustellen oder den sich auflösenden Menger-Schwamm, der eine unendlich große Oberfläche umfasst und ein unendlich kleines Volumen.