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Siegfried und Krimhild: Die älteste Geschichte aus der Mitte Europas im 5. Jahrhundert notiert, teils lateinisch, teils in der Volkssprache

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Untertitel: Die älteste Geschichte aus der Mitte Europas im 5. Jahrhundert notiert, teils lateinisch, teils in der Volkssprache, ins irische Keltisch übertragen von Kilian Hilarus von Kilmacduagh im 19. Jahrhundert von John Schazman ins Englische
Ins Deutsche übersetzt, mit den wahrscheinlichsten Quellen verglichen und mit Erläuterungen versehen von Jürgen Lodemann

Rechtzeitig zur Jahrtausendwende haben die uralten Mythen der Menschheit wieder Hochkonjunktur. 2001 kam in der Anderen Bibliothek Hans Magnus Enzensbergers die Übersetzung von Die wilden Götter heraus, und Hanser legte im selben Jahr Raoul Schrotts bisweilen etwas bajuwarische, sprachgewaltige Eindeutschung des Gilgamesch-Epos nach. Nun ist bei Klett-Cotta Jürgen Lodemanns Romanfassung der ältesten deutschen Saga erschienen: Die gar schaurige Nibelungen-Mär von Liebe, Mord und Totschlag rund um Siegfried und Krimhild nämlich.

Als John J.B.B. Schazman 1848 seine englische Fassung vorstellte, da klang ihm noch das harsche Urteil Friedrichs des Großen über das althochdeutsche Epos im Ohr: "keinen Schuß Pulver" sei es wert und verdiene es nicht, "aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden". Heute ist die Geschichte vom "Mann aus dem Niederland", der Krimhild liebte, bevor Hagen ihn umbrachte, als großartiges (und blutiges) Stück Weltliteratur allgemein anerkannt. Unzählige Übersetzungen sind seither erschienen: Und trotzdem kann Lodemanns in zwanzig Jahren -- im Vergleich zwischen diversen Fassungen und "den wahrscheinlichsten Quellen" -- entstandener Roman dem geheimnisvollen Buch noch Neues abgewinnen. Dabei erscheint selbst "unsere eigene, vertrackte Gegenwart" im wortmächtigen Text "wie in einem Zauberglas" -- so hatte es Johann Schazman (in den Worten von Lodemanns kongenialer Übersetzung) bereits für das 19. Jahrhundert formuliert.

Natürlich kommt auch Lodemann auf seinem 880-seitigen Erzählmarathon nicht aus ohne einige eher unoriginelle Wortspiele ("Ich armer Ire"). Und auch die in den Originaltext eingestreuten, farbig abgesetzten Kommentare sind nicht immer wichtig für den Verlauf der Fabel (dass etwa Mauthners Lexikon der Philosophie den Begriff der "Wirklichkeit" -- im Gegensatz zu "Wahrheit" -- nicht kennt, ist für die dramatische Handlung nicht wirklich wichtig). Ansonsten aber hat der 65-jährige Autor in seinem Opus Magnum der Geschichte um Siegfried und Krimhild neues Leben eingehaucht. Opulent und überwältigend zugleich. --Stefan Kellerer

886 pages, Gebundene Ausgabe

First published January 1, 2002

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Profile Image for Otto.
765 reviews51 followers
April 30, 2023
Über das Buch von Felicitas Hoppe: Die Nibelungen, ein deutscher Stummfilm, das sich 2021 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises befand (das das mich überhaupt nicht begeistern konnte) kam ich ins Nibelungenstoffrecherchieren. Und dabei stieß ich auf diesen epischen Roman von Jürgen Lodemann.
Dieser lässt mich tief beeindruckt zurück. Genial, wie Lodemann den Stoff als allgemeingültige Geschichte über Macht, Neid, Missbrauch von Religion zur Unterdrückungsmaschinerie, Verdrehung von Wahrheiten (Tronje, das Wort für Verdrehen, das auch Hagen dann als Beiwort zugestellt bekommt) und erfolgloses Bemühen darum, die Menschen zu Selbstbewusstsein und Freiheit zu führen darstellt.
Lodemann verortet die Geschichte in das späte 5. Jahrhundert nach Christus, in dem der geschichtliche Theoderich (Dietrich von Bern) ja auch lebte. Das Christentum und seine machtvollen Würdenträger sind gerade dabei, die Macht über die Bevölkerung auszubreiten, das lustvoll freie Leben durch Sündenvokabular zu verdrängen. Siegfried wird der Held der untergehenden Freiheitsverteidiger (eigentlich ist er der letzte Überlebende und bevor es ihm gelingt, die breite Masse von der befreienden Wirkung der sexuellen und geistigen Lebenslust zu überzeugen wird er von Hagen und seinem Bischofsvetter, die die neu/alte Ordnung erhalten wollen gemeuchelt). Giselher, der jüngste der Burgunderbrüder wird als schlussendlich feiger Siegfriedvertrauter dargestellt, an seinem Nichtstun zur Verhinderung des Unterganges seines Helden geht er seelisch zugrunde. Er ist es, der in der Lodemann´schen Übertragung die Geschichte schriftlich überliefert, als Dichter und Musiker ein Künstler, der sich die Freiheit des Denkens erhalten hat. Im Gefängnis, in dem er auf seine Todesstrafe wartet, weil er den wahren Mörder Siegfrieds öffentlich gemacht hat, schreibt er die ganze Geschichte nieder.
Auf die Fahrt der sich nun Nibelungen nennenden Burgunder zur Hochzeit seiner Schwester Krimhild mit König Etzel auf der Granburg in Esztergom wird er mitgenommen. Diese allerdings beschreibt bei Lodemann Giselhers geistlicher Bruder Kilian, ein irischer Mönch, der es versteht, die jesuanische Liebeserzählung von den paulinischen Machtstrukturen frei zu halten, denn, so die Lodemann´sche Erzählung, die menschenfreundliche Erzählung des Jeschu wurde von Paulus umgeschrieben zur machthungrigen Unterdrückungsreligion.
2002 ist der Roman erschienen und er liest sich auch heute noch höchst aktuell. Für mich ist er einer der Romane, der in meinem Lesegedächtnis überdauern wird.
Profile Image for Alanya.
15 reviews1 follower
October 15, 2021
Von der Idee her interessant - eine postmoderne, linke Neufassung des Nibelungenstoffes mit einer gehörigen Portion Ruhri-Lokalkolorit. Was kann da schon schiefgehen?

Eine Menge. Das Buch zieht sich wie eine nie enden wollende Deutschstunde. Unsere Erzählstimme liebt es, über die linguistische Spitzfindigkeiten zu philosophieren und WortUngeheuer zu erfinden, dass es einem zu den Ohren wieder rauskommt. In schlimmster postmoderner Anmaßung hat man sogar die Anführungszeichen weggelassen und die GroßSchreibung mit Bedeutung aufgeladen. Der Effekt ist, dass die Handlung so ausgewalzt wird, dass man am Ende des Kapitels schon vergessen hat, wie es angefangen hat. Es mag Leute geben, die sowas lieben, aber für mich isses nix.
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