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Als John J.B.B. Schazman 1848 seine englische Fassung vorstellte, da klang ihm noch das harsche Urteil Friedrichs des Großen über das althochdeutsche Epos im Ohr: "keinen Schuß Pulver" sei es wert und verdiene es nicht, "aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden". Heute ist die Geschichte vom "Mann aus dem Niederland", der Krimhild liebte, bevor Hagen ihn umbrachte, als großartiges (und blutiges) Stück Weltliteratur allgemein anerkannt. Unzählige Übersetzungen sind seither erschienen: Und trotzdem kann Lodemanns in zwanzig Jahren -- im Vergleich zwischen diversen Fassungen und "den wahrscheinlichsten Quellen" -- entstandener Roman dem geheimnisvollen Buch noch Neues abgewinnen. Dabei erscheint selbst "unsere eigene, vertrackte Gegenwart" im wortmächtigen Text "wie in einem Zauberglas" -- so hatte es Johann Schazman (in den Worten von Lodemanns kongenialer Übersetzung) bereits für das 19. Jahrhundert formuliert.
Natürlich kommt auch Lodemann auf seinem 880-seitigen Erzählmarathon nicht aus ohne einige eher unoriginelle Wortspiele ("Ich armer Ire"). Und auch die in den Originaltext eingestreuten, farbig abgesetzten Kommentare sind nicht immer wichtig für den Verlauf der Fabel (dass etwa Mauthners Lexikon der Philosophie den Begriff der "Wirklichkeit" -- im Gegensatz zu "Wahrheit" -- nicht kennt, ist für die dramatische Handlung nicht wirklich wichtig). Ansonsten aber hat der 65-jährige Autor in seinem Opus Magnum der Geschichte um Siegfried und Krimhild neues Leben eingehaucht. Opulent und überwältigend zugleich. --Stefan Kellerer
886 pages, Gebundene Ausgabe
First published January 1, 2002