war toll.
queere Erzählung, dazu eine Geschichtsstunde über Osteuropa, und eine einsame, verwirrt-übergriffige Beziehung zu einer Krähe.
"Manchmal entgleitet mir beim Aufwachen das Menschsein." (S. 103)
"aber dann komme ich doch nicht ins Gefängnis, weil wir nicht geräumt werden, und ich lebe weiter mit Menschen ohne Papiere, gehe rassistische Gerichtsprozesse beobachten, organisiere Demonstrationen gegen Faschismus und Rassismus und gegen Gewalt gegen Frauen und tanze auf der Regenbogenparade und du fragst, wie es um mein Studium steht, und ich frage dich, wann du aufgehört hast, für eine bessere Welt zu kämpfen, und du antwortest, dass du nie für eine bessere Welt gekämpft hast, sondern für Polen." (S. 182)
"es ist das Jahr 1996, in dem mein lesbisches Leben beginnt, von dem ich hoffe, dass es besser werden wird als das bisherige, dass es eines wird, das ich will, und nicht eines, in das ich hineingezwungen wurde, eines, für das ich bereitwillig kämpfen würde, [...] und heute blicke ich auf meine Wünsche und Hoffnungen zurück und erkenne, dass trotz jahrzehntelanger Kämpfe der Großteil der Erde für mich Kriegsgebiet bleibt, [...] wie in deinem Polen, als 2005 die extrem rechte PiS-Partei zum ersten Mal an die Macht kam und in Warszawa die Regenbogenparade von polnischen Neonazis angegriffen wurde, während die polnische Polizei danebenstand und zuschaute oder den Neonazis Steine reichte, das war, als du aufhörtest, Freund*innen oder Bekannten zu erzählen, dass deine Tochter lesbisch ist, [...]" (S. 194)
"Jedoch dein Buch auf Polnisch zu schreiben, ist unmöglich, peinlich wäre das und würde weder dir noch der Geschichte deines Landes gerecht werden, also schreibe ich auf Deutsch in Deutschland, in Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, wohin ich freiwillig gezogen bin, um dem ehemaligen Realsozialismus näher zu sein, um besser zu verstehen, was nach der sowjetischen Machtübernahme geschehen war, was es in den Menschen hinterlassen hat, und erscheinen wird dieser Ausschnitt deiner und meiner Geschichte in einem österreichischen Verlag." (S. 221)