Jetzt habe ich mir einige Gedanken zu der Geschichte gemacht und das ist dabei rausgekommen...
‘Unter Kirschbäumen’… Ja, was soll ich dazu sagen?
Eigentlich schreibe ich keine schriftlichen Rezensionen, aber da ich dem Buch so eine schlechte Bewertung gegeben habe und vor allem, weil die Autorin meine liebe YouTube-Kollegin Sarah Jordan ist, fühle ich mich verpflichtet ein paar Worte zu der Wertung und meiner persönlichen Meinung zu sagen.
Das hier wird auch keine ‘normale’ Rezension, sondern eher ein kleiner Aufsatz. Also Vorsicht: SPOILER!!!
Schon vor einigen Monaten habe ich den Prolog der Geschichte zum ersten Mal gelesen und fand ihn sehr toll. Er hat mich wirklich neugierig auf die Geschichte gemacht und ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass das Buch (nach einigen Schwierigkeiten) nun endlich erscheinen würde.
Leider wurde meine Freude durch zwei Dinge etwas gebremst.
Das Cover. Ich mag es wirklich nicht, bewundere allerdings Sarahs Mühen und weiß die Arbeit, die sie in das Cover gesteckt hat, zu schätzen. Leider gefällt es mir dennoch überhaupt nicht. Allerdings wird die Printausgabe wohl ein leicht verändertes Cover bekommen, wie ich auf Sarahs Blog gesehen habe, welches mir viel besser gefällt!
Die Länge von ca. 130 Seiten. Normalerweise lese ich keine Bücher, die weniger als 270-280 Seiten haben, weil ich davon überzeugt bin, dass sich eine Geschichte und ihre Charaktere auf so wenigen Seiten nicht richtig entwickeln können. Daher würde ich ‘Unter Kirschbäumen’ auch eher als eine etwas längere Kurzgeschichte bezeichnen und nicht als Buch.
Trotz dieser beiden Punkte war meine Vorfreude noch vorhanden und ich habe es mir direkt als E-Book gekauft und begonnen zu lesen. Der Schreibstil war ganz gut, ließ sich schnell und flüssig lesen, aber hatte leider nichts Außergewöhnliches an sich. Das fand ich etwas schade, da ich mir den Schreibstil anders vorgestellt hatte und er auch vorher als tiefgründig und philosophisch angepriesen wurde.
Das Buch habe ich zwar recht schnell beendet, musste es allerdings oft zur Seite legen, um frustriert aufstöhnen zu können.
Weshalb?
Der Hauptgrund war wohl Maja.
Ich habe die Protagonistin von der ersten bis zur letzten Seite gehasst. Sie verhält sich wie eine 14-jährige, meckert und zickt nur rum und trotzdem stehen gleich zwei Typen auf sie.
Ich konnte mit ihr einfach nicht warm werden, weil jedes Wort, was sie von sich gab einfach nur ätzend war und sie mich mit ihren Entscheidungen und Handlungen in den Wahnsinn getrieben hat. Mehr als Bella Swan es zu ihren besten Zeiten tat. Maja war einfach nur unglaublich frustrierend.
Ich würde ja gerne sagen, dass die anderen Charaktere das alles wieder gut gemacht haben. Haben sie aber leider nicht.
Zu Ben habe ich GAR KEINEN Zugang finden können. Der Arme konnte nicht ein einziges Mal in der gesamten Story beweisen, was für ein toller Typ er ist, da jedes einzelne Gespräch, was er mit Maja führte entweder eine zickige Diskussion, ein unnötiger Streit oder viel zu plötzliches Liebesgedusel war. Ich hätte gern mehr von ihm gesehen und auch ein paar unbeschwerte Momente mit Maja wären toll gewesen. Vielleicht auch mehr Kindheits- und Jugendgeschichten.
Von Chelsea möchte ich gar nicht anfangen, da sie einfach nur ein 08/15 Zickencharakter war und wirklich Null Tiefgang und Charakterentwicklung hatte.
Sam mochte ich von allen am liebsten, habe aber auch dort ein paar ausführlichere Szenen vermisst. Zum Beispiel wurde auch seine Beziehung zu Chelsea überhaupt nicht behandelt und da die beiden doch Cousine und Cousin sind, hätte sich da bestimmt einiges angeboten.
Insgesamt konnte ich allerdings bei keinem der Charaktere eine besondere Entwicklung beobachten. Sie waren meiner Meinung nach alle sehr flach und klischeehaft.
Sämtliche Nebencharaktere kamen wir auch viel zu unecht und geskriptet vor. Besonders der Trucker, Bens Mutter und die Frau mit ihrem taubstummen Ehemann, die Maja einfach so nebenbei erzählt, dass der Vater ihrer Tochter ein anderer Mann ist, ihr Ehemann das allerdings nicht weiß. Sehr realitätsfern.
Dann möchte ich noch ein paar Worte zur Liebesgeschichte von Maja und Ben sagen.
Für mich bestand das zentrale Problem darin, dass es den Beiden an Kommunikation gemangelt hat. Ich habe mir die ganze Zeit gedacht: “Jetzt redet doch mal vernünftig miteinander!”
Ich verstehe, dass der springende Punkt bei der Sache die Angst vor einem Liebesgeständnis aufgrund der geschwisterlichen Beziehung der Beiden sein sollte. Aber ich als Leser konnte diese Angst der Charaktere nicht fühlen. Ich konnte kaum etwas in dieser Beziehung fühlen.
Und das lag ganz einfach an der Länge der Geschichte. Wäre das Buch 200 Seiten länger gewesen und wären somit mehr Szenen zwischen Maja und Ben vorhanden, hätte ich höchstwahrscheinlich auch mitfühlen können. Aber um diese Beziehung zu verstehen, fehlte mir da einiges. Ich hätte mir mehr Flashbacks gewünscht und auch viiiiel mehr unbeschwerte, leichte und lockere Szenen zwischen Ben und Maja. Denn man erfährt nur ab und zu aus Majas Gedanken, wie toll die Freundschaft immer war und kann als Leser leider nicht ‘live’ dabei zusehen.
Außerdem sind mir mehrere Wort-, Zeichen- und Zeitfehler (vor allem beim Konjunktiv) aufgefallen, was dadurch, dass ich weiß, dass die Geschichte nicht im Lektorat war, kein ganz so großes Manko war, aber dennoch nicht unsichtbar blieb.
Da die Logikfehler schon mehrfach diskutiert wurden, führe ich sie hier nicht aus, sondern sage nur, dass mir in dem Bereich auch einiges aufgefallen ist.
Insgesamt muss ich leider sagen, dass das Buch mir gar nicht gefallen hat. Weder die Charaktere, noch die Story sind ausgefallen. Es ist eine Ansammlung von Klischees und Stereotypen.
Ich denke 200 Seiten mehr und eine ausgereiftere Storyline hätten dem Buch ganz gut getan.
Ich finde es sehr schade, dass es mir nicht gefallen hat, da ich mich wie gesagt, sehr darauf gefreut habe und den Prolog schon vor Monaten echt schön fand.
Leider kann man nicht alles mögen.
Ich hoffe, dass Sarahs nächstes Werk mir besser gefallen wird!