Meine Erwartungshaltung lag irgendwo zwischen einem philosophisch-epischen Hammerfinale mit Knalleffekt und einer actionreichen Schlacht mit völlig unerwartetem Plottwist. Irgendwo dazwischen befand ich mich nach dem schließen des Romans. Der große Plottwist am Ende blieb aus. Dafür überraschte das personelle Schachspiel umso mehr. ES menschelte an allen Ecken. Charaktere mit Herz. Ein eher seltener Genuss in der EA.
Mir gefiel dieser ungewöhnlich emotionale Zyklusabschluss daher so gut, dass ich am Folgeabend nochmals das Heft in die Hand nahm und von vorne begann. Ein toller Abtritt der Expokratur. Ganz fantastisch!
“Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen // Den Vorhang zu und alle Fragen offen.” (Bertold Brecht)
Für mich passt dieser Spruch gut zum Ende der Ära Vandemaan/Montillon, die uns viele großartige Einzelromane beschert hat, uns aber noch mehr offene Fragen und Rätsel hinterlässt, bei der ich von manchen Zyklen schon kurz nach dem Abschluss nicht mehr so recht wusste, worum es im Kern eigentlich ging und in der ich immer wieder begeistert von Formulierungen, Wortspielen und Ideen war. Ich vermisste im Wust der Ideen und Bruchstücke oft den großen Bogen, die Klammer, einen größeren Sinn. Für mich blieb und bleibt vieles Stückwerk, das schön anzuschauen ist, aber auch schnell dem Vergessen anheim fallen könnte. Im Roman wird vieles zu Ende gebracht: Kmossen, der so blöd ist, in einer entscheidenden Phase eine ungeteste Waffe an sich selbst auszuprobieren und sich damit eigentlich einen Darwin Award verdient, dieser durch die Waffe ungeschickt verdoppelte Kmossen wird gleich zweimal besiegt: Einmal von Perry auf eine Art und Weise, die in der Benutzung einer archaischen Waffe an Atlan und Mirona aus Band 299 erinnert, und zum anderen von Alaska, der - was auch sonst? - seine Maske einsetzt. Ich hatte irgendwann im Roman die Idee mit der Maske und dachte, dass dieses Klischee doch nun wirklich nicht benutzt werden würde. Nun, auch so wird man überrascht. Auch für andere Figuren gibt es ein Ende oder zumindest eine Idee davon. Insgesamt bleibt aber Vieles im Ungefähren. Die alten Expokraten treten ab und überlassen dem Neuen ihre Sammlung an unvollendeten Werken. ES wird irgendwann wieder erstehen und ist dann vielleicht irgendwie anders. Dies kann im nächsten Zyklus passieren oder in 500 Heften, wenn es so etwas dann noch gibt. Wahrscheinlich wird das Thema irgendwann aufgegriffen, vielleicht gibt es dann auch Neues von Mu Sargai und all den Andeutungen, die sie Perry hat zukommen lassen. Vielleicht aber auch nicht… Ich hätte so gerne wenigstens eine große überraschende kosmische Enthüllung gehabt, irgend einen unerwarteten Zusammenhang über Zyklen hinweg, irgendein Puzzlestein, der an unerwarteter Stelle passt. Dies habe ich leider nicht gefunden. Ich hoffe, ab und zu noch einen Vandemaan Roman lesen zu können, bei Montillon weiß ich, dass schon bald etwas kommt. Ich geben dem neuen Expokraten eine Chance, ich habe aber langsam das Gefühl, dass es die letzte sein könnte…
Ceterum censeo: Im übrigen bin ich immer noch ein großer Freund, der Voltzschen Zyklusplanungen und Jubiläumsbände, also der Zyklen von 700 - 1200, wo Jubiläumsbände noch eine Klammer waren zwischen Phasen der Erzählung, eine Klammer, die Enthüllungen und Neubeginn verband. Jetzt gibt es immer die Zyklusabschlussbände, die hektisch versuchen, den Bösewicht und liebgewordenen Figuren zu entsorgen und dabei wenigsten einen Teil der Fragen, die der Zyklus so aufwarf, zu beantworten. Dann kommen die Jubiläumsbände, die versuchen, eine neue Bedrohung aufzubauen, aber noch gar kein Material für große Enthüllungen haben.
Puh, ich bin leider enttäuscht. Das war zu wenig für ein Zyklusfinale und das war aus meiner Sicht deutlich zu wenig für die vielen Handlungsstränge, die hier zusammenlaufen. Vielleicht war aber genau das das Problem: zu viele Fäden zu verknüpfen.
Kmossen wird gefühlt viel zu einfach und nebenbei erledigt...und das gleich doppelt. Viel schlimmer ist aber, dass das Ende sich für mich irgendwie belanglos und etwas lieblos anfühlte. Die drei Epiloge waren nett...aber irgendwie nicht mehr. Der Roman lässt mich ein stückweit ratlos zurück und der Zyklus wirkt auf mich unfertig.
Sicher ist das ganz persönliches Empfinden, aber ich habe mehr erwartet. Evtl. lese ich den Roman aber mit etwas Abstand nochmal. Bei solchen speziellen Romanen hilft das manchmal ja, um doch noch etwas mehr zu finden.
Umso mehr freue ich mich auf frischen Wind durch BCH ab dem Band der kommenden Woche!
Die Ära Vandemaan/Montillon endet mit diesem Band, auch der "Fragmente"-Zyklus, der mich einigermaßen unentschlossen, was die Bewertung anbelangt, zurückläßt. Es war sicherlich nicht der schlechteste, aber auch nicht einer der besten, Zyklus der Perryversums-Geschichte. Vieleicht war aber auch die Schnitzeljagd nach den Fragmenten von ES zu wenig, um 100 Bände zu füllen (es waren eigentlich nur die Romane um den Club der Lichtträger von MMT, die mir ausgesprochen gefallen haben), denn m.E. waren zu viele Füllromane, die eigentlich nur die eingefleischten Perry-Fans zu binden vermochten. Was diesen Roman anbelangt, war das "Voltzen" sehr ausgeprägt, nicht nur Damar Feyerland und Kmossen blieben auf der Strecke, auch (beliebte) Personen wie Farye, Shinae, Shema u.a. wurden entsorgt/bzw. geparkt, sondern auch Alaska, Cry, Soynte Abil und Vetris Molaud wurden erst mal auf Eis gelegt; Schade, dass sowas nicht anders geregelt werden kann. So wie es aussieht, könnte es hier um den letzten Roman von Wim Vandemaar gehandelt haben, was ich mehr als schade fände. Ich bin jetzt mal gespannt auf den nächsten Zyklus; und auf den nächsten Exposé-Autor, davon mache ich es abhängig, ob mich PR noch weiter begleiten wird, denn irgendwie vermisse ich das alte PR-Feeling und den Sense of Wonder...
Mittels eines Oszillationstransmitters "verdoppelt" sich Kmossen. Er verwickelt den ES-Konvoi in der Yodor-Sphäre in eine Scheinschlacht - hat er doch das eigentliche Ziel, das Haus der Chimären und damit das zukünftige Haus von ES zu zerstören. Perry Rhodan erkennt diesen Plan und eilt mit der RAS TSCHUBAI und der LEUCHTKRAFT an den Ort des Geschehens.
Auf Tülasy stellt Rhodan Kmossen eine Falle, liefert sich ihm scheinbar aus - der gespaltene Kmossen fällt darauf herein. In einem Degenduell wird ein Kmossen besiegt. Der andere Kmossen wird von Alaska Saedelaere, Gry O'Shannon und Soynte Abil auf der WERKSTATT selbst heimgesucht. Es kommt zur Konfrontation mit dem anderen Kmossen, der das Schiff zur Bombe machen will um Tülasy zu vernichten - und es ist das Cappin-Fragment von Alaska, das diesen Kmossen unschädlich macht.
Shema Ghessow, Toio und Shinae Zindher, Xenia Biefang und Farye Sepheroa-Rhodan werden zu Sprecherinnen von ES und Hüterinnen des Hauses von ES. Antanas Lato, Bouner Haad, Kro Ganren und Madru Bem schließen sich der Kosmokarawane an, die ihrer Wege zieht. Am 1. Januar 2100 versiegelt sich die Yodor-Sphäre und die Re-Genese von ES beginnt.
-
Hach, ich schwanke. Einerseits finde ich das Motiv, dass es am Ende nur die Hybris Kmossens ist, die ihn zu Fall bringt, richtig stark. Andererseits... ist das alles etwas unterwältigend. Wofür war Monkey nochmal gleich beim ES-Konvoi dabei? Bouner Haad wird immerhin nochmal erwähnt, wenn auch der Cliffhanger, dass er eventuell zum Doppelagenten wird, mal ein richtiger Blindgänger war. Icho Tolot, der sich auch auf der RAS TSCHUBAI aufgehalten haben sollte, wird hingegen komplett vergessen. Da waren zu viele Bälle in der Luft und die Exposee-Joungleure haben leider den einen oder anderen fallen lassen. Warum ist zum Beispiel auch nie wieder die Sprache vom eigentlich Plan der Maghanen mit dem Fragment gewesen? Wie ist Antanas Lato plötzlich zum Fragment-Hüter geworden - und warum zieht er jetzt mit der Kosmokarawane mit, mit der verbindet ihn doch nichts?
Der Zyklus selbst hat mir schon gefallen, besonders das letzte Viertel hatte richtig Dampf - wenn man von den Lücken, von denen ich oben einige genannt habe, absieht. Die Panjasen waren bei den meisten nicht wohlgelitten - ich fand sie ganz erträglich und eine nette Allegorie auf das Perfektionsstreben der heutigen Zeit, das uns bei Instagram und co. vorgelebt wird.
Nun bin ich gespannt auf PHOENIX. Und wann wir etwas vom neuen ES hören.
3/5
This entire review has been hidden because of spoilers.
Wie sehr kann man nicht nur ein Zyklusende, sondern auch eine Ära der Expolratur unrühmlich enden lassen? JA!
Was bleibt am Ende des Zyklus? Viele Fragen, nicht konsequent durchdachte und beendete Handlungsfäden, ein schnelles und unbefriedigendes, zerhetztes Ende. Und genau so ist es auch mit der Exprokratur-Ära. Dabei waren gute Ideen in keinem Fall das Problem, ebensowenig die einzelnen, meist hervorragenden Hefte. Aber die Meta-Ebene stank seit 2700 zum Himmel. Ja, bewusst so hart ausgedrückt. Immer weiter ins Metaphysische, dabei eine stringente Handlungsführung vernachlässigend und oft hart am Kanon missachten entlangschrammend.
Nun ja. Ist nur meine Meinung. Ich persönlich bin froh, dass wir jetzt einen neuen Exprokraten haben und setze die Hoffnung in Ben, sich wieder auf der Meta-Ebene um mehr Gewichtung zu kümmern
Auch wenn der Roman als Zyklusabschluss und Ende der Expokratur von Wim Vandemaan und Christian Montillion mit einem deutlich unterwältigten Gefühl von "Hm. Ja. So. Das war jetzt also das. Hm." zurücklässt, hat er mir doch als Roman sehr gut gefallen.
Zyklusfinale. Das Ende einer Ära. Wim Vandemann und Christian Montillon verlassen das Expokrat bzw. den Chefautor Sessel. Zeitgleich natürlich das Ende des Fragmente-Zyklus. Es ist der große Finale Kampf gegen Kmossen, der in dem Schatten.
Das Heft funktioniert an sich ganz gut und Kmossen aus der Ich-Perspektive war mal was anderes, aber leider blieb Kmossen als Bösewicht wirklich in den Schatten. Ich hätte mir A gewünscht ein wenig von Kmossens Motivation zu erfahren. Also warum Kmossen so handelt, wie er handelt. Bösewichte die einfach Böse sind, sind immer ein wenig Lame. Aber sonst finde ich das Heft bring den Zyklus zu einem würdigen Abschluss und ich schaue voller Zuversicht in Richtung Phoenix.
Für einen Zyklusabschluss sehr ruhig. Ja, es gibt Action, aber sie prägt den Roman nicht. Stärker hervor treten Beziehungen und Friedensbestrebungen. Auf jeden Fall kein überfrachtetes Zyklus-Ende-um-jeden-Preis.