Meine werte Leserschaft,
hiermit präsentiere ich Ihnen das wohl schlechteste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe ... Und es ist erst März (help).
Vorab: Alles nachfolgende ist meine Meinung. Wenn dieses Buch irgendjemanden da draußen wirklich gefiel, freue ich mich zwar wahnsinnig für euch, möchte euch dann aber bitten, meine Kritik vielleicht nicht zu lesen.
Gut, weiter im Kontext:
Niemals wäre ich davon ausgegangen, dass irgendetwas Fourth Wing in meiner persönlichen Hassskala™ übertreffen könnte, aber tja, hier sind wir nun. Mein (glücklicherweise noch lebender) tolino, mein (durch brennende Wut ausgelöster) Bluthochdruck und ich, die sich ehrlich fragt, warum ich das Buch nicht abbrach, als ich noch die Chance dazu hatte.
Aber nein, ich zog durch wie eine tapfere Kriegerin und kann euch jetzt sagen: Hat sich nicht gelohnt.
Meine armen malträtierten Nerven und vor allem meine armen Kolleginnen, denen ich die letzten Wochen derart mit meinen Klagen und Beschwerden über dieses Buch in den Ohren lag.
Die Kurzfassung lautet: Da ein Stern (leider) vergeben werden muss, bekommt den nach reiflicher Überlegung (leider) eindeutig Jonas, weil ich ihn trotz seiner hirnlosen Momente von allen am wenigsten gehasst habe. Meinen (leider) herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle.
In einem Feedback-Gespräch würde jetzt die Frage kommen, was ich denn gut fand an dem Buch.
Die simple Antwort lautet: Nichts. Gar nichts. Für mich persönlich gab es einfach nichts Gutes an diesem lebenszeitverschwendenden Buch.
Aber gut, labern wir nicht länger um den heißen Brei herum. Machen wir doch direkt weiter mit dem Negativen und warum die flippige Soph und der durchstrukturierte Jonas es tatsächlich schafften, Fourth Wing von seinem Thron zu verstoßen:
Erstens. Der Schreibstil.
Angeblich ist "A Glimpse of Northern Lights" für junge Erwachsene, aber wenn ich das Buch mit den Kinderbüchern der Autorin vergleiche, unterscheidet sich der Schreibstil herzlich wenig, eigentlich gar nicht. Bei einem Debütroman verzeihe ich das durchaus, aber dieses Buch ist kein Debüt, sondern eine Fortsetzung. Ergo es war genügend Raum zur Weiterentwicklung vorhanden, allerdings wurde der leider nicht genutzt.
An zu vielen Stellen ist das Buch schlichtweg plump, beinahe stupide formuliert. Es fehlte jeder Sinn für Ästhetik, für schöne Worte und Sätze. Sprache ist ein Werkzeug. Wer es richtig einsetzt, schafft Großes, entlockt Emotionen und Gedanken, erzeugt Spannung. Doch zu keiner Zeit, in keiner Zeile, in keinem Satz schaffte die Autorin es, mir ein Staunen oder gar irgendeine andere Emotion außer einem genervten Stöhnen zu entlocken. Ich habe Fanfictions gelesen, die das Werkzeug Sprache mit besserer, liebevollerer sowie sorgfältigerer Präzision nutzten.
Wenn wir schon dabei sind: Kurze Kapitel vermögen es übrigens nicht, einen bestenfalls einfältigen Schreibstil zu verbergen. Im Gegenteil.
Apropos Kapitel, wir müssen noch ein Hühnchen über das Story Pacing und den Aufbau der Kapitel rupfen. Erst passiert alles ganz schnell, ist unausgereift und wahrlich lieblos gestaltet, dann werden fast zehn Kapitel benötigt, um den Ablauf von nicht einmal vierundzwanzig Stunden zu beschreiben, nur damit wir Leser dann wieder durch die Geschichte hetzen und das Ende in drei Kapiteln abgehandelt wird. Wenn der Rest der Handlung eh egal ist und es von Anfang an lediglich um diese eine Szene geht, dann muss das Buch nicht geschrieben werden. Dafür gibt es One Shots.
Zuletzt in diesem Punkt muss ich auch fragen, was es mit diesen vollkommen deplatzierten Einschüben von Jonas auf sich hatte. Fast das gesamte Buch lesen wir (leider) aus der eintönigen Perspektive von Sophie, dann taucht, vielleicht sechs oder sieben Mal dazwischen gestreut, plötzlich Jonas uninteressante Sicht der Dinge aus dem Nichts auf, nur damit wir dann direkt wieder von Sophie lesen müssen.
Bitte, liebe Autoren, wenn es schon Perspektivwechsel geben muss, dann baut das doch zumindest sinnvoll ein und nicht wahllos. Macht es regelmäßig, in guten Abständen, gebt beiden Hauptcharakteren die Chance zu strahlen.
Obwohl ... In diesem Buch hätte es niemanden geholfen oder irgendjemanden sympathischer gemacht.
Zweitens. Die Charaktere.
Liebevoll gesagt, ab und an überkam mich der simple Drang, durch meinen tolino zu greifen und besonders unsere flippige Soph derart zu schütteln, bis ihr Gehirn wieder funktioniert. Mutig von mir zu denken, dass dieser toxische, idiotische Charakter überhaupt ein Gehirn besitzt, ich weiß.
Zu Beginn gab ich partout die Hoffnung nicht auf, dass die flippige Soph noch halbwegs erträglich werden würde, irgendwie, irgendwann ... Mein Fehler, 'tschuldigung. Denn bei dieser ganz besonderen Schneeflocke™ ist das Kind schon zu tief in den Brunnen gefallen und alles an Hopfen und Malz auf der Welt verloren. Ja, anschreien wollte ich die flippige Soph am liebsten und ehrlich gesagt, will ich das immer noch. Hey, wir beruhigen uns ... Oder auch nicht.
Weil wer gibt denn seinem Hauptcharakter einen derart absurden Spitznamen wie 'Soph'? Was ist das für ein abartiger Name und wie zum Kuckuck soll ich den aussprechen, ohne dass sich das nicht total blöd anhört? Aber viel schlimmer: Der Spitzname ist Programm, weil unsere flippige Soph (argh) ist nämlich total flippig und verrückt und verhält sich nicht wie Menschen ihres Alters, sondern wie eine Dreizehnjährige nach einem Amsterdam-Brownie und zu vielen Energy Drinks. Versteht mich nicht falsch, ich finde Menschen und Charaktere großartig, die Spaß haben, ihr Leben genießen und nicht den gesellschaftlichen Konventionen entsprechen. Ehrlich. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, nicht wahr? Die flippige Soph ist diese Ausnahme.
Der durchstrukturierte Jonas hingegen war einfach langweilig. Abgesehen von seiner seltsamen Erster-Bissen-von-Schokolade-und-dann-direkt-niesen-Macke (was übrigens nicht mal annähernd so niedlich herüberkam, wie die flippige Soph uns weiszumachen versuchte) und der Tatsache, dass er halt gar nicht durchstrukturiert war, sondern die meiste Zeit einen Plan von Nichts besaß, weiß ich absolut gar nichts von ihm. Und ich erinnere daran: Ich habe das Buch durchgelesen. Ach, halt, eins weiß ich noch: Er holt sich in der Dusche einen auf die flippige Soph runter. Daran erinnere ich mich, weil ich die Szene unnötig und plump empfand und mich zusammen mit meiner besten Freundin darüber lustig machte.
Jedenfalls teilen sich diese beiden Idioten eine einzige Gehirnzelle. Die meiste Zeit trägt Jonas die Last des Denkens, weswegen er vergleichsweise erträglicher war. Doch in Sachen toxisches, unnötig dummes Benehmen halten sich beide Charaktere mit Bravour die Waage.
Drittens. Der Inhalt und die Frage nach der Recherche.
Was für ein Schwachsinn.
Die flippige Soph und der durchstrukturierte Jonas erleben einen glücklichen Zufall nach dem anderen, weswegen sie niemals wirklich vor echte Herausforderungen, außer ihrer eigenen Dummheit, gestellt werden. Alles fügt sich magisch und die einzigen, aber wahrlich unwichtigen Probleme, die sie haben, sind ihren Inkompetenzen, vernünftig miteinander zu sprechen und klaren Menschenverstand zu nutzen, geschuldet.
Ein Eifersuchtsarc in einem Fehlkommunikationsarc in einem Fehlkommunikationsarc ist schon bemerkenswert kompliziert, aber wären die beiden Hauptcharaktere einfach ein einziges Mal ehrlich zueinander gewesen und hätten sofort über die Geschehnisse gesprochen, wären uns bedauernswerten Lesern knapp dreihundert Seiten blanke Blödheit erspart geblieben. Aber nein, stattdessen fängt die flippige Soph zum zigsten Mal einen unnötigen Streit an, weil sie wieder alles missversteht und sie dermaßen enttäuscht ist von Jonas, aber sie ihn doch sooo sehr liebt und diese (schlecht beschriebene) heiße Nacht im Van nicht vergessen kann (Ich wünschte, ich könnte. Man muss übrigens keinen Spice einbauen, wenn man das nicht will und eh nur larifari umsetzt.) … bla bla bla. Nach diesem hirnrissigen Ende fragte ich mich ehrlich, was genau Jonas in dieser flippigen Psychopathin sieht. Würde mich jemand auf diese Art und Weise behandeln, würde ich vermutlich den Mittelfinger zeigen, mich in den nächsten Flieger setzen und bevor ich den Kontakt abbreche, noch einen Therapieplatz für die sogenannte „beste Freundin“ besorgen, die in der ganzen Woche ausschließlich gemein und verletzend mir gegenüber war. Klar, Jonas war weder unschuldig noch unbeteiligt an dem ganzen Drama. Der Unterschied war nur, dass er es zumindest versucht hat.
Apropos Ende.
Dass die Autorin keine besonders gute Recherchearbeit lieferte und es sich anfühlte, als würde sie Passagen aus dem Internet und beliebigen Reiseführern zusammenwürfeln, merkte ich recht zeitig. Ich liebe Island. Ich liebe Polarlichter. Und würde ich es nicht besser wissen, würde ich auch den Worten dieses Buches blind vertrauen. Sicherlich, einige Beschreibungen der Landschaften waren akzeptabel, auch wenn an vielen Stellen das Besondere, das, was Island dermaßen magisch und beeindruckend macht, fehlte. Endgültig verlor ich es dann aber bei der Inszenierung der Polarlichter, die übrigens erst auf den letzten zwanzig Seiten vorkommen. Sie spiegelten sich in seinen blauen Augen oder was auch immer die flippige Soph für einen blanken Schwachsinn erzählt. Freunde, lasst mich euch eines sagen: Polarlichter sind das einzige Naturphänomen, deren Schönheit und satte Farben man ausschließlich durch Kameras einfangen kann. Zitatende des Guides aus Norwegen. Glaubt nicht jedes Wort, das in schlecht recherchierten Büchern steht.
Fazit.
Es ist kein persönlicher Angriff gegen die Autorin. Im Gegenteil, ich wünsche ihr in ihrer weiteren Schreibkarriere viel Erfolg. Allerdings wird es das erste und letzte Buch von ihr gewesen sein, dass ich gelesen habe. Menschen, die Island und Polarlichter lieben, spreche ich keine Empfehlung aus, da sich das ganze Buch wie eine schlechte Satire und eine einzige Beleidigung an dieses schöne Land liest.
Ähm, okay, das ist länger als geplant geworden. Sorry. Byeee~