"Klaus Merz fasst Welt und Leben in wenige Zeilen. Seine Gedichte sind Hologramme aus Sprache", schreibt Urs Bugmann über die Lyrik des Hölderlin-Preisträgers. In seinen poetischen Miniaturen erkundet Klaus Merz die Tragfähigkeit der Welt und der Sprache, mit leichter Hand dreht und wendet er sie und betrachtet sie von allen Seiten. Dem auf den ersten Blick Unscheinbaren und Banalen gewinnt Merz auf den zweiten Blick überraschende Bedeutungen ab. In seinem neuen Gedichtband zeigt sich Klaus Merz als ironischer Betrachter der Zeit und ihrer Absonderlichkeiten, als präziser Beobachter des Alltäglichen und als melancholischer Erforscher des Lebens, des Alterns und der Erinnerung. Dabei schafft er kleine poetische Meisterwerke voller Klarheit und Leichtigkeit.
Nach dem Sekundarlehrerdiplom unterrichtete Merz, unterbrochen durch längere Auslandsaufenthalte, als Lehrbeauftragter für Sprache und Kultur an einer Höheren Fachschule. 1967 debütierte er mit dem Gedichtband Mit gesammelter Blindheit. Seither hat er über zwanzig weitere Publikationen mit Gedichten, Erzählungen, kurzen Romanen und Essays, vor allem zu Bildender Kunst, publiziert; daneben hat er auch Hörspiele, TV-Drehbücher, Theaterarbeiten und Kinderbücher verfasst. Seit 1994 erscheinen seine Werke vorwiegend im Innsbrucker Haymon Verlag, die Buchcovers sind von Heinz Egger gestaltet. 2003 hat er die gesammelten Werke seines behinderten Bruders Martin Merz (1950–1983) bei Haymon unter dem Titel Zwischenland herausgegeben. Klaus Merz war Mitglied der Gruppe Olten und von 1995 bis 1997 deren Präsident. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Unterkulm. „Merz überzeugt als Lyriker und als Erzähler dank seiner Gabe, ebenso leicht wie knapp und präzise zu formulieren – eine Fähigkeit, die wir nur bei sehr wenigen Autoren antreffen“, hielt der Jury-Vorsitzende Jochen Hieber in der Pressemitteilung der Frankfurter Allgemeine FAZ zum Hölderlin-Preis 2012 fest.
Ein schmaler Band, 50 Gedichte, viel Weissraum. Ich nehme ihn immer wieder mal in die Hand, dieser Tage zum Beispiel auf der Suche nach Zeilen des Trosts für den lebenstraurigen Vater:
GARDEROBE Sah mein leeres Hemd am Haken. Und fürchtete mich nicht.
Nicht alles ist so zwingend auf den Punkt gebracht und die Pinselzeichnungen des Künstlerfreunds bräuchte es nicht, deshalb nur vier und nicht fünf Punkte.