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Potenziell furchtbare Tage: Über Anti-Work, Menstrual Health und das gute Leben

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Das Ende der Ausbeutung – mit Menstrual Health und Anti-Work die Arbeitswelt revolutionieren
Potenziell furchtbare wie Arbeit und Menstruation zusammenhängen
Acht Jahre lang ergründete Bianca Jankovska am eigenen Leib, was passiert, wenn Zyklus und die damit verbundenen Schmerzen auf Lohnarbeitsabhängigkeit treffen. Ein meltdown moment folgte dem nächsten. Unsere Leistungsgesellschaft zwingt uns dazu, uns trotz monatlich wiederkehrender Schmerzen und mitunter Krankheitssymptomen zum Job zu schleppen – wenn nötig unter Medikamenteneinfluss. Menstruationsurlaub oder ein zyklusorientiertes Arbeitszeitmanagement gibt es in Deutschland und Österreich nicht. Ganz Im kapitalistischen Patriarchat, in dem wir leben, klingen sie eher nach Utopie als nach realisierbaren Errungenschaften. Fakt ist außerdem, dass die vorherrschenden Arbeitsstrukturen nicht nur Menstruierende, sondern auch psychisch Erkrankte, Marginalisierte – und die Umwelt – ausbeuten und krank machen.
Es muss sich also dringend etwas ändern! Wie? Indem wir unser heutiges Arbeitssystem sabotieren und einen Anti-Work-Feminismus implementieren – ganz ohne Perioden-Glitzergedöns und Wärmflaschen-Merch.


Dieses Buch ist das Gegenteil von dem, was auf LinkedIn abgeht.
Hier gibt es keine Tipps für’s Bewerbungsgespräch – und kein schlechtes Gewissen, wenn du am Ende des Jahres keinen Meilenstein zu verkünden hast. Anti-Work bedeutet übrigens nicht, nie mehr zu arbeiten. Die Idee dahinter ist viel mehr, dass wir uns als Gesellschaft von krankmachenden Arbeitszwängen lösen und damit aufhören, uns selbst auszubeuten oder schlecht zu fühlen, wenn wir einmal nicht arbeiten (können). Bianca Jankovska verbindet persönliche Anekdoten mit strukturellen Problemen und erzählt eindrucksvoll von Therapie im Kapitalismus, PMS und PMDS, von Privilegien-Checks, Kündigungserfahrungen, Scham, Schuld und Schmerz. In augenöffnender Einfachheit zeichnet sie Lösungsvorschläge und Perspektiven für eine gesündere und bessere Arbeitswelt. Willkommen in der feministischen für Menstruierende, Arbeitende, Selbstständige und alle, deren psychischen und körperlichen Ressourcen von Tag zu Tag weniger werden.

355 pages, Kindle Edition

Published May 29, 2024

9 people are currently reading
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About the author

Bianca Jankovska

5 books7 followers
Bianca Jankovska (@groschenphilosophin) wusste schon mit 13, dass sie schreiben will – und blieb dabei. Ihre Texte vermischen essayistische Reflexion und literarische Inszenierung, führen Lesende in intime Räume von Familie, Beziehungen, Sexualität bis Trauma. Nach dem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften folgte eine kurze Karriere als Journalistin in verschiedenen Medien und Anstellungsformen. 2018 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Das Millennial-Manifest“, 2020 folgte „Dear Girlboss, we are done“. 2024 erschien „Potenziell furchtbare Tage“ im Haymon Verlag. Heute spricht Jankovska noch immer am liebsten über feministisches L(i)eben und Popkultur auf ihrem substack (fuckgirl.substack.com) und auf ihrem YouTube-Kanal „Groschenphilosophin“. „Fuckgirl“ ist Bianca Jankovskas Debütroman.

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Community Reviews

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37 (37%)
2 stars
6 (6%)
1 star
2 (2%)
Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Ani.
351 reviews39 followers
June 6, 2024
“Nein, es gibt für den Großteil der Menschen keine gute Lohnarbeit, weil sie dabei ihre Autonomie und ihre Würde verlieren und nicht frei über ihren eigenen Körper verfügen können.”

Ich stimme vielen Gedanken, Tatsachen und Lösungsansätzen zum Thema Anti-Arbeit in Potenziell furchtbare Tage zu. Als armutsbetroffene Frau, die gerade um die Anerkennung ihrer Arbeitsunfähigkeit kämpft und fast am Dasein im Niedriglohnsektor zerbrochen wäre, beschäftige ich mich schon länger damit.

Leider ist dieses Buch aber auch voll von unnötigen, langweiligen Anekdoten. Die Autorin schreibt als unzufriedene Akademikerin, die von einem Luxusjob in den nächsten schlittert, oft von zuhause aus arbeiten, sich ihre Zeit frei einteilen und schreiben kann… und als alle Stricke reißen, studiert sie eben wieder. Immerhin (und da ist sie vielen Kolleginnen voraus) sieht sie ein, dass die meisten Menschen einen anderen Arbeitsalltag haben.

Sie wirkt leider dennoch maximal unsympathisch und ich frage mich, was dieser ganze “ich lasse alles raus, bin schonungslos ehrlich, beschönige nichts, mache mich nackig” Quatsch soll. Er hilft nicht, trägt nichts zur Debatte bei, sondern schadet sogar noch der Sache, weil sie wirklich jedes Klischee einer gelangweilten und völlig unreflektierten Akademikerin/Autorin erfüllt.

Ich will mehr Fakten, Forschung und Lösungen, dafür weniger immer gleiche Anekdoten von toxischen Großstadt-Frauen. Jedes Symptom von Erkrankungen der Autorin, ihre Gefühle zur Schwangerschaft, ihr Meltdown im Yogastudio, eine endende Freundschaft, ihre Aversion gegen saubere Recherche und das Akzeptieren von Grenzen… Nichts davon interessiert mich, weil es auserzählt ist.

Ich bin dafür, dass Akademis jetzt erstmal die Klappe halten, bis wir genauso viele Bücher mit Anekdoten von Menschen im Niedriglohnsektor und in Arbeitslosigkeit haben.

Und was hatte es eigentlich mit dem Vorwort und dieser ekligen Pick-up-Artist-mäßigen Mischung aus Komplimenten und Sticheleien gegen Teresa Bücker und ihr Buch (Alle_Zeit) auf sich?

Trotz meiner Kritik: Es gibt sehr, sehr gute Passagen, die ganz viele Menschen lesen sollten. Ist eben nicht immer alles so einfach oder schwarz und weiß.

“Nämlich, dass es keine einfache Heilung psychischer Störungen und Erkrankungen in einem Leistungssystem gibt, das uns psychisch krank macht.”

Amen.
Profile Image for Toniqu.
32 reviews1 follower
September 24, 2024
Maaaaan ich bin so enttäuscht von diesem Buch. Das Thema hat mich wirklich interessiert, der Klappentext und das Cover sind vielversprechend.

Das Buch soll angeblich essayistisch geschrieben sein, anekdotisch passt aber besser: Die Autorin schreibt sich wie in einem Tagebuch den Schmerz dieser Welt von der Seele, was für LeserInnen, die thematisch nicht bei null anfangen leider eher anstrengend als empowerned oder relatable ist. Es werden unzählige Themen aufgemacht, aber kaum richtig geschlossen, das hat mich beim Lesen beinahe nervös gemacht. Wenn ich Stress will, guck ich Lanz.
Nach den ersten 100 Seiten etwa wird dann fast erklärt, was Anti-Work überhaupt ist. Sinnvoller hätte ich es gefunden, am Anfang Ziele, Wünsche und Thesen aufzustellen und die dann argumentativ abzuarbeiten.

Was an dem Buch toll ist, ist, dass die Autorin kein Blatt vor den Mund nimmt und steile Thesen aufstellt, was ich immer sehr mutig und bewundernswert finde, weil sowas in der Regel automatisch Gegenwind bekommt, erst recht, bei Frauen.

Leider macht das nicht den wirren Inhalt und die unzähligen Anglizismen wett, wie „Meltdown Moments“, „Insta-Game“, „I really hit rock bottom“, „She lost it“ - Gänsehaut beim Lesen, leider nicht im Besten Sinne.

Das witzige: die meiste Kritik nimmt die Autorin zu Beginn selbst vorweg und begründet, sie wolle sich, passend zum Thema, nicht kaputt arbeiten für ein Buch. Sehr verständlich, macht das Leserlebnis dann aber auch nicht besser.
Etwas nach der Hälfte des Buchs schlägt die Autorin dann vor, Kapitalisten auszubeuten, indem man alle sechs Monate den Job wechselt, auf Arbeit solange die Eier schaukelt, bis man gekündigt wird und dann wieder von vorn beginnt.

Und ja, tja, das war dann der Moment, indem ich genau das mache, was die Autorin im Vorwort selbst vorschlägt. Ich lege das Buch weg und lese lieber Alle_Zeit von Teresa Bücker.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for ~•verena•~.
521 reviews9 followers
January 7, 2025
4 ⭐
Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, um mir selbst einen Gefallen zu tun...

- Potenziell furchtbare Tage: Über Anti-Work, Menstrual Health und das gute Leben, 00,01%

Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen, es war voller Gedanken zu Themen, die uns Millenials umtreiben. Ich kann vieles, was hier vorkommt, nachvollziehen.

Zitate, wie dieses sprechen mir einfach aus der Seele:
... die vielleicht für mich wichtigste Erkenntnis, die mir regelmäßig Hoffnung schenkt: Ich kann alleine so viel heilen, wie ich möchte – wenn das Umfeld nicht stimmt, bringt alles nichts...

- Potenziell furchtbare Tage: Über Anti-Work, Menstrual Health und das gute Leben, 75%


Besonders unterschreiben kann ich Jankovskas Äußerungen zum Thema Art of Living:
... Meine art of living ist, genügend Zeit zu haben, um über die Dinge nachzudenken, die mich interessieren. Zeit zu haben, um mir sinnlose Gedanken zu machen. Dafür verzichte ich auch auf anderes. Ich stagniere in manchen Bereichen meines Lebens – zugunsten meiner mentalen Gesundheit und persönlichen Freiheit...

- Potenziell furchtbare Tage: Über Anti-Work, Menstrual Health und das gute Leben, 81%

Definitiv eine Empfehlung als Lektüre zum aktuellen Zeitgeist.
Profile Image for Fania.
10 reviews
September 17, 2024
Das Buch ist eine unbefriedigende Mischung aus Fakten zur Menstruation, autobiografischen Anekdoten und Kritik am kapitalistischen System, die letztlich aber alle für sich zu kurz kommen. Wer sich mit irgendeinem der Themen schon mal auseinandergesetzt hat, lernt hier leider nicht viel Neues. Die Autorin beschreibt sich selbst als privilegiert, reflektiert aber gleichzeitig nicht wirklich viel über ihren Lebensweg oder ihren hohen Ausbildungsgrad. Stattdessen wird das Leben von allen queeren Personen allgemein als schwieriger eingestuft als das von sog. Cis-Frauen, die doch von Menstruation und all ihren Folgen tatsächlich „betroffen“ sind - hä?

Habe das Buch nicht zu Ende gelesen, aber wenigsten das Cover ist super.
Profile Image for Janina.
902 reviews82 followers
June 27, 2024
Gutes Cover, toller Titel, schönes Design. Meistens kurze Abschnitte, grundsätzlich zugänglich und ehrlich geschrieben. Thematisch dem Zeitgeist entsprechend, aber da ich schon einige Sachbücher mit ähnlicher Thematik gelesen habe, teilweise für mich wiederholend (gecancelt im Yogastudio; Erbschaften; The Great Resignation; Menstrual Leave; 4-Tage-Woche etc.). Die Teilabschnitte ‘Dysphoria County’, ‘Your therapist can’t end capitalism’, ‘Mein Zyklus ist nicht meine Superpower’, ‘Du, bitte wein leise’, ‘Aliens’ und ‘Intimacy’ haben mir sehr gefallen. Hier habe ich das erste Mal die Verletzlichkeit ehrlich gespürt. Ich mag, dass Jankovska andere Medien erwähnt, die sie auch u.a. konsumiert hat und diese mit einbringt. Auch gefällt mir gut, dass das Buch nicht hyperfokussiert ist, sondern etwas sprunghafter als sonst bei Sachbüchern, wie man halt wirklich denkt u.a. mit assoziativen oder gefühlten Zusammenhängen, die hier auch aufgenommen werden anstatt sich nur thematisch strukturiert abzuarbeiten. Leider hat Jankovska für mich nicht immer den richtigen Ton getroffen. Einige ihrer Formulierungen können sehr resolut und streng sein. Auch der Aufbau des Buches hätte mir anders besser gefallen. Die Struktur nach den drei Untertiteln des Buches (Menstrual Health; Anti-Work; das gute Leben) hätte für mich mehr Sinn ergeben als nach Gefühlen (Wut; Scham, Schmerz, Hoffnung etc.) und das FAQ zu PMDS hätte ich nach vorne gepackt.
Profile Image for Katys_bookworld.
133 reviews4 followers
June 27, 2024
Aufgrund des Titels könnte man meinen, es geht unter anderem um Menstrual Health. Hier schildert die Autorin jedoch nur ihren Weg bis zur Diagnose PMDS und der daraus resultierenden Probleme in der Arbeits- und Beziehungswelt.

Sie bezieht Stellung zu Themen wie Menstruationsurlaub, 4 Tage Woche und den bösen kapitalistischen Unternehmen. Die Erzählweise ist sichtlich neutral und spiegelt leider nur die Meinung der Autorin wieder. An für sich ist es eine Abrechnung mit den Arbeits-Strukturen, welche durchaus optimiert werden müssten.

Mich konnte das Buch nicht überzeugen, da es eher ein jammern auf hohem Niveau wiederspiegelt, welches die Arbeitsmoral der privilegierten Gesellschaft aufzeigt.

Mir fehlen hier Daten, Fakten und Erfahrungen aus der Unter- und Mittelschicht. Die Autorin schreibt es am Ende des Buches selbst: sie ist privilegiert. Einfach mal ein paar Monate ins Ausland gehen ohne zu arbeiten, kann sich nun mal nicht jeder leisten.

Warum ich trotzdem 3 Sterne gebe? Die Autorin hat einen mitreißenden Schreibstil, die angesprochenen Punkte sind durchaus wichtig und sind nicht komplett am Thema vorbei gegangen. Über die Themen Anti-Work und Menstrual Health könnte jedoch durchaus ausführlicher und interessanter geschrieben werden.
Profile Image for PiaReads.
352 reviews10 followers
April 1, 2025
Dank Netgalley und dem Verlag hatte ich die Möglichkeit, dieses E-Book zu lesen – und es hat definitiv einige Denkanstöße geliefert.

Bereits der Titel führte bei mir und anderen zu einem kleinen Lesefehler: Immer wieder lasen wir potenziell "fruchtbare" Tage statt "furchtbare" Tage. Ironischerweise passt das aber in gewisser Weise auch zum Thema, da das Buch sich intensiv mit Menstrual Health und dem Aussteigen aus der Lohnarbeitswelt beschäftigt.

Besonders wohltuend empfand ich die Kritik an der Leistungsgesellschaft. Endlich spricht jemand aus, wie wenig Raum Trauer, körperliche und psychische Belastungen oder schlichtweg menschliche Bedürfnisse in der modernen Arbeitswelt haben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Hinweis auf die Umweltbelastung, die durch unser Arbeiten als kleine Rädchen im kapitalistischen System entsteht.
Diese Perspektiven haben mir besonders gefallen, da sie verdeutlichen, dass es nicht nur um individuelle Erschöpfung, sondern um eine systemische Problematik geht.

Allerdings hatte ich stellenweise Schwierigkeiten, mit der Autorin warm zu werden. Ihre persönlichen Erfahrungen wirkten auf mich nicht immer greifbar oder nachvollziehbar. Gerade im Bereich Menstrual Health hätte ich mir etwas mehr inhaltliche Tiefe gewünscht. Die Abschnitte zu PMDS und die Kritik an der Verallgemeinerung von Zyklusphasen waren interessant, aber insgesamt hätte das Thema noch ausführlicher behandelt werden können.

Ein weiterer Wermutstropfen ist die geografische Begrenzung der Analyse. Während die Perspektiven aus Deutschland und Österreich ausführlich beleuchtet werden, fehlt eine Auseinandersetzung mit der Situation in der Schweiz. Das ist schade, denn wenn schon mehrere deutschsprachige Länder beleuchten, dann doch gerne gleich DACH.

Trotzdem: Wer sich für eine fundierte Kritik an unserem heutigen Arbeitsmodell interessiert und sich von der feministischen Anti-Work-Bewegung inspirieren lassen möchte, findet hier viele spannende Impulse. Das Buch bietet eine Mischung aus persönlichen Anekdoten und strukturellen Analysen – und auch wenn mir nicht alles zugesagt hat, bleibt es ein wichtiges und lesenswertes Werk.
Profile Image for Cheap.And.Cheerful.
430 reviews21 followers
June 30, 2024
"Denn die Realität hatte für viele Menstruierende, die ich kannte, nichts mit schnörkeligen Eileitern und süßen Leckereien zu tun, sondern mit teils wenig oder kaum erforschten, unsichtbaren Schmerzen und Krankheiten wie Endometriose, Myomen, PMS, PMDS, Gebärmutterhalskrebs und dem polyzistischen Ovarialsyndrom."

Bianca Jankovska hat ein Buch geschrieben, wo sie über ihre Erfahrungen mit Lohnarbeit in der Leistungsgesellschaft berichtet, diese in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext stellt und dazu noch stellenweise auf ihre PMDS-Erkrankung eingeht (Prämenstruelle Dysphorische Störung).
Das Buch ist unterteilt in die Kapitel Scham, Schuld, Wut, Schmerz und Hoffnung, die sich darunter befindenden Texte sind aber eher fragmentarisch und nicht unbedingt aufeinander aufbauend.

Das Buch liest sich insgesamt sehr subjektiv (was die Autorin im Vorwort auch voranstellt) und ist gespickt mit vielen persönlichen Anekdoten/Erfahrungswerten, doch auch Studienergebnisse oder internationale Vergleiche werden häufig angeführt, z.B. zur Vier-Tage-Woche oder Menstrual Leave.

Ich habe das Buch ganz gern gelesen und fand manche Ideen und Gedanken der Autorin sehr interessant - z.B. zur Selbstausbeutung durch Leistungsoptimierung, indem der Zyklus "genutzt" wird, zum Arbeiten mit Perfektionist*innen oder zum Umgang mit persönlichen Krisen im Joballtag.

Mit manchen konnte ich weniger anfangen, z.B. einigen persönlichen Erfahrungsberichten oder manchen Lösungsvorschlägen, die sehr an Privilegien orientiert waren.

Zudem hatte ich aufgrund des Untertitels und Klappentextes etwas andere Erwartungen an das Buch: ich hätte mir eher ein umfassenderes Bild gewünscht mit Blick auf Branchen, in denen viele Menstruierende arbeiten, die keine Bürojobs haben. Auch hätte ich erwartet, dass das Thema Menstruation (im Arbeitskontext) mehr besprochen wird, das kam mir etwas zu kurz.

CN: Selbstv3rletzendes Verhalten, Depr3ssion, Es$störung, B0dyshaming, Alkoh0lkonsum, Suiz1dalität, T0d, Trauma, Schwangersch4ftsabbruch, G3walt, Dr0genkonsum
Profile Image for Naraya.
283 reviews10 followers
June 22, 2024
Es muss sich etwas ändern an unserer Arbeitswelt, schreibt Journalistin und Autorin Bianca Jankovska in ihrem Buch „Potenziell furchtbare Tage“. Acht Jahre lang musste sie sich mit der Diagnose Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) durch ein Arbeitsleben quälen, das auf ihre persönliche Situation keine Rücksicht nahm. Emotionale Zusammenbrüche und Jobwechsel folgten aufeinander, bis sie bewusst aus den Zwängen der Leistungsgesellschaft ausstieg und einige Monate in Schweden verbrachte.

In insgesamt 5 thematischen Kapiteln, einem Vorwort sowie einem Intro und Outro setzt sich Bianca Jankovska mit unserer Arbeitswelt auseinander, analysiert die Ist-Situation und stellt Überlegungen an, wie es auch anders gehen könnte. Dabei geht sie stets sehr persönlich von sich selbst aus und gibt Einblicke in ihr eigenes (Gefühls-)Leben. Es geht um Ideen wie die 4-Tage-Woche, Menstruationsurlaub und generell das Thema Anti-Work, also den Gedanken, sich von Arbeitszwängen zu lösen ein gesünderes Verhältnis zur Arbeit zu finden.

Eines vorab: Ich bin grundsätzlich mit vielem einverstanden, was Bianca Jankovska vorbringt. Andere europäische Länder machen beispielsweise vor, dass sich die Leistungsfähigkeit sogar steigern lässt, wenn bei gleicher Bezahlung auf eine 4-Tage-Woche umgestellt wird. Was mir bei der Autorin jedoch fehlt, ist eine Vorstellung davon, wie das in bestimmten Bereichen ablaufen soll. Es mag in einem klassischen Büro einfach sein, auf ein solches Modell zu wechseln oder sich als Individuum einfach mal ein paar Menstrual oder Mental Health-Tage zu nehmen. Wie sieht das aber in prekären Arbeitsverhältnissen aus? Oder in Jobs, bei denen tägliche geplante Anwesenheit essentiell ist? Wer betreut dann unsere Kinder, versorgt uns medizinisch oder räumt unseren Müll weg?

Die Autorin schreibt es am Ende des Buches selbst: sie ist privilegiert. Und das wird auch deutlich, wenn man ihre Lösungsvorschläge sieht: einfach mal ein paar Monate ins Ausland oder sich ein „böses“ Unternehmen suchen, um dieses dann finanziell auszunutzen, ohne richtig zu arbeiten. Schade, hier hatte ich mir mehr erwartet.
Profile Image for Vika.
106 reviews1 follower
October 4, 2024
Ein Buch, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche - aber es definitiv tue. Es geht in "potenziell furchtbare Tage" (ngl., still reading it as "potenziell fruchtbare Tage") im prinzipiell um 3 Dinge: Anti-Kapitalismus, Anti-Work und Periode. Auch wenn vom Titel anders suggeriert, geht es meines Erachtens allerdings hauptsächlich um 2 (und die Einflüsse von 1 auf 3), wie Menschen dieses System umgehen können (Stichwort
bei großen Firmen anheuern und nichts tun), Gegenentwürfe dazu, für jene, bei denen alternative Arbeits- und Lebensweisen möglich sind, und politische und soziale Instrumente, wie es zukünftig (und jetzt bereits) anders gehandhabt werden könnte (sollte).

Es gibt einiges am Buch, das ich persönlich nicht gefeiert habe: der Einstieg fokussiert sich meines Erachtens ein wenig zu sehr (und deplaziert) auf die Autorin Teresa Bücker und ihr Buch Alle_Zeit (was sich mit ähnlichen Themen beschäftigen soll), der Unmut der Autorin zu Perioden-Influencer*innen scheint deutlich durch die Zeilen hindurch (m. E. zu harsch und teilweise deplatziert, auch wenn einiges an der Kritik natürlich wichtig und richtig ist) und zu guter Letzt wird unkritisch und ohne Einordnung Beatrice Frasl als "Schwesterautorin" erwähnt (welche sich in meiner feministischen Bubble keinen guten Namen gemacht hat).

Darüber hinaus fand ich das Buch einfach toll. Es war an vielen Stellen augenöffnend - da ich mich bisher nur wenig mit Anti-Work im Spezifischen beschäftigt habe -, hat mich zum Nach- und Umdenken angeregt, mich in Sehnsucht und Hoffnung suhlen lassen (vor allem in letzten Kapitel in Schweden und beim Hinzuziehen von Beispielen, wie es bereits jetzt anders ginge) und mich vor allem auch auf PMDS (die nachfolgende "Stufe" zu PMS) aufmerksam gemacht. Außerdem fand ich es sehr persönlich und mutig, da sie sich selbst nochmal kritisch reflektiert hat stellenweise, vor allem in Bezug auf ihr früheres Denken oder ihre früheren Bücher.

Ich kann mich zudem nicht daran, wann ich beim Lesen eines Buches jemals gedacht habe, "wir wären vermutlich gute Freundinnen geworden", einfach weil ihre Art zu Schreiben / Denken und sich Auszudrücken, so wertvoll ist und mich an Gespräche mit guten Freund*innen erinnert.

Im Nachgang bin ich Jankovska direkt überall gefolgt und freue mich auf weitere Bücher, Lesungen und Newsletter von ihr.

(Danke auch an Netgalley.de und den Haymon-Verlag für das Zurverfügungstellen des e-books!)
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