Ein Kartäusermönch soll im 18. Jahrhundert die Rezeptur für ein geheimnisvolles Wunderwasser erfunden haben – 4711 Echt Kölnisch Wasser. Als in Wien ein kleines Rollfläschchen mit dem Destillat auftaucht, beginnt eine weltweite Jagd nach dem Flakon: Seinem Inhalt werden übersinnliche Kräfte nachgesagt, wer es trinkt, erreicht ewiges Leben. Ausgerechnet der norwegische Botschafter muss als erster sterben, und Cheng, der einarmige Detektiv, kehrt zurück nach Wien. Sein Hund Lauscher trägt mittlerweile Höschen, hat sich aber trotz Altersinkontinenz ein dickes Fell bewahrt. Und das braucht auch Cheng für seinen dritten Fall in Heinrich Steinfests wunderbar hintergründigem Krimi.
Heinrich Steinfest was born in Albury, Australia in 1961, but grew up in Vienna, Austria, where he lived and worked as a freelance artist until the end of the 90's. He started out as a writer of science fiction stories before he published his first crime novel Das Ein-Mann-Komplott (The One Man Conspiracy) in 1996. He is currently living in Stuttgart, Germany, and received the German Crime Fiction Award several times as well as the Heimito von Doderer Prize in 2010. His book "Ein dickes Fell" (Thick-skinned) was longlisted for the German Book Award.
Nachdem ich die Bände 5 und 6 der Krimis um den Österreichischen Ermittler Markus Cheng begeistert gelesen habe, beginne ich mit diesem 3. Band, die Reihe vollständig zu lesen. Wie schon in den beiden von mir gelesenen Romanen versteht es der Autor gekonnt und auf wirklich amüsante Weise von der eigentlichen Handlung abzuschweifen, über Gott und die Welt zu philosophieren, sich über Randerscheinungen auszulassen und Geschehnisse erwähnenswert zu finden, die jeder andere außen vor gelassen hätte, man ist erstaunt, dass seine wunderbar aufgebauten Geschichten überhaupt jemals ein Ende nehmen. Aber genau diese Passagen machen die Steinfest-Romane aus. Das fand und finde ich einfach herrlich ! In diesem vorliegenden Roman, dem dritten und - wie der Klappentext behauptet - letzten Band seiner Reihe um den einarmigen Privatdetektiv Markus Cheng, hat er sich endlich mal richtig ausgelassen und vom Umfang her gleich das Doppelte des sonst üblichen vorgelegt. Dementsprechend lässt er sich auch viel Zeit zur Einführung der Personen, die in diesem Fall die tragenden Rollen übernehmen. Da ist zunächst einmal Kurt Smolek. Der hat vor allem eine Eigenschaft, die ihn zu einem idealen Protagonisten eines Steinfest-Krimis befähigt: er ist unauffällig. Smolek arbeitet als mittlerer Beamter im Stadt- und Landesarchiv in Wien. Aber Smolek geht darüber hinaus noch einer anderen Tätigkeit nach: er organisiert den Tod von bestimmten Menschen. Dabei ist er um Perfektion bemüht und hat zudem gewisse Prinzipien. So muss beispielsweise der zu Tötende seine Tötung selber finanzieren. Natürlich benötigt er auch Personal für die Durchführung seiner Aufträge. Dabei greift er nicht auf Fachleute aus der Unterwelt zurück, sondern sucht ebenso unauffällige Menschen wie er selbst. Und überraschenderweise hat er keine Probleme damit, Leute zu finden, die sich dafür begeistern lassen, einen Mord zu begehen. So wie zum Beispiel Anna Gemini, alleinerziehende Mutter eines behinderten 14-jährigen Sohnes, um den sie sich fürsorglich kümmert. Zusätzliche Einnahmen kann sie gut gebrauchen und sieht keine Schwierigkeiten darin, Menschen umzubringen. So wird sie zur Profikillerin. Ihr Sohn Carl begleitet sie überall hin. Schreitet sie zur Tat, sucht sie jemanden, der kurz auf Carl aufpassen kann. So viel Unverfrorenheit macht sie zusätzlich unverdächtig. Lange Zeit geht alles gut. Doch irgendwann - das war auch Anna Gemini klar - musste ihr ja mal jemand auf die Spur kommen. Dies geschieht im Fall des norwegischen Botschafters in Kopenhagen, den sie auf einer Kunstausstellung in Wien tötete. Von einem Mitarbeiter der norwegischen Regierung wird Markus Cheng beauftragt, in Richtung einer Frau mit einem behinderten Kind zu ermitteln, die kurz vor dem Mord mit dem getöteten Botschafter zusammen gesehen wurde... Was sich zu Beginn als "normale" Kriminalstory entwickelt wird im Lauf der Handlung immer dynamischer und das Geflecht der Zusammenhänge immer komplexer. Eingewoben sind ungewöhnliche Typen aller Altersklassen und Geschlechter, ein Geheimnis von Kölnisch Wasser und amüsanten philosophische Thesen, bei denen offen bleibt, ob man sich wirklich darüber Gedanken machen sollte. Auch das phantastische Element der Science Fiction kommt nicht zu kurz, dem Leser erwartet ein bis zum letzten Kapitel ansteigender Spannungsbogen - zugegeben eingefasst in einen Schreibstil, den ich als kunstvoll, detailliert, präzise und nicht arm an Pointen beschreiben würde. Wie jeder bisher gelesene "Steinfest" spannend und gleichzeitig phantastisch und amüsant...
Ich liebe diesen Autor zwar sehr, aber warum kann er nicht einmal einen spannenden Gesamthandlungstrang, der sich über das gesamte Buch langsam aufbaut, und sich in einem Finale löst, zusammenbringen. Fast sollte man ihm empfehlen, einmal ein Dramaturgieseminar zu besuchen. Ansonsten ist der Rest dieses Buchs wieder genial: Die Sprache, die liebevoll entwickelten Figuren (wie z.B. die Berufskillerin, die diesen Beruf wählt weil sie ihren behinderten Sohn zur Arbeit mitnehmen kann), der Humor, die treffende pathologische Sektion des Wieners bzw. der österreichischen Seele, und auch die Nebenhandlungsstränge. Aber leider verzetteln sich diese Nebengeschichten immer wieder und führen nie zu einem kompakten spannenden Gesamten und diesmal stört mich das wirklich sehr, weil es auch auf 600 Seiten ausgewalzt manchmal a bisserl mühsam ist.
Noch ein Zitat:" Dreissig Messerstiche mußten nicht immer auf Raserei zurückzuführen sein, sondern konnnten auch heißen, dass das Opfer selbst nach 20 Stichen noch zurückgeredet hatte."
Ach ja und noch eine Erkenntnis hat mir das Buch beschert - hab ich in der Realität zwar schon oft registriert war mir aber nie so bewußt und traf mich wie ein Paukenschlag - Wenn ein Österreicher bei einer Einladung unter Tags gefragt wird was er trinken will: Wasser, Limo, Bier, Wein schaut er auf die Uhr ob es schon zwölf Uhr Mittag ist.
Story: max 2 Punkte, war mir - im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden - dieses Mal zu sehr in die Länge gezogen, zu konstruiert. Vier Punkte allerdings für die wunderbar hintergründige Sprache!
Even wilder and crazier than the first two installments and, it must be said, at over 600 pages, longer than it needed to be. Still, full of the fun, philosophizing and occasional wisdom I've come to expect from Cheng.
Beurteile nie ein Buch nach dem Titel. Der süße Hund hat mich verführt. Das Buch dagegen nicht. Jedes Buch hat eine Chance verdient, bei mir heißt es 1/3 der Seiten . Ich habe sogar mehr als 200 Seiten geschafft, aber es hat mich einfach nicht gefangen. Ich habe keine Lust mich die restlichen , knapp 300, Seiten zu Quälen, denn selbst wenn der Schreibstil ganz ansprechend ist...die Geschichte ist es nicht.