Sehr wertvoll und hilfreich - wenngleich etwas technisch und meiner Meinung nach etwas zu minutiös... Grundsätzlich eine geniale Idee, Leiter aus der Bibel, aus Geschichte und Gegenwart zu betrachten und Muster oder Prinzipien davon abzuleiten, um von ihnen zu lernen. Meine Notizen:
Die Definition
Leiterschaft ist ein dynamischer Prozess, in dem jemand mit den von Gott gegebenen Fähigkeiten und Verantwortungen eine bestimmte Gruppe von Menschen gemäß den Absichten Gottes mit dieser Gruppe beeinflusst.
Das Grundmuster des Werdegangs eines Leiters (Kapitel 1-2)
Clinton betrachtet nach Hebräer 13,7-8 den Werdegang geistlicher Leiter an, analysiert ihn mittels einer Zeitachse und erkennt daraus 5-6 Phasen, die ein Grundmuster bilden:
Die konkreten Phasen
(1) Souveräne Grundlagen - Durch Vorsehung webt Gott Grundlagenfaktoren in das Leben des angehenden Leiters ein (Persönlichkeitsmerkmale, Erfahrungen, Familie, Ereignisse, Umfeld, etc) um ihn vorzubereiten.
(2) Inneres Wachstum - Meist durch formlose Schulung (zB in Verbindung mit einem Dienst in Ortsgemeinde oder christl. Organisation: durch Nachahmungsmodelle, learning by doing, formlose Ausbildungen und Mentoren), manchmal auch formelle Schulungen (Bibelschule, theol. Seminar) erzieht und formt Gott das Herz (Wesen) des Leiters (auch durch Prüfungen, die den Charakter bilden: Lernt er Lektionen nicht, muss er die Prüfung wiederholen. Besteht er sie, erweitern sich Dienstmöglichkeiten und Verantwortungen). - Diese Phase wird oft gerne übersprungen!
(3) Dienstreife - Der Leiter tritt in einen Dienst ein, der für ihn die Hauptausrichtung seines Lebens bedeutet, setzt sich für andere ein und lernt so seine Gaben/Fähigkeiten noch besser zu gebrauchen. (Weitere Schulungen geschehen dabei einfach nebenher und oft unbeabsichtigt. Viele Lektionen betreffen seine Beziehungen zu anderen oder die Unzulänglichkeiten in seinem eigenen Leben. Der Dienst geschieht aus dem Wesen/Charakter heraus.)
(4) Lebensreife - Der Leiter erkennt und gebraucht seine Gabenkombination mit Kraft. Reife Fruchtbarkeit ist erkennbar; der Dienst erfüllt den Leiter. Gott wirkt durch den Leiter, indem Er sich des Nachahmungsmodells bedienst (Heb 13,7-8: Gott gebraucht unser Leben und unsere Gaben, um andere zu beeinflussen). Dienstprioritäten werden gesetzt (was tun? was lassen?). Sein Charakter wird abgeklärter, sanfter und reifer. Gemeinschaft mit Gott wird wichtiger als Erfolg im Dienst. Dadurch gewinn der Dienst an Relevanz und Fruchtbarkeit.
(5) Konvergenz - Gabenkombination, Erfahrung und Temperament werden zu einem harmonischen Ganzen. Das Beste, das ein Leiter zu bieten hat, wird aus ihm herausgeholt, unter anderem weil er aus Diensten befreit ist, für die er keine Gabe oder Neigung hat und Gott ihm eine Rolle anvertraut, die ihm entspricht. (Nur wenige Leiter erfahren diese Konvergenz da sie in Rollen gepresst werden, die ihrer Gabenkombination hinderlich sind oder nicht aus ihrem Sein heraus dienen.)
(6) (Nachklang) - Wenige erreichen diese Zeit der Anerkennung und des indirekten Einflusses nach ihrem lebenslangem Dienst. Wenn doch, dann beeinflussen sie durch Beziehungen, sind Zeugnis beständiger Treue und Nachfolge Gottes und haben einen Schatz an Weisheit und Erfahrung, der anderen zum Segen und Nutzen ist.
In den Phasen 1-3 wirkt Gott hauptsächlich am Leiter selbst (nicht durch ihn). „Charakterbildung kommt vor dem Dienst.“ Schaut der Leiter nur auf Produktivität und Aktivitäten, kann ihn das frustrieren (während Gott doch in ihm am Werk ist und ihn lehrt, aus dem Sein heraus zu dienen).
Die Übergänge von einer Phase zur nächsten können durch Krisen, Beförderungen, neue Dienste, ungewöhnliche Erlebnisse, lebensverändernde Begegnungen, göttliche Führung oder einen Umzug gekennzeichnet sein.
Das Grundmuster hilft mir, meine eigene Entwicklung besser einzuordnen und zu sehen, auf was es in dieser und der nächsten Phase besonders ankommt.
Grundlagen-Lektionen (Kapitel 3)
Gott gebraucht vor allem in der zweiten Phase drei verschiedene Arten von Prüfungen um die Intentionen eines werdenden Leiters zu prüfen: Integritäts-Checks bestehen aus einer Herausforderung (zB Versuchung, Verfolgung, Festhalten an Werten, Loyalität, Wiedergutmachung, etc.), der Reaktion darauf und der daraus resultierenden Erweiterung des Dienstes (vgl. Daniel 1). Durch Gehorsams-Checks prüft Gott die Reaktion eines Leiters auf offenbarte Wahrheit (vgl. Abraham in 1. Mose 22„Gehorsam wird zuerst gelernt, dann gelehrt“); bestanden führen auch sie zu persönlichem Wachstum. Wort-Checks prüfen, ob jemand Gottes Wahrheit verstehen, aufnehmen und im Leben anwenden kann (vgl. 1. Samuel 3). Diese Tests sind nötig, da Integrität eine fundamentale Voraussetzung für effektive Leiterschaft ist; sie muss schon früh im Charakter eines Leiters ausgeprägt sein.
Das Kapitel über die „Checks“ ist eine gute Erinnerung daran, dass Versuchungen und Prüfungen mich entweder bei Bestehen weiterbringen oder bei Misserfolg zurückwerfen; ich gehe jedoch nie unverändert oder neutral aus solchen Prüfungen heraus. → Das hilft (Jak 1,2-4), freudiger auf Prüfungen jeglicher Art zu reagieren (anstatt über ihr Aufkommen verwundert zu sein oder sie ausschließlich als Last zu werten).
Dienst (Kapitel 4-5)
Diese dritte Phase kann in vier Teile aufgeteilt werden:
1) Eintritt: Durch einen von Gott (durch andere Menschen oder innere Überzeugung) gegebenen konkreten Dienstauftrag (zB: Hauskreis-Leitung, Freizeit-Planung, etc.) und den Dienstappell (wieder entweder von außen oder aus Eigeninitiative). Treue in kleinen Verantwortungen ist ein Hinweis auf wahrscheinliche Treue in größeren Verantwortungen (Lukas 16,10). Die Entwicklungskurve eines Leiters kann sich verflachen, wenn er seine Eigeninitiative verringert, Appelle und Aufgaben häufig ablehnt, oder keine neuen Fähigkeiten mehr erlernen („bequem mit schon gelerntem dahingleiten“).
2) Schulung: Der Leiter eignet sich eine oder mehrere Fähigkeiten an, die ihm helfen, seine Aufgabe zu erledigen (durch die Ausübung eines Dienstes, informelles oder formelles Studium) und entdeckt und setzt seine geistlichen Gaben ein.
3) Umgangslehre/Beziehungen: Um eine Gruppe von Menschen in eine von Gott gegebene Richtung zu führen (= Leitung), muss der Leiter den rechten Umgang mit Menschen - besonders mit Autoritäten - erlernen. Wem es schwer fällt, sich Autoritäten unterzuordnen (Menschen, die Gott autorisiert), wird es auch schwer haben, geistliche Autorität auszuüben. Nicht selten lernen wir diese Lektion durch Konflikte oder Rückschläge, bei denen wir Gottes Führung erkennen müssen und sie in den Dienst einfließen lassen.
4) Unterscheidungskraft: Der Leiter muss die geistliche Realität wahrnehmen (vgl. geistl. Kampfführung) lernen und im Dienst von der Kraft Gottes abhängig sein. Diese Abhängigkeit erkennen wir durch Gebets- (vgl. Gebet als Erleichterung/Vorrecht, nicht als Last) und Glaubensappelle (Situationen, die uns ins Gebet treiben und unseren Glauben herausfordern). Um sich weiterzuentwickeln muss der Leiter lernen, Gottes Herausforderungen zu erkennen. Bestätigungen ermutigen und bestärken den Leiter in seinem Dienst, während ein Dienstverständnis (Philosophy of Ministry), welches gelernte Lektionen einbezieht, eine Grundlage für zukünftige Entscheidungen bildet.
Führung (Kapitel 6)
Gottes persönliche Führung ist in allen Lebensphasen eines Leiters wichtig, da er nur dadurch die ihm anvertrauten Menschen gemäß Gottes Absichten leiten kann. Gott führt häufig durch Personen, die zur rechten Zeit im Leben des Leiters auftreten, durch doppelte Bestätigung (Gott macht seinen Willen durch mehr als eine Quelle deutlich, vgl. Apg. 9 oder 10), durch negative Vorbereitungen/Erfahrungen in der aktuellen Situation (Achtung: Nicht als Flucht aus unangenehmer Situation missbrauchen!) und durch göttliche Bestätigungen (welche die Wichtigkeit des Dienstes des Leiters in Gottes großem Plan aufzeigt). Durch das Lesen und Verarbeiten von Literatur erspart sich der Leiter, manche Lektionen über Jahre hinweg aus eigener Erfahrung zu lernen; durch das Lesen der Bibel wird der Leiter oft maßgeblich beeinfluss; auch Krisen und Konflikte benutzt Gott im Leben eines Leiters um ihm (trotz negativer Erfahrungen) positive Lektionen zu lehren.
Achtung: Leiter neigen dazu, Entscheidungen ungeduldig und trotz Unklarheiten über Gottes Willen und Führung zu treffen (zB durch Doppelbestätigung oder überwältigende Übereinstimmung regulärer Führungsfaktoren).
Dass Gott Personen, Situationen und positive sowie negative Erfahrungen benutzt, um Menschen zu führen und zu leiten, ist eine große Ermutigung für mich. Eigene Erlebnisse, auch Entmutigungen, können so besser eingeordnet werden und überhaupt hilft es, zu wissen, dass Gott Konflikte, Herausforderungen, Krisen auch bei anderen Dienern Gottes (Bibel und Geschichte) verwendet hat, um ihren Charakter zu formen und sie für den weiteren Dienst vorzubereiten. Solche Situationen und Erlebnisse sind also mitunter Zeichen des Wirkens und Arbeitens Gottes an mir; nicht wie tendenziell gefühlt oder angenommen das Fernbleiben Gottes.
Lebensreife (Kapitel 7)
Reifer Dienst ergibt sich aus einem reifen Charakter; und dieser entsteht durch schwierige Prozesse, die viele Leiter leider durchmachen, ohne ihren Segen zu erkennen. Bei geistlichen Größen der Vergangenheit ist festzustellen, dass es „durchschnittlich 15 Jahre dauerte, bis sie Jesus als ihr Leben kennenlernten, sodass sie aufhörten, für ihn zu arbeiten und ihn stattdessen als ihr Ein und Alles anerkannten, der nun sein Werk durch sie tat.“ Gott gebraucht daher Isolation (Trennung von normalen Aktivitäten/Diensten aufgrund Krankheit, Gefangenschaft, Bildung/Schulung, etc) in der der Leiter Aspekte seiner Gottesbeziehung neu oder tiefer erfährt und wichtige Leiterschaftslektionen erlernt, die er im normalen Stress des Dienstes nicht lernen könnte. Konflikte und Lebenskrisen treiben uns entweder von Gott weg oder tiefer in seine Gemeinschaft und Abhängigkeit. Geistliche Autorität ist dabei kein Ziel, sondern ein Nebenprodukt, denn der Leiter trachtet nicht nach geistlicher Autorität, sondern danach, Gott zu erkennen - Autorität resultiert dann aus seiner Erfahrung mit Gott.
Das Dienstverständnis (Philosophy of Ministry) (Kapitel 8)
Ein klares Dienstverständnis dient als Richtlinie (bzw. Rahmen/Maßstab) für die Entscheidungsfindung, die Bewertung des Dienst und einzelnen Ideen und die Ausübung des Dienstes. Dieses Dienstverständnis besteht aus Ideen, Prinzipien und Werten, die ein Leiter in einzelnen Lektionen gelernt hat. Effektive Leiter bewahren immer eine lernfähige Haltung, entwickeln ein Dienstverständnis (Werte, Methodik, Motivation und Ziele), das biblischen Prinzipien sowie ihren Gaben und Entwicklungen und den Herausforderungen der Zeit entspricht, und können einen Großteil dieses Verständnisses in Worte fassen. Dies geschieht, wenn wir Prinzipien identifizieren, diese in Kategorien gruppieren (Charakter, Diensttätigkeit, Motivation, Beziehungen, etc.) und auf offensichtlich fehlende Kategorien achten.
Herausforderungen an Leiter (Kapitel 9)
Jeder Leiter ist dafür verantwortlich, sein ganzes Leben lang weiter zu wachsen um sein Potential voll auszunutzen.
Leiter müssen sich des Wirkens Gottes an angehende Leitern bewusst sein und bereit sein, sich einspannen zu lassen um ihre Entwicklung zu fördern.
Um nicht aus dem Dienst auszusteigen oder auf einer Ebene zu verflachen, müssen Leiter sich ein Dienstverständnis erarbeiten (s. Kap 8).