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Gesammelte Schriften I.

Band 1 der Gesammelten Schriften‹ enthält früheste Texte – überwiegend Novellen und tagebuchartige Aufzeichnungen – , die Horkheimer während des Ersten Weltkriegs verfaßte. Horkheimer selbst hat noch kurz vor seinem Tode die Wiederveröffentlichung dieser Schriften befürwortet und ihre Anordnung autorisiert.
Literarisch sind die Novellen dem Jugendstil und dem Expressionismus verpflichtet, jedoch werden auch schon, trotz Sinnlichkeit und Fabulierlust, die didaktischen Züge des späteren Werks in ihnen kenntlich. Die Texte entstanden zu einer Zeit, da Horkheimer noch nicht an ein Studium geschweige an eine akademische Karriere dachte. Seine philosophische Bildung war höchst fragmentarisch, die Form der wissenschaftlichen Abhandlung stand ihm noch nicht zur Verfügung. Um so erstaunlicher ist, wie ausgeprägt sich bereits hier die für die Kritische Theorie kennzeichnende geistige Spannung radikale Kritik an den bestehenden sozialen Verhältnissen, aber Pessimismus und Trauer in bezug auf die Welt als Ganzes. Schon für den jungen Horkheimer löste sich diese Spannung jedoch nicht in einer bequemen, weil folgenlosen Skepsis, sondern in der von Schopenhauer übernommenen Forderung, wider das unbarmherzige Ewige dem Zeitlichen beizustehen .

Paperback

Published January 1, 1988

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Max Horkheimer

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Max Horkheimer (1895–1973) was a leader of the so-called “Frankfurt School,” a group of philosophers and social scientists associated with the Institut für Sozialforschung (Institute of Social Research) in Frankfurt am Main. Horkheimer was the director of the Institute and Professor of Social Philosophy at the University of Frankfurt from 1930–1933, and again from 1949–1958. In between those periods he would lead the Institute in exile, primarily in America. As a philosopher he is best known (especially in the Anglophone world), for his work during the 1940s, including Dialectic of Enlightenment, which was co-authored with Theodor Adorno. While deservedly influential, Dialectic of Enlightenment (and other works from that period) should not be separated from the context of Horkheimer's work as a whole. Especially important in this regard are the writings from the 1930s, which were largely responsible for developing the epistemological and methodological orientation of Frankfurt School critical theory. This work both influenced his contemporaries (including Adorno and Herbert Marcuse) and has had an enduring influence on critical theory's later practitioners (including Jürgen Habermas, and the Institute's current director Axel Honneth).

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Profile Image for Basti Moods.
90 reviews11 followers
March 23, 2026
Wie Alfred Schmidt in seinen Nachworten schreibt, zeigt sich in den Novellen und Tagebucheinträgen des jungen Horkheimers viele Anzeichen seiner späteren Kritischen Theorie. Das allgemeine Leiden des Menschen, die Sinn- und Wahrheitssuche, der tierische Aspekt des Menschen und die gleichzeitige Sehnsucht nach einem besseren Leben kommt fast in jedem Text vor. Vor allem der Bezug auf den Krieg seit 1914 ist omnipräsent und lässt Horkheimer mit guten gründen an den Vernunft des Menschen zweifeln.

Die Widersprüchlichkeit der kapitalistischen Moderne die Horkheimer als Fabrikantensohn einerseits Glück und Wohlstand bescherten, waren ihm wenig Wert, da er erkannte, dass diese nur mit dem Leid von Millionen armer Menschen zu haben sind. Diese Last der der Kinder der reichen bürgerlichen Familien macht Horkheimer zu schaffen. Die bürgerliche Gesellschaft schafft die Möglichkeit von Glück, welche sie aber nie gänzlich Einlösen kann. Die Solidarität gilt daher den Unglücklichen, während die schlechte Gesellschaft weiter existiert, für die Horkheimer keine wirkliche Chance der Veränderung sah (vgl. 31; "ohne Aussicht auf Befreiung" (168)).

Auch werden bereits judenfeindliche Tendenzen in der deutschen Bevölkerung angesprochen. Juden werden als Sündenbock für alles unverstandene Leid verantwortlich gemacht. So ein verbitterter Fabrikarbeiten in einer Novelle: "für die Reichen hungern wir... Juden streichen den Profit aus unseren Wunden" (295)

Ein sehr wichtiger Moment der Horkheimerschen kritischen Theorie ist bereits in den ersten Texten deutlich zu erkennen: Vergangens Leid kann auch nicht im Kampf für eine bessere Zukunft (bzw. wenn diese erreicht ist) wieder zurückgenommen oder gerechtfertigt werden. Es bleibt unveränderbares Leid, dass er mit egal welcher Einrichtung der Wirklichkeit immer als unhintergehbaren Bestandteil der menschlichen Existenz sieht. "Und wenn alles sich wendet und keiner mehr herrschaft und Gleichheit ist und Brüderlichkeit, dann ist doch Gregor zu Tode gequält, dann ist doch Margot wahnsinnig; Schandfleck haftet auf der Menschheit..." (270). Oder: "Mit dem Toten fühlt er Gemeinschaft, mit dem gequälten Toten, den er jetzt begreift, dessen Rachsucht schreit aus ihm selbst." (329)

Wenn man will, kann man hier das spätere Programm der kritischen Theorie herauslesen, die den Fokus auf die immanente Kritik der Totalität legt und gleichzeitig einen unbegründeten Utopismus ablehnt, der keine gesellschaftliche Substanz hat: "Wir müssen unsere Maximen bilden nach dem, was ist, und nicht, nach dem, was sein sollte; und das, was ist, zu erforschen, das heißt, in uns selbst und in die Welt hineinblicken und zu ergründen, was wir demgemäß tun müssen, ist eine Aufgabe, die ein Dasein füllt." (61) Oder: "Du suchst eine Änderung Deiner Umgebung und kennst sie gar nicht..." (139)

Das eigene partikulare Glück das Horkheimer nicht aushalten kann, da es nicht allen zugute kommt, betont zum Schluss auch nochmal A: Schmidt: "Das in der Familie erfahrene Glück entfacht in ihm unausrottbar den Gedanken der Gerechtigkeit: so sollte menschliches Leben überhaupt sein. [...] Sosehr gerade der junge Horkheimer, dem kaum ein Genuß versagt geblieben sein dürfte, dieser großbürgerlichen Sphäre verhaftet ist - seine literarischen Versuche sind objektiv gegen die Interessen der eigenen Klasse gerichtet." (371)
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