Mit gerade vierzehn Jahren hört Jeanne d'Arc zum ersten Mal Stimmen, hat sie Visionen. Engel und Heilige befehlen ihr, Frankreich von den Engländern zu befreien. Schon mit sechzehn Jahren verlässt sie daraufhin ihre Familie. Ihr Aufstieg ist legendär: Vom einfachen Bauernmädchen zur charismatischen Heeresführerin, bis zur zutiefst Gedemütigten, die schließlich mit kaum neunzehn Jahren als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. In diesem historischen Roman bleibt man ganz nah an der Protagonistin – ihre Kompromisslosigkeit und Entschlossenheit wird junge Leserinnen mitreißen.
Jeanne d´Arc lebt mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern in Domrémy / Frankreich. Es ist ein hartes und oft entbehrungsreiches Leben. Mit 13 Jahren hat Jeanne ihre ersten Visionen und hört Stimmen. Die Heilige Margareta und die Heilige Katharina sowie der Erzengel Michael sprechen zu ihr. Jeanne soll den Dauphin nach Reims bringen, damit er zum König gekrönt werden kann. Frankreich soll von den Engländern befreit werden, damit endlich Frieden herrschen kann. Es ist kein leichter Weg, den Jeanne d´Arc zu beschreiten hat, denn natürlich glaubt ihr zunächst niemand. Wie kann auch ein junges Mädchen den Frieden nach Frankreich bringen, wo der Krieg schon seit gut 100 Jahren andauert!? * Mein Leseeindruck: Die Geschichte von Jeanne d´Arc kennt beinahe jeder oder hat zumindest schon mal von ihr gehört. Doch sind es meist nur geschichtliche Daten, die man in der Schule lernt, und die sind oft trocken und langweilig. Dieses Buch ist ganz anders! Weder trocken noch langweilig wird die Geschichte von Jeanne d´Arc erzählt. Man kommt ihr nahe, lernt das Mädchen Jeanne kennen, das doch nur ihrem Gott dienen und gehorchen möchte. Mich hat die Geschichte von Jeanne d´Arc, so wie Ursula Flacke sie hier erzählt, sehr beeindruckt. Von der ersten bis zur letzten Seite war das Buch spannend und interessant, dazu noch sehr lehrreich und informativ. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und im Anhang finden sich etliche Zitate u.a. aus dem Inquisitionsprozess von 1431. Das Buch richtet sich an jugendliche Leser, aber es kann durchaus auch von erwachsenen Lesern gelesen werden! Ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen, denn mich hat dieser Roman wirklich sehr beeindruckt.
Charaktere: 3/5 Viele Charaktere haben ähnliche, oder sogar die gleichen, Namen, was anfangs etwas verwirrend war. So gibt es, zum Beispiel, eine hohe Anzahl an Charakteren mit dem Namen Jean, oder auch zwei Jaques, aber diese haben entweder keine tragende Rolle oder werden von der Autorin geschickt geändert, sodass keine Verwechslungen in Frage kommen können. Die Protagonistin selbst, Jeanne d'Arc, ist mir von Anhieb sehr sympathisch gewesen. Leider waren die meisten anderen Charaktere sehr flach und stereotypisch. Die sogenannten Freundinnen von der Hauptperson haben demnach keine Gemeinsamkeiten mit ihr und reden kaum miteinander. Da fragt man sich dann schon, warum sie überhaupt befreundet sind. So kann auch schwer eine emotionale Bindung entstehen, selbst wenn zukünftige Charaktere für einen langen Zeitraum dazustoßen, aber Instafreundschaften entstehen, die schwer nachvollzuziehen sind. Was aber positiv herausfällt, ist der starke Fokus auf die Beziehung zu den Eltern und Geschwistern von Beginn an und auch durch die gesamte Geschichte hinweg. Interessant war auch die Integration von realexistierenden Personen wie Talbot, Gilles de Rais oder Charles VII.
Atmosphäre: 5/5 Man taucht sofort in die Welt ein, die sehr belebt, groß und glaubwürdig wirkt. Auch die Verwendung vieler französischer Begriffe und Sätze kommt Atmosphäre auf. Da kann das Mittelalterherz direkt aufgehen!
Schreibstil: 3/5 Der Schreibstil wirkt sehr detailliert und langsam zu Beginn durch zahlreiche Naturbeschreibungen und Worldbuilding. Nach den ersten Kapiteln geht es dann aber doch sehr rasant und actionreich zu. Vereinzelte Rechtschreibfehler bringen einen nicht aus dem Lesefluss. Was ich schade fand, ist, dass das Aussehen der Charaktere kaum bis gar nicht beschrieben wurde, höchstens mal die Kleidung die getragen wird. Letzten Endes ist es aber auch immer noch ein Jugendbuch und daher sehr einfach, jugendlich und prägnant formuliert. Hier ein Vergleich aus dem Originalquelle und der Abänderung durch die Autorin: „Wenn sie wirklich vorhat, mit Soldaten davonzugehen, sollen Pierre und Jean sie vorher in der Meuse ertränken. Und wenn sie es nicht wagen, werde ich sie mit eigener Hand ersäufen!“
„Wenn ich glauben müsste, dass das, was ich geträumt habe, geschieht, so wollte ich, dass ihr sie ertränktet, und wenn ihr es nicht tätet, so ertränkte ich sie selbst.“
Handlung: 3/5 Historische Geschichten faszinieren mich immer. Die Chronik am Ende hilft für den größeren geschichtlichen Zusammenhang. Dabei wird klar, dass die Handlung sehr spät anfängt und die letzten 2 Lebensjahre der Hauptperson aufzeigt. Ohne jegliches Vorwissen ist es dennoch etwas schwieriger und unverständlicher in die Geschichte einzutauchen, aber ich gehe mal davon aus, dass man, wenn man ein Buch über Jeanne d'Arc liest, ein Grundverständnis über die Person und die soziohistorischen Umstände mitbringt. Die Ereignisse überstürzen sich immer wieder und vieles, was als irrelevant für die Haupthandlung angesehen wird, wird gekürzt oder sogar übersprungen, wohl um der potenziellen Langeweile der Leserzielgruppe entgegenzuwirken. Dabei werden dann, zum Beispiel, ein zweiwöchiger Gasthausaufenthalt auf einer Seite abgehandelt oder die Geburt eines Kindes aus Jeanne's Familie, bei der sie auch anwesend war, komplett übersprungen. Direkt nach "Hol die Hebamme!" wird der Satz "Nur wenig später kam der erlösende Schrei“ geschrieben, was doch etwas zu schnell wirken kann. Diese Verkürzungen oder direkten "Lücken" im Geschehen können von Zeit zu Zeit etwas verwundern, wenn Reisen nicht geschildert werden und Jeanne plötzlich an einem ganz neuen Ort ist, oder wenn von neuen Bekanntschaften nur berichtet wird, der Leser aber nichts direkt davon mitbekommt. Das zweite Drittel des Buches ist gefüllt mit Kämpfen, aber auch vielen Wiederholungen was eben diese betreffen, da die Protagonistin von Stadt zu Stadt zieht und dort entweder kämpft oder empfangen wird, daraufhin betet, wartet, etwas isst, sehr ähnliche Reden hält, und weiterzieht. Die Abwechslung wird dann wieder im letzten Drittel des Buches aufgenommen, und ich sogar auf den letzten Seiten emotional ergriffen war.
Logik: 4/5 Soweit ich das beurteilen kann, wirkte die Geschichte sehr logisch und historisch akkurat. Auch die Darstellung der Schizophrenie war gut, und die historischen Hintergründe wurden bereits von der Autorin in der Chronik, Personenbeschreibung, und Zitateinfügungen aus Originalverzeichnissen angeführt. Das Einzige, was mich etwas gestört hat, war die Tatsache, dass Jeanne von allen von Anfang verehrt wird, und selbst skeptische Personen plötzlich ohne guten Grund auf einmal die engsten Vertrauten werden. Es wirkt auch so, als ob alles immer auf magische Weise gut für sie ausgeht, wobei man da eben auch sagen muss, dass genau das auch natürlich gewollt ist, weil das auch mit einer der Gründe ist, warum es so tragisch für sie endet.
Spaß: 5/5 Meinem persönlichen Lesevergnügen kann ich nichts Negativem hinzufügen. Ich hatte immer Freude daran, wenn ich das Buch gelesen habe, bin schnell und unkompliziert voran gekommen, und habe mich immer darauf gefreut, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. Eine leichte, aber interessante, Lektüre, die ich gerade gebraucht habe.
Covergestaltung/Design: 4/5 Das Cover selbst ist nicht sehr ansprechend, aber auch nicht zu kitschig, dass man es als hässlich bezeichnen könnte. Die Innengestaltung ist jedoch sehr sehr schön mit den farbigen Karten der Orte und des Landes selbst, des ausführlichen Personenregisters, der übersichtlichen Chronik über Jeannes Leben, und des umfangreichen Index', die zum Leseerlebnis erheblich betragen und die realen Bezüge verdeutlichen. Die Kapitelanfänge sind dafür zwar nicht besonders, und es gibt auch keine ausfallenden Absatzübergänge oder Illustrationen im Fließtext, aber das sind durchaus kleine Spielereien, die nicht notwendig sind.