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Königsallee

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Sommer 1954: Thomas Mann kommt zusammen mit seiner Frau Katia nach Düsseldorf, um aus dem «Felix Krull» zu lesen, der sich zum Bestseller entwickelt. Im selben Hotel, dem «Breidenbacher Hof», ist gleichzeitig Klaus Heuser, auf Heimaturlaub aus Asien, mit seinem Freund Anwar abgestiegen, ein Zufall, der es in sich hat. Denn Klaus Heuser, den er 1927 kennengelernt hatte, gehört zu Thomas Manns großen Lieben. In der Figur des Joseph hat er ihm ein Denkmal gesetzt. Nun sorgt die mögliche Begegnung der beiden für größte Unruhe, zusätzlich zu dem Aufruhr, den der Besuch des ins Exil gegangenen Schriftstellers im Nachkriegs-Deutschland ohnehin auslöst. Erika Mann mischt sich ein, Golo Mann und Ernst Bertram verfolgen ihre eigenen Ziele, und die Honoratioren der Stadt ringen um Haltung. Dazwischen die ewigen Fragen der Literatur, nach Ruhm und Verzicht, der Verantwortung des Künstlers und dem Preis des eigenen Lebens, nach dem Gelingen und Rang.
Anschaulich und dezent, auf der Folie realer Vorkommnisse und bisher unbekannter Dokumente, dabei mit einem Anklang an «Lotte in Weimar», lebendig und kenntnisreich, atmosphärisch und voll sprechender Details und unvergesslicher Figuren erzählt Hans Pleschinski in diesem großen Roman von Liebe, Verantwortung und Literatur – und von den 50er-Jahren in Deutschland.

388 pages, Hardcover

First published July 12, 2013

4 people are currently reading
93 people want to read

About the author

Hans Pleschinski

31 books5 followers
Hans Pleschinski, geboren 1956, lebt als freier Autor in München. Zuletzt erhielt er u.a. den Hannelore-Greve-Literaturpreis (2006), den Nicolas-Born-Preis (2008) und wurde 2012 zum Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich ernannt. Hans Pleschinski ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste.

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Community Reviews

5 stars
14 (15%)
4 stars
38 (43%)
3 stars
22 (25%)
2 stars
12 (13%)
1 star
2 (2%)
Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Michael.
1,613 reviews210 followers
March 20, 2020


KÖNIGSALLEE hat mir sehr gut gefallen. Pleschinski beschreibt die fiktive Wiederbegegnung zwischen Thomas Mann und seiner Jugendliebe Klaus Heuser anlässlich des Besuchs des 79-jährigen Nobelpreisträgers 1954 in Düsseldorf, wo Mann aus dem FELIX KRULL liest. Humorvoll und im Stil Thomas Manns geschrieben, orientiert sich KÖNIGSALLEE im Aufbau wesentlich an LOTTE IN WEIMAR; überhaupt wird viel aus dem Werk von Thomas Mann zitiert, manches offenkundig, manches verdeckter. Das Wiedererkennen von Themen, das Erinnern von Namen macht naturgemäß Freude, dabei sorgen Humor und Ironie aber dafür, dass der Text nie in pathetische Heldenverehrung zu sinken droht.
Scheinbar "ganz nebenbei" und mit leichter Hand skizziert Pleschinski auch das Nachkriegsdeutschland, speziell Düsseldorf im Jahre 1954. Das sorgt für eine Grundierung, durch die alle Passagen des Textes gut geerdet sind, auch solche wie zum Beispiel die vielleicht etwas lang geratenen Reflexionen von Golo Mann zur Geschichte der Deutschen.
Eine heitere Thomas Mann=Revue ist KÖNIGSALLEE, und auch mehr. Die Distanz zur Welt, die Alter und Berühmtheit mit sich bringen (zumindest in diesem konkreten Fall), erschweren menschliche Begegnungen und machen einsam. Und so begegnen wir auch einem Thomas Mann, der zum guten Teil im Dekorum erstarrt und mit jüngsten Literaturentwicklungen nichts mehr anfangen kann.
Das macht KÖNIGSALLEE zu einem vielschichtigen, unterhaltsamen und empfehlenswerten Buch, das nicht nur eingefleischten Thomas Mann=Lesern Freude bereiten wird.

Eine qualifiziertere Besprechung als meine Review kann man z.B. hier lesen:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/...

("Ausgehend von den Tagebüchern Thomas Manns, in denen er eines seiner homoerotischen Treffen schildert, hat Hans Pleschinski hier eine abenteuerliche Geschichte entwickelt, der den schon gealterten Doyen zu einer Lesung nach Düsseldorf führt. Dort kommt es zu einem nicht erwarteten Wiedersehen.
Im August 1954 kehrt der Exilant Thomas Mann nach Deutschland zurück. Genauer: nach Düsseldorf, für eine Lesung aus dem „Felix Krull“. Die Stadt hat in seinem Leben Epoche gemacht; nicht zufällig spielt seine letzte große Novelle ("Die Betrogene") dort. Aus Düsseldorf stammte Klaus Heuser, die große Liebe Manns aus dem Sylter Sommer 1927. Vielleicht ist der Schriftsteller einem jungen Mann nie näher gekommen. Heuser stimulierte sein Werk und wurde Vorbild für den Josef der biblischen Tetralogie.

„Königsallee“ gestaltet den Düsseldorf-Besuch nach dem Vorbild von Manns Roman „Lotte in Weimar“, wo die Wiederbegegnung des gealterten Goethe mit der Jugendliebe Charlotte Kestner inszeniert wird. Zeitgleich mit Thomas Mann hat sich im Hotel Breidenbacher Hof auch Klaus Heuser mit seinem Lebensgefährten Anwar einquartiert: ebenfalls eine Rückkehr, nach langen Jahren in Fernost. Klaus in Düsseldorf! Die Wiederbegegnung scheint unausweichlich.

„Lotte in Weimar“ basiert auf der komödienhaften Drehung der Perspektive. Bevor Goethe selbst im siebten Kapitel auftritt, wird er ins Visier genommen von mehr oder weniger geniegeschädigten Figuren seines Umkreises, etwa dem Sekretär Riemer oder Sohn August, die sich bei Lotte vorstellig werden. So ergeben sich reizvoll ambivalente Blicke auf den großen Mann.

Ganz ähnlich geben sich bei Pleschinski nun Erika Mann, Ernst Bertram und Golo Mann die Klinke von Heusers Hotelzimmer in die Hand: Erika, die unermüdliche politische Kämpferin, die sich im Dienst am Vater aufreibt und Heuser von ihm fernhalten will: die Wiederbegegnung würde dem alten, gesundheitlich angeschlagenen Herrn nicht gut tun. Professor Bertram, Thomas Manns Freund und Helfer aus den Tagen als „Der Zauberberg“ entstand, der sich politisch für die falsche Seite entschied und mit den Nazis sympathisierte, versucht, Heuser zu seinem Fürsprecher bei Thomas Mann zu machen. Schließlich der tief melancholische Golo, den die Zurücksetzung durch den Vater sogar zu Mordgedanken treibt.

Am Ende kommt es zu einer kurzen, traumhaften Wiederbegnung Thomas Manns mit Klaus Heuser. Tatsächlich wiedergetroffen hat er in Düsseldorf nur dessen Eltern; mit Bertram hatte es schon wenige Tage vorher eine Art Versöhnungsbegegnung gegeben.

„Königsallee“ ist ein mit Thomas-Mann-Zitaten gespicktes Buch – ein Wiedererkennungsspaß für Fans und solche, die es werden möchten. Der Roman bietet darüber hinaus das Sittenbild einer Zeit, die zwischen demokratischer Zukunft und diktatorischer Vergangenheit manchen Balanceakt zu vollbringen hatte. Der Nobelpreisträger soll in Düsseldorf eine Art Exorzismus betreiben: Wo er eine Rede hält, da ist der Segen der Demokratie präsent, und auch die Handelsbeziehungen profitieren. Pleschinski trifft den Geist der Fünfziger Jahre: Aufbau und Bemühung, Verdrängung und Fauxpas.

Ein bisschen weniger Bildungsschwere hätte dem Roman gut getan. Trotzdem bietet er eine angenehme, kluge, erheiternde Lektüre und ist der humorlosen Breloerisierung der Familie Mann vorzuziehen.

Besprochen von Wolfgang Schneider"

Profile Image for Ellie.
3 reviews
February 10, 2014
(Kann Spoiler enthalten)
Sommer 1954 - Thomas Mann ist auf Lesereise und macht Halt in Düsseldorf. Zur gleichen Zeit kehrt Klaus Heuser, Inspiration für Manns Joseph, für einige Tage in seine Heimat zurück.
Soweit, so gut.
Pleschinski imitiert in diesem Buch den doch recht ausschweifenden Stil Thomas Manns, inklusive eigenwilliger Schreibweisen wie Civilisation, teils gelungen, teils nicht.

Es hat sich - über die meisten Seiten hinweg - doch sehr flüssig gelesen. Andere Kapitel hingegen haben mich hin und wieder fast dazu verleitet, meinen Kindle aus dem Fenster zu werfen.
Obwohl das Buch sehr gut recherchiert ist, Pleschinski sagt selbst in der Nachbemerkung, dass er Zugang zu Heusers Briefen und Fotos hatte, gibt es einige Ungereimtheiten. So wird die Bolkerstraße im Buch "Bölkestraße" genannt und in einigen, älteren Auflagen, heißt die Stadt Meerbusch auch noch anders. Allerdings muss man zu Pleschinskis Verteidigung sagen, dass die Stadt Meerbusch erst 1970 gegründet und 1976 vom Land NRW als Stadt anerkannt wurde.

Gerne hätte ich mehr Sterne vergeben, kann es aber zum einen aufgrund der - für mich - doch sehr nervenaufreibenden und teils zermürbenden Leseerfahrung nicht machen. Aber vielleicht ändere ich meine Meinung später noch einmal, wenn ich es nicht für eine Prüfung lesen muss.
Profile Image for Rainer.
21 reviews8 followers
November 26, 2014
Als alter Düsseldorfer, dort aufgewachsen in den Fünfzigern, habe ich vieles wiedererkannt. Das zum einen. Dann hat mich die Beiläufigkeit, mit der Pleschinski das schwule Paar Klaus Heuser und seinen indonesischen Freund einführt und auch weiterhin begleitet, sehr erfreut. Nix Besonderes, prima, danke.
Einige Kapitel sind vom Allerfeinsten, z.B. Thomas Manns Interview mit der kleinwüchsigen Journalistin. Andere sind weniger gelungen, z.B. die erste Begegnung Heusers mit Erika Mann. So erzählt niemand von sich selbst wie Erika, zumal bei einer ersten Begegnung mit einem Unbekannten. So erzählt allenfalls ein Biograph.
Insgesamt ein wunderbar unterhaltsamer Roman über Thomas Mann, Katja, Erika und Golo, über die Fünfziger in Deutschland, über die Nazivergangenheit (nur implizit), über eine verflossene Liebe und Last but not least auch über Düsseldorf. Eine Lektüre lohnt sich allemal.
Profile Image for Readgina .
475 reviews
August 4, 2017
Ich war kurz davor nur 2 Sterne zu geben - wegen des Golo-Abschnitts.
Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, um was es hier überhaupt geht - ich weiß es immer noch noch nicht - es gab viel zu viele Themen und Geschichten. Wer ist die Hauptfigure, Thomas Mann? Klaus?
Die Kapitel mit Klaus und Anwar haben mir am besten gefallen. Allerdings fand ich es teilweise seltsam bzw fast rassistisch wie der Autor von Anwar spricht.
Profile Image for Lese lust.
575 reviews37 followers
December 18, 2016
In unglaublich manirierten, Thomas Mann nachahmenden Sätzen wird hier ein fiktives Aufeinandertreffen con Mann und Klaus Heuser geschildert, in der ganzen Konstruktion dabei auch Lotte in Weimar nachgestellt...
Jeder Funken Originalität in diesem Werk bei der Schilderung Deutschlands in der Nachkriegszeit wird durch eine Lawinw von Worten zugedeckt. Und jede Figur, die hier ihren Auftritt hat, spricht und denkt auf dieselbe verdrehte Weise....
wahrlich kein Lesevergnügen.
Profile Image for A. Rose.
34 reviews
December 22, 2023
In vielen Worten wird fast nix erzählt. Langatmig, zäh, langweilig. Musste mich schon durchquälen. 1,5 Sterne, da keine absolute Vollkatastrophe.
Profile Image for Chris Colibri.
22 reviews2 followers
January 4, 2025
Eine recht anstrengende Lektüre, die einiges an Kenntnissen über Thomas Mann und seine Werke voraussetzt.
Profile Image for Cecilia Bastarrica.
64 reviews15 followers
January 19, 2016
Mr. Pleschinski's writing is admirable but it didn't save this book for me, which I thought was mainly boring. An engaging first half was followed by a trodding, overwrought second half (exactly the half that should have been more exciting, what with the premise of the book being an encounter between Thomas Mann and the protagonist, which takes place exactly in that second half).

Also, I have a problem with writers going for Thomas Mann's style or putting words in Thomas Mann's mouth in grandiose prose. It is no criticism of Mr. Pleschinski's literary skill, which is abundant - it is just my personal gripe. Actually, several members of Thomas Mann's family get a voice in this book, and all read phony to me, like extravagant caricatures. Not that I have had any personal knowledge of any of them (maybe they were extravagant caricatures in real life, what do I know!), I just did not enjoy their literary rendition in this book.
Profile Image for Stefan.
3 reviews
August 16, 2013
Düsseldorf in den 1950-gern: Et hätt jrade mal widder jot jejange und nun reist auch noch der größte und zudem moralisch unbelastete Schriftsteller aller Zeiten zur moralischen Absolution an.
Sehr amüsant, man sollte allerdings etwas Thomas-Mann-tauglich sein: "Warum kurz und knapp - da lassen sich doch locker noch ein paar Nebensätze unterbringen...."
Und wie einst Lotte nach Weimar so kommt auch noch Klaus nach Düsseldorf!
Profile Image for Bookafficionada.
2 reviews
Read
November 17, 2020
Schönes Cover. Das Buch fing interessant and sehr vielverprechend an. Aber nach dem Aufritt Erika Manns habe ich aufgehört zu lesen. Zu weitschweifig und zähflüssig. Es gibt einfach zu viele interessante Bücher auf dem Markt, als das ich mich da durchquälen müsste.
Profile Image for Markus Gladbach.
55 reviews1 follower
October 6, 2013
Obwohl ich Thomas Mann liebe, hat mir dieses Buch, das vom Besuch Manns in Düsseldorf handelt und den Geist der 50er beschreibt, nicht gefallen.
Displaying 1 - 12 of 12 reviews

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