Die ganze Weltgeschichte vom Urknall bis heute in einem einzigen Buch von gerade einmal knapp 350 Seiten darstellen zu wollen, dazu gehört -- außer dem nötigen Überblick -- schon einiges an Selbstvertrauen. Und schließlich hat Alexander Demandt einen Ruf zu verlieren. Das gibt er selbst in seinem "Vor- und Nachwort" zu bedenken. Dem Ansinnen des Beck Verlages zuzustimmen, eine einbändige Weltgeschichte vorzulegen, dürfte ihm deshalb alles andere als leicht gefallen sein. Doch zu unserem Glück hat er sich der Herausforderung nicht verweigert. Herausgekommen ist Kleine Weltgeschichte, die mit Demandts großen Arbeiten vor allem eines die souveräne Erzählkunst des Autors, der zudem sehr genau weiß, wo und wie er die Akzente setzen muss, damit seine (hoffentlich sehr zahlreichen) Leser Gewinn und Genuss aus der Lektüre ziehen. Dass an neueren universalgeschichtlichen Darstellungen ein unübersehbarer Mangel herrscht, ist angesichts der enormen Spezialisierung der historischen Zunft kein Wunder. "Infolge der Ausdifferenzierung der Geschichtswissenschaft", zitiert der Autor den Eintrag "Weltgeschichte" aus der Brockhaus Enzyklopädie, " hat die Darstellung der Weltgeschichte ihre Bedeutung verloren." Aber, fragt Demandt völlig zu "Müssen wir über den Teilen das Ganze vergessen?" Das vorliegende Buch ist die richtige Antwort auf diese Frage! Und so wollen wir an dieser Stelle nicht darüber lamentieren, dass zwar "Geographiestudenten nach wie vor alle Kontinente, Mediziner alle Organe kennen müssen", in der Geschichtswissenschaft aber "die Forderung nach Grundwissen aus den universitären Prüfungsordnungen verschwunden" ist. Seien wir froh, dass wir noch einmal eine derart gelungene, konzise Gesamtdarstellung präsentiert bekommen haben. In ihrem Genre jedenfalls, so viel darf man jetzt schon sagen, wird diese Kleine Weltgeschichte auf absehbare Zeit nicht so leicht ihresgleichen finden. --Andreas Vierecke