In diesen aufschlußreichen sowie brillant formulierten Essays zu Werken von Stifter, Schnitzler, Hofmannsthal und Kafka, von Canetti, Bernhard, Handke, Ernst Herbeck und Gerhard Roth gelingt es dem Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Sebald, einige bislang oft wenig beachtete Merkmale österreichischer Literatur ins Blickfeld zu rücken. Im Mittelpunkt seiner Analysen stehen die psychischen Voraussetzungen des Schreibens, insbesondere »das Unglück des schreibenden Subjekts«, mit dem Sebald die eigentümliche Schwermut in der österreichischen Literatur zu erklären versucht. Einfühlsam geht er der Frage nach, inwiefern persönliche Existenznöte, aber auch historische und politische Kalamitäten das Schreiben dieser österreichischen Autoren jeweils beeinflußt haben, und folgert: »Die Beschreibung des Unglücks schließt in sich die Möglichkeit zu seiner Überwindung ein«.
Winfried Georg Maximilian Sebald was a German writer and academic. His works are largely concerned with the themes of memory, loss of memory, and identity (both personal and collective) and decay (of civilizations, traditions or physical objects). They are, in particular, attempts to reconcile himself with, and deal in literary terms with, the trauma of the Second World War and its effect on the German people.
At the time of his death at the age of only 57, he was being cited by many literary critics as one of the greatest living authors, and was tipped as a possible future recipient of the Nobel Prize in Literature.
– Bis an den Rand der Natur – Versuch über Stifter – Das Schrecknis der Liebe – Zu Schnitzlers Traumnovelle – Venezianisches Kryptogramm – Hofmannsthals Andreas – Das unentdeckte Land – Zur Motivstruktur in Kafkas Schloß – Summa Scientiae – System und Systemkritik bei Elias Canetti – Wo die Dunkelheit den Strick zuzieht – Zu Thomas Bernhard – Unterm Spiegel des Wassers – Peter Handkes Erzählung von der Angst des Tormanns – Eine kleine Traverse – Das poetische Werk Ernst Herbecks – Der Mann mit dem Mantel – Gerhard Roths Winterreise – Helle Bilder und dunkel – Zur Dialektik der Eschatologie bei Stifter und Handke
P. 10- "A retração da natureza que nos mantém vivos é disso o correlato cada vez mais evidente. Mas a melancolia, a reflexão sobre a infelicidade consumada, nada tem a ver com o vulgar desejo de morte. É uma forma de resistência. E, sobretudo ao nível da arte, a sua função está longe de ser meramente reativa ou reacionária. Quando ela, de olhar fixo, pensa uma vez mais no que nos arrastou até aqui, bem se vê que o impulso que leva ao desespero e o que leva ao conhecimento são agentes idênticos. A descrição da infelicidade traz em si a possibilidade de a superar."
Natürlich ein sehr lehrreiches Buch, voll von genauen Lektüren und klarsichtigen Analysen. Aber wie dunkelschwarznegativ allesallesalles. Natürlich zeugt die berühmte Frage "Herr Kästner, wo bleibt das Positive?" heutzutage nicht von besonderem kritischen Scharfsinn, und natürlich kann man z.B. den beschaulichen Stifter-Leser auf Stifters grausigen Selbstmord verweisen - ein wahrhaftes Todschlag-Argument! Muss man sich trotzdem bei Stifter ausschließlich mit dessen vermuteter Pädophilie und bei Hofmannsthal ausschließlich mit seiner Homoerorik herumärgern und bei der Kafka-Lektüre die tausendste Todesmethapher herauszufiltern suchen? Ich weiß nicht recht. Über das Unglück Stifters weiß ich jetzt jedenfalls viel mehr. Über das Glück beim Stifter-Lesen muss ich mir weiterhin meine eigenen Gedanken machen.