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Denkwürdigkeiten: Aus meinem Leben

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Als stilbildender Humorist wird er verehrt, als Universalkritiker gefürchtet, als einer der eigenwilligsten deutschen Schriftsteller gerü Eckhard Henscheid, Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule und der satirischen Zeitschrift Titanic, schuf ein verblüffend vielfältiges Werk, das zum Großen der Nachkriegsliteratur gerechnet werden darf. Mit Leidenschaft liebt Henscheid die klassische Literatur, Musik, die Oper und die Provinz, und er schreibt anrührend darüber; doch ebenso leidenschaftlich geißelt er alles, was ihm aufgebläht und eitel erscheint. Henscheid kannte alle und stritt mit vielen, gern und glühend. Nun erzählt Eckhard Henscheid von dem, was sein Leben prä der Geschmack von Kokosnüssen und der Duft des Katholizismus, liebe Freunde - wie die Weggefährten Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter - und Lieblingsfeinde. "Denkwürdigkeiten", notiert mit stilistischem Raffinement, bissig, komisch und hintergründig wie immer, immens klug und gebildet wie gewohnt. Eine kleine Geschichte der Bundesrepublik, wie man sie noch nicht gelesen hat - und das Selbstporträt eines großen deutschen Autors.

416 pages, Hardcover

First published February 4, 2013

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About the author

Eckhard Henscheid

67 books4 followers

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Klaus Mattes.
762 reviews11 followers
November 28, 2025
Da hatte ich mir schon etwas mehr versprochen. Aber man kann vielleicht sagen, dass einer der grandiosen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts, Eckhard Henscheid, der Sturbock aus Amberg, nach „10:9 für Stroh“ (Erzählungen, 1998) nie mehr was Bedeutendes veröffentlicht hat. Fast fängt man zu bedauern an, dass er's nie lassen konnte, immer noch was und noch was Kleines zu den ewigen Werken hinzu zu schreiben.

2013, genau im Jahr, als meine Mutter starb, ich darum etwas erbte, mir solche neu erschienenen gebundenen Bücher (mit Fotos darin) endlich wieder leisten konnte, maßte der ewige Goethe-Kenner, Goethe-Veräppler, Goethe-Kommentator sich an, „Denkwürdigkeiten aus meinem Leben“ zu veröffentlichen. (Bei Goethe hieß es „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“. Und war ein bisschen besser formuliert, auch noch ein wenig langweiliger. „Denkwürdigkeiten des eigenen Lebens“ hieß es dagegen bei Karl August Varnhagen von Ense, dessen Frau Rahel mit der Bettine befreundet war, die das Buch über Goethe gemacht hat. Der Germanist Henscheid weiß so was natürlich.)

Nun ja, die zugeneigten Rezensenten, die ich googlen konnte, nennen es: brillant, böse, selbstironisch, lesenswert. Erwähnen nebenbei, dass es keinen durchgehenden Text gibt, es keine auf Vollständigkeit angelegte Autobiografie ist. Vielmehr folgt Mosaiksteinchen auf Anekdote, Kalauer, Zeitgeistkommentar, sprachkritische Polemik. Auch die „üblichen Verdächtigen“ für die Rollen von Henscheids Lieblingsdeppen, die er mit großer Wonne herunterreißt, schauen noch mal vorbei: Heinrich Böll („steindumm, kenntnislos, talentfrei“), Hildegard Hamm-Brücher, Margot Käßmann, Gertrud Höhler, Hans Küng, Björn Engholm, Hans-Dieter Hüsch, Gerhard Zwerenz, Luise Rinser, Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki („Arschloch“). Dass die Enkelgeneration einige davon gar nicht mehr kennt, auch nicht zum Smartphone greifen will, ficht den eisgrauen Faltenbär aus der ostbayerischen Provinz nicht an. Er ist „Mitglied im Dachverband der Ewiggestrigen“. Handy, Fax, E-Mail? „Natürlich besitze ich nichts dergleichen und werde es nie besitzen.“

Da ist schon mal klar, wer den alten Rempler sicher nicht mehr für sich entdecken wird. Aber selbst mich alten Fan, aus der Oberstufenzeit in den ausgehenden siebziger Jahren, der ich noch weiß, wie überirdisch schön und komisch die Zusammenkünfte der Meisterschwafler des Provinzkleinbürgertums in seinen ersten drei Romanen, den Erzählungen von „Frau Killermann“, der „Wurstzurückgehlasserin“ und in den Kafka-Geschichten „Roßmann, Roßmann“ einst waren, verunsichert und betrübt die verbreitete Belanglosigkeit und Redundanz dieser doch wohl witzig gemeinten Texthappen. Dass er mit Herbert Wehner mal am selben Wirtshaustisch gesessen hat, mit Egon Bahr auf demselben Wolgaschiff gefahren ist, Kammersängerin Rita Streich (1920-1987, die Wiener Nachtigall) anlässlich einer Abendgesellschaft auf dem Klavier (nicht Flügel) begleitete, muss für die Nachwelt schon noch mal dokumentiert werden. Wie auch, dass er sehr lange schon weiß, dass er zu den besten deutschen Schriftstellern zählt. (Nur die Fachgelehrten und Feuilletonschranzen konnten es nie wahrhaben.)

Wie gewohnt gibt es von Henscheid in dem einen Buch, das er übers eigene Dasein hinterlässt, noch mal viel Krimskrams, der kaum noch viel mehr Menschen als ihn selbst betreffen kann. Nürnberger Fußballergebnisse aus den fünfziger und sechziger Jahren, Abwägungen verschiedener italienischer Verdi-Einspielungen. Er entschuldigt das Unternehmen so:

„Jeden Tag schreibt irgendein Schwachkopf die Biografie irgendeines Schwachkopfs. Das ist jetzt Mode“ (Agatha Christie, „Der ballspielende Hund“). Besser schon, es unverdrossen ohne Säumen selber zu machen. Auch wenn das nun gleichfalls keine Mode werden soll.

Er sei in der Jugend ein sehr versierter, gedächtnisstarker Thomas-Mann- und Arno-Schmidt-Leser gewesen, deren buchhalterische Präzision sei ihm in Mark und Bein verwachsen. Ein wenig denkwürdigere Denkwürdigkeiten als diese kleinen Schmankerln hätte ich mir dennoch gewünscht. Überraschend immerhin, dass er die Helmut-Kohl-„Tochter“ Angela Merkel für ihre Rede in Jerusalem an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem lobt, nachdem er das sinnlose Geschwalle so vieler CDU- und CSU-Politiker lächerlich gemacht hat.

Man weiß nicht genau, ist er altersmilde geworden oder viel zu selbstreferentiell. Schreibt er unter unbarmherzigen Fandruck: „Onkel Eckhard, gib uns doch bitte, bitte noch mal den Affen!“ In die kommenden Generationen vertraut er, mag auch sein, dass sie ihn nie mehr lesen:

Mag ja sein, dass wir schon irreversibel auf eine neue Kinder- und Jugendspezies von Futuristischen oder je nachdem Regredierten zusteuern oder längst bei ihnen angelangt sind. Aber sobald man dann realisiert, wie z. B. am 10. Dezember 2010 auf der Weißwiese bei Eglsee sieben Kinder nach Schulschluss bei glitzerndem Sonnenschein in tiefem Pulverschnee mit ihren Schlitten herumwackeln und -kugeln, nicht anders als im Jahr 1550 auf den Bildern von Pieter Brueghel und dann wieder 1840 auf den Federzeichnungen von Ludwig Richter sowie 1950 bei mir, in meiner Kindheit, dann – dann wird vielleicht doch noch alles, alles wieder gut.

Profile Image for Kai Schreiber.
Author 2 books23 followers
March 25, 2013
Es gefiel dieses Buch mir besser, als ich erwartet hatte und somit gefiel es mir also fast schon gut. Die manirierte Selbstüberhöhung des Eckehard Henscheid grenzt häufig durchaus ja ans Scharmante, die Schnurren und Geschichten sind, wo schon vielleicht nicht grade segensreich gehaltvoll dahinrumpelnd, so doch unterhaltsam daherramentert, die Musikeinlassungen gewohnt punktgenau und erhellend beziehungsweis glockenhell erklingend, und der zähe Hang zur unbedingten Besonderheit, der oftmals ein wenig zu sehr aus den Zeilen weht, lappt nur mitunter und dann fast gar nicht oder doch jedenfalls höchstens spürbar ins sogar Sonderliche. "So." (Eckhard Henscheid, a.a.O.) Oder beziehungsweise dann halt auch wieder ganz anders.
Profile Image for Chris Kurbjuhn.
69 reviews
March 11, 2014
Typischer "später" Henscheid. Wenn man den frühen und den mittleren Henscheid kennt, ist einem vieles bekannt, er wiederholt sich gelegentlich ganz gern, und auf den letzten 50 bis 100 Seiten hatte ich das Gefühl, er wollte einfach fertig werden. Die (Be)Schimpfereien sind natürlich mal wieder ganz großartig, aber wenn man, wie ich, das Oeuvre des Meisters seit der "Trilogei des fortlaufenden Schwachsinns" verfolgt, kennt man's, wie gesagt. Daher ist das Buch m. E. nur für die Henscheidianer, die wirklich alles von ihm gelesen haben müssen.
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