Das recht kurze Epos über Gilgamesch, dessen Bekanntheitsgrad hoch genug ist um eine Verminderung meiner hier erläuternden Zeit zu erwirken, bereitete mir durchaus genug Kurzweil, während mich das antike Alter dieser Texte faszinierte. Bedenkt man den 5000 Jahre andauernden Zeitunterschied ist man als Leser ab den Kernthemen die hier behandelt werden und die seither tausendfach und mannigfaltig thematisiert wurden, nur umso verdutzter.
Es geht um Liebe, Neid, Mut und den Wert des Lebens an sich. Wie oft wurden diese Themen seither behandelt. Gilgamesch selbst durchwandert in seinem langem Leben als Halbgott und Halbmensch all die Erfahrungen, die jeder starke Mensch durchzumachen hat um letztlich die endgültige Erkenntnis zu erreichen. Man bemerkt auf anhieb, wie wenig originell die Menschheit doch eigentlich in all den Jahrtausenden ihrer Suche nach Antworten war und wie die Schriftsteller immer wieder auf Texte zurück greifen konnten, welche vor ihnen bereits jene Themen behandelt haben, deren Aufbearbeitung sich jene uns bekannten Schriftsteller rühmen konnten. All das was den Menschen seit jeher beschäftigt, hat er seit jeher millionenmale versucht künstlerisch zu bearbeiten, mal grandios, mal grottenschlecht.
In diesem Falle enthalte ich mich gleichwohl jedes Urteils. Die erhaltenen, antiken Texte rundum Gilgamesch die erst 1878 entdeckt wurden überraschen den Leser freilich durch ihre beredsame, etwas fremde Poesie, doch ob dies nun ein Meisterwerk oder eher Mittelmaß ist weiß ich bei allem Willen nicht einzuschätzen. Ich empfand den Inhalt mir selbst doch allzu gut bekannt, die Dichtkunst dahinter etwas befremdlich und doch ist die ungemeine, babylonische Sprachkunst spürbar, deren rascher Fluss bei aller Wohlgesetztheit der Worte von anregender Beredsamkeit ist.
Man fühlt förmlich, wie sehr der uns unbekannte Schriftsteller dieses Textes sich über all die Widrigkeiten des Lebens Aufklärung verschaffen wollte, indem er die Mythen seiner Zeit zu einem Epos rundum Gilgamesch aufbaute. Gilgamesch selbst verzweifelt ob dem Menschen und seiner Sterblichkeit in ihm und sucht sich zunächst davon zu befreien, bis auch er erkennen muss dass gerade in der Endlichkeit aller Lebewesen, zumindest in dieser Welt, etwas tröstliches liegt.
Ich musste indessen an Schopenhauers Worte denken: "Man bedenke, dass, wenn man alle Absurditäten, die der Mensch glaubt, ihm ausreden wollte, man Methusalems Alter erreichen könnte, ohne damit fertig zu werden."