»Männer, Geld und Häuser kann man nie genug haben.«: Eine Frau führt die Männerwelt der Siebzigerjahre ad absurdum, indem sie deren Regeln auf den Kopf stellt und für sich nutzt.
West-Berlin in den frühen Siebzigerjahren. Inmitten der klammen, grauen, von Männern geprägten Stimmung der Zeit zieht eine Baulöwin ihre Kreise. Als glamouröse Person der High-Society nutzt sie ihre Verbindungen in die hohen Kreise der Politik, um gewaltige Bauvorhaben durchzuboxen. Doch dann kommt ihr Otto in die Quere, gerade neunzehn Jahre alt, Praktikant einer Vorort-Zeitung, der ein wenig blauäugig von seltsamen Vorkommnissen auf der Großbaustelle berichtet und damit ins Visier der Architektin gerät. Otto wird jede Hilfe brauchen, die er finden kann, um sich ihrem Bann zu entziehen.
Zugegebenermaßen hatte ich ein wenig Angst davor “Die Architektin” zu lesen, auch wenn ich mich schon monatelang auf dieses Buch gefreut hatte. Aber da Till mir hier auf goodreads folgt (hallo und danke!), gab es diesen Gedanken “Was, wenn es mir nicht gefällt? Ich will keinen Verriss schreiben!”. Glücklicherweise hat mir (wenig überraschend wenn man Texte von Till kennt) das Buch aber irrsinnig gut gefallen. Meine Erwartungen wurden definitiv übertroffen und schon länger hatte ich nicht mehr so viel Spaß beim Lesen eines Buches. So viele unfassbar tolle Formulierungen und Sätze die ich immer wieder mit anderen Menschen teilen wollte. Ich habe gefühlt das halbe Buch unterstrichen. Raethers Humor trifft meinen auf den Punkt und ich hab mehrmals laut gelacht. Inhaltlich hat sich “Die Architektin” ein wenig als Kriminalroman ohne Mord entpuppt. Denn Immobilienspekulation auf Kosten der Allgemeinheit ist einfach ein Verbrechen. Und dann ist es wieder ein Roman über das Erwachsenwerden, über die dunklen Seiten der deutschen Geschichte, über Kapitalismus, Zukunftsglauben, Utopien und Zwischenmenschliches. So vielschichtig und dennoch ungemein leichtfüssig. Der Autor zeichnet ein scharfes und durchaus auch sehr liebevolles Bild seiner Protagonist*innen, selbst von denen, die man nicht unbedingt sympathisch finden möchte. Ein spannendes Phänomen hat sich während der Lektüre, die ich zum Großteil während Zugfahrten verbracht habe, eingestellt: eine sanfte Zuneigung und Liebe, nicht nur zu den Charakteren im Buch (jede*r einzelne ist mit allen Fehlern so ungemein menschlich und einnehmend, ich weiß gar nicht wen ich am Liebsten hatte) sondern auch zu allen Mitreisenden. Ich kam nicht umhin mir auszumalen, was für Geschichten sich hinter ihren Gesichtern wohl verbergen mögen und womit sie vielleicht gerade zu kämpfen haben. Danke Till, das hat richtig gut getan!
Wie viel Freude das gemacht hat! Wunderbar zieht "Die Architektin" einen in die Geschichte und ihre Zeit. Fast noch lieber hatte ich es auf der Satzebene. Habe zufällig anwesenden Mitmenschen immer mal einen vorlesen wollen, und dann den nächsten, und noch einen, und vielleicht noch den Absatz... Weil jeder Satz einfach viel, viel Spaß macht.
Federleicht geschrieben, doppelbödig und schwer in der Strandtasche. (Ich habe den Roman am Meer in Italien gelesen) Mit Meeresrauschen vermischen sich eine hedonistisch-schöpferische Sprache und scharf gezeichnete Skizzen der 70er, die fortwährend Lachsalven erzeugen. Ein großer intellektueller und sprachlicher Genuss!
Kurzweiliger, intelligenter Roman über eine Frau die westberliner Baugeschichte schrieb. Unterhaltsame Mischung aus Lokalkoloriert, Gesellschaftsbild und Baukrimi, die zum Ende hin vielleicht etwas kitschig wird, aber immer spannend geschrieben ist.
Richtig gute Story & liebe Charaktere. Habe mir zwischendurch gewünscht das alles als Film zu sehen. Aber am Ende würde ein deutscher Film alles zu unerträglichen Kitsch werden lassen und gucken würde ich es auch nicht.
Dieser Roman ist ein Hammer! Brillant geschrieben und vom Inhalt her ununterbrochen spannend. Das einzige negative an diesem Buch ist, dass es irgendwann zu Ende gelesen ist. Absoluter Lesetipp.
Hat mich besonders sprachlich sehr begeistert. Aber auch der erschaffene Topos war faszinierend und so realitätsnahe wie (deshalb auch) absurd. Super Figurenzeichnung und gut eingesetztes Perspektivenspiel mit einer Prise Spannung